Pflege-Skandal in Augsburg: Wie können solche Missstände künftig verhindert werden?

Kein Licht am Ende des Tunnels: Die Missstände in einem Augsburger Pflegeheim lösen auch in der Landespolitik Bestürzung aus (Symbolbild). (Foto: Heiko Kverling/123rf.com)

Nachdem der Bayerische Rundfunk (BR) über "erschreckende Zustände" in einem Augsburger Pflegeheim berichtete, melden sich immer mehr Angehörige und Politiker zu Wort. Der Betreiber, der Pflegedienstleister "Korian", gibt nun zu, dass in der Einrichtung Fehler gemacht wurden.

Die Korian-Gruppe stammt aus Frankreich, expandiert inzwischen aber in viele europäische Länder. Auf seiner Website beschreibt sich das Unternehmen als "größten europäischen Pflegeanbieter". Allein in Bayern betreibt Korian 48 Pflegeeinrichtungen und 14 ambulante Dienste. Drei dieser Pflegeheime befinden sich in Augsburg. Die aktuellen Vorwürfe beziehen sich auf das "Haus am Schäfflerbach": Die Tochter einer Bewohnerin wandte sich an die Medien und erhob schwere Vorwürfe.

Frau erbricht Blut, kotverschmierte Toilettensitze

Dem BR erzählte sie, die Pfleger hätten ihre Mutter nach einer Operation vernachlässigt. Mehrmals habe sie Blut erbrochen, doch die Pflegerin habe sie lediglich umgezogen. Erst auf Bitte der Tochter sei ein Notarzt verständigt worden. Andere Angehörige hätten von kotverschmierten Toilettensitzen berichtet, außerdem gebe es nicht genügend zu Essen.

Darauf reagiert nun auch die Landespolitik. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann, forderte angesichts des Falles in Augsburg die Stärkung von "Whistleblowern": "Solche Missstände können oft nur ans Licht kommen, wenn das Pflegepersonal oder betroffene Angehörige sich trauen und sie anzeigen", sagte sie. Doch das sei mit Risiken verbunden. Angehörige müssten um die Heimplätze ihrer Verwandten fürchten, Pfleger hätten oft berechtigte Angst vor Problemen mit dem Arbeitgeber. Wenn die Gesundheit von Menschen gefährdet sei oder zuständige Behörden nicht angemessen reagierten, müssten auch Mitarbeiter das Recht haben, an die Öffentlichkeit zu gehen, betonte Waldmann.

Andreas Krahl, pflegepolitischer Sprecher der Landtags-Grünen, forderte, die Missstände schnell aufzuklären. "Damit so etwas nicht passiert, braucht es genügend ausgebildetes Personal in den Pflegeheimen", so Krahl. Der Pflegepersonalschlüssel müsse an den individuellen Bedarf vor Ort angepasst werden. Dazu brauche es auch gesetzliche Grundlagen. 

Beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), einem unabhängigen Begutachtungsunternehmen, gingen laut einem aktuellen Bericht 2018 443 Beschwerden über Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste in Bayern ein. Das "Haus am Schäfflerbach" prüfte der MDK zuletzt im Januar. Dabei seien zwar einige, auch pflegerische, Defizite festgestellt worden, nicht aber "die aktuell in Rede stehenden unhaltbaren Zustände", erklärt Unternehmenssprecherin Ruth Wermes.

"Maßnahmen ergriffen, um diese Fehler in Zukunft auszuschließen"

Ende Juni sei dann erneut eine Beschwerde eingegangen und der MDK habe sofort eine Prüfung durch die Heimaufsicht veranlasst. Die Ergebnisse lägen noch nicht vor. Wenn Vorwürfe sich bestätigen, können die Folgen von einem Maßnahmenbescheid, der die Einrichtung auffordert, die Mängel in einem festen Zeitraum zu beheben, bis zu einer Kündigung des Heimvertrages durch die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassen reichen, so Wermes.

Korian gibt zu, dass in ihrem Haus Fehler passiert sind. Am Montag habe man mit den Angehörigen ein Gespräch geführt und sich entschuldigt, informiert die Unternehmenkommunikation. "Wir haben die Situation analysiert und bereits Maßnahmen ergriffen, um diese Fehler in Zukunft auszuschließen", verspricht das Unternehmen.
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