Ost-West-Tangente: Braucht die Innenstadt eine Umgehungsstraße?

Tunnel unter dem Senkelbach: Bereits seit rund 30 Jahren gibt es bei der Stadt Pläne für eine Innenstadt-Umgehung. (Foto: Kristin Deibl)

Pläne für eine Ost-West-Tangente hat die FDP nun vorgelegt. Nach den Vorstellungen der Freien Demokraten soll diese das Zentrum vom Verkehr entlasten. Im Gesamtverkehrsplan steht bereits seit Jahrzehnten ein ähnlicher Vorschlag für eine Umgehungsstraße. Eine Umsetzung der Straße plant die Stadt aber voraussichtlich nicht.

„Unser Ziel ist es, die Altstadt und angrenzende Wohngebiete vom Durchgangsverkehr zu entlasten und die Lärm- und Abgasbelastung massiv zu reduzieren“, sagt Katrin Michaelis,
Kreisvorsitzende der Augsburger FDP. „Um die Altstadt als ganzes aufzuwerten, brauchen wir endlich eine leistungsfähige Umgehungsstraße um das historische Zentrum.“
Eine solche Innenstadtumgehung sei vom Baureferat aber nicht einmal geplant, sagt Lars Vollmar, der dem FDP-Fachausschuss Stadtentwicklung und Verkehr vorsteht. „Obwohl sich die Stadt Augsburg Mühe gibt, das Fahrrad und den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, folgt sie ungewollt immer noch dem Ideal der autogerechten Stadt aus der Mitte des letzten Jahrhunderts“, kritisiert Vollmar.
Als Beispiele nennt er die Bürgermeister-Ackermann- und die Hans-Böckler-Straße – beides mehrspurige Schnellstraßen, die große Verkehrsmengen in Teile der Innenstadt lenken, die dafür nicht ausgelegt seien. Der Neubau der Bürgermeister Ackermannbrücke habe 17 Millionen Euro gekostet, die Erneuerung der MAN-Brücke 3,6 Millionen. „Die Stadt hat mehr als 20 Millionen Euro dafür ausgegeben, um die überholte Verkehrsplanung von 1949 erneut in Beton zu gießen. Dabei wäre der schlechte Zustand der Brücken eine gute Gelegenheit gewesen, die Grundlage für eine Innenstadtumgehung zu legen – aber dafür lag keine fertige Planung in der Schublade. Das darf uns nicht noch einmal passieren“, kritisiert die FDP.
Dabei ruht im Gesamtverkehrsplan bereits seit rund 30 Jahren die Nordtangente, deren Trasse vom südlichen Plärrergelände durch einen Tunnel unter dem Senkelbach zum Wertachbruckertor führen würde. Der Verkehr soll von der Bürgermeister-Ackermann-Straße in die Heinrich-von-Buz- und die Liebigstraße umgeleitet werden. Der Plan der Stadt sah vor, über eine weitere Straße, die sogenannte MAN-Spange, den Verkehr auf die Rückseite der MAN umzuleiten und entlang des Lechufers über die MAN-Brücke auf die Stadtbachstraße/ Hans-Böckler-Straße münden zu lassen.
Die Stadt hält die Trasse nach wie vor frei. Dass sie tatsächlich kommt, gilt aber als unwahrscheinlich. Bis 2030 seien keine neuen Straßen notwendig, um eine Überlastung durch zu viel Verkehr zu verhindern, hieß es zuletzt. Aus Sicht der FDP ist die Nordtangente allerdings ohnehin keine sinnvolle Alternative. Sie führe lediglich zu einer Verschiebung des Verkehrs in die Heinrich-von-Buz-Straße und entlaste außerdem die MAN-Kreuzung nicht. Dass aber eine Straße notwendig ist, die die Innenstadt vom Verkehr befreit, stehe für die Fraktion fest. (kd)
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