Nahverkehr im Augsburger Zentrum soll gratis werden: Begeisterung, aber auch kritische Fragen im Stadtrat

Der ÖPNV soll bald in Teilen der Innenstadt kostenlos sein.

Augsburg wolle eine "Vorreiterrolle" einnehmen, so beschrieb Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza am Donnerstag im Stadtrat die Pläne für eine „City Zone“, in der es in nicht mehr allzu ferner Zukunft kostenlos sein soll, Straßenbahn und Bus zu nehmen. Bis Ende 2019 möchten Stadt und Stadtwerke den Gratis-Nahverkehr umsetzen - und damit die einzige Großstadt in Deutschland werden, die kostenfreien ÖPNV in ihrer Innenstadt anbietet. Im Stadtrat gab es dafür viel Lob, aber auch kritische Nachfragen.

In Graz gebe es eine vergleichbare kostenlose City-Zone, sagte Casazza, der in der österreichischen Stadt einst studierte. In Augsburg soll sich der Bereich vom Königsplatz und Moritzplatz jeweils eine Haltestelle nach außen erstreckt. Insgesamt umfasst das Konzept, das Teil des sogenannten "Masterplan für nachhaltige und emissionsfreie Mobilität" der Stadt ist, acht Haltestellen. Innerhalb des Gebiets von Hauptbahnhof, Theater, Rathausplatz, Ulrichsplatz und Frohsinnstraße, so der Plan, können Busse und Straßenbahnen dann gratis genutzt werden.

Gratis-Nahverkehr in Augsburger Innenstadt: "Ganz großes Kino"

Ziel sei, erklärte Bürgermeisterin Eva Weber (CSU), die Luft in der Innenstadt sauberer zu bekommen. Denn: Entlang der Karlstraße wird nach wie vor der Grenzwert für Stickoxid überschritten.

Aus den Reihen der Stadträte gab es einiges an Lob. Als "ganz großes Kino" bezeichnete Stadtrat Markus Arnold (CSU) das Gesamtkonzept. Er wünsche sich allerdings eine Ausweitung der City-Zone auf die touristisch wichtigen Punkte wie Dom oder Puppenkiste.

Park-Chaos am Rande der City-Zone?

Rolf von Hohenau (CSU), der im Beethovenviertel wohnt, gab zu bedenken, dass die  Frohsinnstraße bereits jetzt täglich zugeparkt sei. Er befürchtet zusätzliches Park-Chaos, wenn man ab der Frohsinnstraße kostenlos in die Innenstadt fahren kann.

Zudem frage er sich, warum die Karlstraße, die am stärksten belastet ist, nicht in der City-Zone sei.

Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) sagte, sie sei "sehr angetan", aber: "Was passiert auf den Zubringerstraße?" Als Beispiel nannte sie die Haunstetter Straße: "die erstickt im Verkehr."

Stuber-Schneider forderte zusätzliche Park+Ride-Plätze, vor allem im Süden der Stadt. Bürgermeisterin Weber erwiderte, dass dies alles ebenfalls Teil des Gesamtkonzepts sei.

Innenstadt-Nahverkehr: "Und wir von außen finanzieren das?"

Dass die größten Profiteure nicht die Besucher der Innenstadt, sondern deren Bewohner seien, die künftig umsonst fahren, während die Augsburger aus anderen Stadtteilen nach wie vor für den Nahverkehr zahlen müssen, darauf wies Hedwig Müller (CSU) hin. "Und wir von außen finanzieren das dann, dass die, die im Zentrum wohnen, umsonst fahren?", fragte sie. Casazza antwortete darauf lediglich: "Frau Müller ist bestimmt auch daran interessiert, eine saubere Luft in der Innenstadt zu haben."

Dem "Masterplan für nachhaltige und emissionsfreie Mobilität" stimmte der Stadtrat schließlich einstimmig zu.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.