Neubau der FOS/BOS Augsburg doch möglich? Stadtratsopposition fordert neuen Beschluss nach Fehlinformation

Tropfende Decken, Schimmel , und ein nicht nutzbares Lehrerzimmer: Einig ist sich der Stadtrat, dass an der FOS/BOS Augsburg schnell etwas passieren muss. Doch die Diskussion über Sanierung oder Neubau hält an. Foto: Tabea Breidenbach

Bereits während der jüngsten Stadtratssitzung im November wurde rege diskutiert über die Frage, ob ein Neubau der in die Jahre gekommenen Fachober- und Berufsschule (FOS/BOS) Augsburg sinnvoll, bezahlbar oder überhaupt möglich ist. Zwar stimmte am Ende der zweistündigen Diskussion, die auch viele Schüler von den Besucherplätzen aus verfolgt hatten, die Mehrheit des Stadtrates mit acht Gegenstimmen für die Entkernung und komplette Sanierung des Schulgebäudes, doch so richtig glücklich mit dieser Lösung schien kaum jemand zu sein.

Auch Baureferent Gerd Merkle, der entschieden gegen einen Neubau argumentierte, meinte im Laufe der Diskussion: "Geben Sie mir eine freie Fläche, und ich baue Ihnen den Neubau". Doch eine solche Fläche gebe es nicht und deshalb sei ein Neubau, so der Grundtenor des Bauausschusses, schlichtweg nicht möglich.

Denn auf dem jetzigen Gelände ein vorübergehendes Ausweichgebäude für die Schüler zu errichten, während die Schule neu gebaut wird, sei nur mit einer Änderung des Bebauungsplans möglich, argumentierte Merkle, und diese könnte noch einmal zwei Jahre in Anspruch nehmen. Für die Schüler der maroden Schule sei es aber nötig, möglichst sofort etwas zu unternehmen. Die Wichtigkeit einer schnellen Lösung betonte etwa auch Christian Moravcik. Der Neubau sei keine Option, sagte der Grünen-Stadtrat, da es kein Grundstück gebe und der Bau länger dauern würde. "Wir sind mit dem Beschluss nicht glücklich, aber er ist fachdienlich und zeitnah zu verwirklichen", meinte Moravcik. Dem stimmte die Mehrheit des Stadtrates zu.

Opposition fordert einen ersten Neubau auf dem Parkplatz

Doch die Abstimmung, so teilten nun die Ausschussgemeinschaft aus Freien Wählern, der Linken, ÖDP und Polit-WG gemeinsam mit der Fraktion von Pro Augsburg mit, sei unter falschen Voraussetzungen getroffen worden. Die zehn Stadträte fordern einen erneuten Beschluss zugunsten eines Neubaus. Denn auf dem Gelände der FOS/BOS gebe es gar keinen Bebauungsplan. Das habe inzwischen auch Gerd Merkle bestätigt. Damit sei eine Bebauung des Geländes auch außerhalb der bestehenden Baukörper sehr wohl kurzfristig möglich. "Abgesehen davon erscheint es uns sehr unwahrscheinlich, dass wirklich alle alternativen Vorgehensweisen für eine Sanierung diskutiert und bearbeitet wurden, wenn dem Baureferenten dabei nicht einmal das Fehlen eines Bebauungsplanes aufgefallen ist", schreibt die Ausschussgemeinschaft in ihrem Antrag an den Stadtrat.

Die Unterzeichner fordern nun, dass der im November getroffene Beschluss neu gefasst wird, und zwar zugunsten eines Neubaus der FOS, BOS und RWS. Statt einer Interims-Lösung, bei der einzelne Klassenzimmertrakte in Container verlagert werden, schlagen sie vor, einen Teil der neuen Schule samt Tiefgarage bereits im Vorfeld auf dem derzeitigen Parkplatz zu errichten. "So kann man sich eine teure Interimslösung sparen, wenn man gleich einen Neubau mit Klassenzimmern, Funktionsräumen und einer Tiefgarage errichtet", argumentiert ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger. "Man schafft damit einen Bau mit Perspektive." Für den weiteren Neubau könne dann ein Ablaufplan für Teilabrisse von Bestandsgebäuden mit Ersatzneubauten erstellt werden. Die Konzeptentwicklung und Planung müsse in enger Absprache mit der Schulleitung erfolgen.

Denn auch das Lehrerkollegium, die Schüler und der Ministerialbeauftrage seien für einen Schulneubau, betonte in der vergangenen Woche die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und kritisierte die Entscheidung zur Sanierung. "Man will für teures Geld ein Schulgebäude sanieren in dem Wissen, dass es zu klein sein wird, um alle Schüler dort unterzubringen", so die Gewerkschaft. Das sanierte Gebäude wird wohl nach der Fertigstellung nur 90 Prozent der empfohlenen Raumvorgaben erfüllen. Bei einem Neubau könne der nötige Raum nach Bedarf neu ermittelt werden und eine zeitgemäße Raumstruktur angewendet werden.

Mindestens 88 Millionen Euro veranschlagt Gerd Merkle für die Sanierung des Gebäudes "im besten Fall", das heißt bei einer Bauzeit von vier Jahren. Dass die Sanierung wirklich in dieser Zeit abgeschlossen wird, ist unwahrscheinlich, denn dafür fehlen der Stadt die finanziellen Mittel. Momentan ist geplant, jährlich rund zehn Millionen Euro für die Sanierung zur Verfügung zu stellen. Für einen Neubau geht die Bauverwaltung von Kosten von rund 109 Millionen Euro aus.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.