Paukenschlag im Parkhaus-Streit: Bauausschuss will zwei Tiefgaragen am Kongress

An der Kongresshalle werden nun wohl zwei Tiefgaragen entstehen. (Foto: Laura Türk)
 
Der größte Teil des derzeitigen Parkhauses ist inzwischen geschlossen, geöffnet sind lediglich die untersten beiden Parkebenen mit Stellplätzen für das Dorint-Hotel. Der Streit zwischen den Investoren Spielberger und Lotter führte bis zu einem Stein, der vor die Einfahrt der Garage gelegt wurde, um die Zufahrt zu versperren. (Foto: Archiv)

Seit Jahren liegt die Stadt Augsburg mit Investor Bernhard Spielberger wegen verschiedener Bauprojekte immer wieder im Clinch. Und seit Jahren steht am Kongress ein unfertiges, inzwischen marodes Parkhaus. Auch an diesem ist Spielberger beteiligt. Ein Streit mit Miteigentümer Anton Lotter landete 2016 vor Gericht, gegen den Bebauungsplan der Stadt Augsburg ging der Friedberger Bauunternehmer juristisch vor. Doch jetzt darf Spielberger wohl wieder an der Kongresshalle bauen, ein neues Parkhaus in Kombination mit Wohnungen. Die Pläne für die Tiefgarage, die die Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft unter der Gögginger Straße errichten will, gehen unabhängig davon weiter.

In der Augsburger Innenstadt mangelt es an Wohnungen und Stellplätzen. Am Kongress am Park wäre Raum für beides, doch seit fast 15 Jahren blockiert ein Betonskelett zentrale Flächen. Als ein Gebilde mit der "Anmutung einer maroden Bauruine" bezeichnet Baureferent Gerd Merkle (CSU) das Parkhaus an der Imhofstraße, das nun abgerissen werden soll - und, so befand der städtische Bauausschuss am Donnerstag: Es soll eine neue Wohnanlage mit einer Tiefgarage entstehen, die insgesamt 700 Stellplätze umfassen wird.

170 Wohnungen und 700 Parkplätze sollen entstehen

Geplant sind 300 Parkplätze für die Kongresshalle, 150 für das Dorint im Hotelturm, 200 für die neuen Wohnungen und 50 als Stellplätze für das Antonsviertel. Auf bis zu zehn Stockwerken sollen insgesamt 170 Wohnungen entstehen. Hinter dem Vorhaben steckt - pikanterweise - Bernhard Spielberger, der Miteigentümer der aktuellen Parkhaus-Ruine.

Bereits 2004 begannen die Bauarbeiten für „Semiramis“. 40 Wohnungen hätten damals eigentlich als Überbau auf das oberste Geschoss des Kongressparkhauses gesetzt werden sollen. Doch das Projekt geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 2013 musste der Großteil der Garage wegen statischer Probleme geschlossen werden. Die Wohnungen wurden nie fertiggestellt.

Streit der Parkhaus-Eigentümer endet 2016 vor Gericht

Die Eigentumsverhältnisse des Parkhauses waren von Anfang an schwierig. Die Immobilienunternehmer Spielberger und Lotter blockierten sich gegenseitig. Beide hatten eigene Pläne zur Neugestaltung des Geländes.

Lotter betitelte Spielberger im Zuge des Streits in einer E-Mail, die unter anderem an die Augsburger CSU- und die SPD-Fraktion ging, gar als einen „am Rande der Legalität operierenden Psychopathen“. Das Augsburger Amtsgericht verurteilte ihn daraufhin wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 60.000 Euro.

Während es zwischen den Eigentümern hin und her ging, herrschte aus baulicher Sicht Stillstand.

Baureferent Merkle will dies nun ändern. Er - der nicht gerade als Freund Bernhard Spielbergers gilt - habe sich mit "dem Vorhabenträger" zusammengesetzt. Da Spielberger die Anteilsmehrheit am Tiefgaragen-Komplex besitzt, müsse man mit ihm gemeinsam eine Lösung finden, sagte Merkle in der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag. Es gelte, endlich das Antonsviertel zu entlasten, das regelrecht zugeparkt sei, wenn Veranstaltungen in der Kongresshalle stattfinden.

Künftig nur ein Vorhabenträger für Parkhaus

"Das Gespräch war gut", resümierte Merkle. Wichtig sei ihm, dass es künftig "nur einen Vorhabenträger" gibt. Der Investor soll daher die anderen Eigentümer ausbezahlen. Spielberger hätte sich zudem, nach anfänglicher Skepsis, mit einer 30-Prozent-Quote für geförderten Wohnungsbau angefreundet. Einziges Manko: Einen Architektenwettbewerb habe der Bauunternehmer abgelehnt. Grund sei eine technisch „komplizierte Verflechtung“ der Garage mit dem Hotelturm; unter anderem liegt der Heizungskeller des Hochhauses auf dem Areal. Dies in einem Ausschreibungstext zu berücksichtigen, sei nicht möglich.

Baureferent und Bauausschuss wollen sich auf diese Bedingung einlassen und „die Kröte schlucken“, wie sich die Stadträte quer durch die Fraktionen ausdrückten.

Vor dem Hintergrund des „aktuellen städtebaulichen Missstands“, gehe es nicht anders, sagte Willi Leichtle (SPD). Volker Schafitel (Freie Wähler) sah ebenfalls die „Not für diesen Kompromiss“, warnte jedoch vor der „Abhängigkeit von solch einem Investor“. Ohne Architektenwettbewerb habe die Stadt auf die Art der Gestaltung keinerlei Einfluss – und das „in dieser sensiblen Lage direkt am Park und in Nachbarschaft der denkmalgeschützten Kongresshalle“.

Bauausschuss-Leiter Stefan Quarg (SPD) widersprach: Es handle sich um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, da habe man durchaus die Möglichkeit mitzugestalten. Zudem sei Spielberger bereit, die Pläne mit dem Baukunstbeirat, einem Architekten-Gremium, das die Stadt berät, abzustimmen. Auch Stadtheimatpfleger Prof. Hubert Schulz wird sich einbringen.

Der Bauausschuss sprach sich schließlich einstimmig für das Vorhaben aus. Voraussetzung ist nun allerdings auch, dass Bernhard Spielberger seine Klagen gegen die Stadt zurücknimmt.

Eigene Tiefgarage der Stadt mit 360 Stellplätzen

Das Projekt einer Tiefgarage unter der Gögginger Straße will die Stadt unabhängig davon weiterverfolgen, das betonten Referent Merkle und Bauausschuss-Leiter Quarg unisono.

Diese Garage soll voraussichtlich einen direkten Zugang zum Kongress am Park haben und mindestens 360 Stellplätze auf zwei Stockwerken bieten.
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