Rote Karte für Bio-Müll-Sünder im Landkreis Augsburg

(Foto: Natascha Höck)
Bald wird der Bio-Müll durch Detektoren in den Müllfahrzeugen auf Metallteile durchsucht.
Mülltonnen-Chips sollen die Abfallmarken zu unser aller Wohl ersetzen und gar Geld sparen.


Stefan Gruber

Auf Anfrage erklärt das Landratsamt: "Wir setzen mit dem Einsatz des Störstoffdetektors an den Tonnen vor Leerung der bereit gestellten BioEnergieTonnen an. Der am Müllsammelfahrzeug montierte Störstoffdetektor arbeitet nach dem Wirbelstrom-Induktionsverfahren und schlägt an, sobald sich Metall haltige Gegenstände in der BioEnergieTonne befinden. Das kann eine Dose sein oder eine bedampfte Folie. Der Detektor kann stufenlos in 31 Empfindlichkeitsstufen eingestellt werden.

In der Einführungsphase wird der Detektor zunächst über mehrere Monate getestet und   so eingestellt, dass nur die „schlimmsten“ Fälle angezeigt werden. In dieser Phase wird der beanstandete Behälter zwar noch geleert, aber mit einer „gelben“ Karte versehen. Diese Karte informiert darüber, dass sich Störstoffe in der BioEnergieTonne befunden haben, die im Wiederholungsfall dazu führen, dass die Leerung verweigert wird. Der Störstoffdetektor wird nicht regelmäßig und flächendeckend bei allen Leerungstouren eingesetzt, sondern sporadisch auf den verschiedenen Touren.

Wird nach Ablauf der Testphase die Leerung verweigert, dann kann der betroffene Bürger seine BioEnergieTonne entweder nachsortieren und beim nächsten Leerungstermin wieder bereit stellen. Wird die Nachsortierung als unzumutbar erachtet, dann kann im Einzelfall auch eine Leerung der BioEnergieTonne im Zuge der nächsten Hausmülltour  gegen eine entsprechende Gebühr beim Abfallwirtschaftsbetrieb beantragt werden.

Das zum Einsatz kommende Wirbelstrom-Induktionsverfahren am Müllfahrzeug nutze die elektrische Leitfähigkeit der Störstoffe. Die Bandbreite reiche vom mit Aluminium bedampften Tetra-Pack über den Joghurtbecher-Deckel bis hin zur Getränke-/Konservendose. Metall ist der Leitparameter für die Störstoffe. Laut Mitteilung des Detektor-Herstellers werden einer wissenschaftlichen Studie zufolge über diesen Leitparameter bis zu 85 Prozent aller Störstoffe aufgespürt. Das Landratsamt Augsburg verfüge bisher noch über keine Erfahrungswerte, erklärt die Pressestelle.

Bei den Abfallwirtschaftsbetrieben laufe seit vergangenen Herbst eine Biomüllanalyse in mehreren Kampagnen, bei der nicht der Inhalt der einzelnen Biotonne untersucht werde, sondern der gesamte Inhalt eines Biomüllsammelfahrzeuges. Ergebnisse gebe es laut Landratsamt allerdings noch nicht.

Keine Bußgelder

Es sei nicht vorgesehen, mit Bußgeldern zu arbeiten, erklärt die Pressestelle des Landratsamts. Es wird davon ausgegangen, dass die Bürgerschaft der sortenreinen Befüllung der BioEnergieTonne schon allein wegen der geschilderten Kontrollmöglichkeit die erforderliche Aufmerksamkeit schenke, die ein Stehenlassen der vollen BioEnergieTonne nur sehr selten erforderlich mache. Bei hartnäckigen Wiederholungstätern werde geprüft, ob die missbräuchlich genutzte BioEnergieTonne als letzte Konsequenz abgezogen werde. Wer nicht aufpasst, was in die Biotonne kommt, der darf also zahlen, im Biomüll wühlen oder den alten Kompost im Garten wieder aktivieren.

Weiterhin ändere sich damit auch die Abholung der Restmülltonnen. Die 80 und 120-Liter-Tonnen sollen zukünftig vierzehntäglich im wöchentlichen Wechsel, also alternierend mit dem Bio-Müll abgeholt werden.

Jetzt wird aufgestockt


Wem die 120-Liter-Tonne bei zukünftig vierzehntägiger Leerung nicht ausreiche, der könne bei den zuständigen Gemeindeverwaltungen eine zweite 120-Liter-Restmülltonne oder eine mit 240 Liter Fassungsvermögen beantragen, so der Entsorgungsbetrieb.

Der Chip kommt


Die Müllmarken haben ausgedient, ab 1. Juli werden Tonnen ohne Chip nicht mehr geleert. Teils wurden die Hausbesitzer bereits über die Umstellung informiert und die ersten Montagetermine für den Chip an den Tonnen sind bereits erfolgt. In dem Chip soll eine weltweit einmalige 16-stellige Identifikations-Nummer stehen – mehr nicht – und wird unter dem Rand der Tonne im „Chipnest“ montiert – allein in der Region Augsburg betreffe das rund 180 000 Mülltonnen, so die Abfallwirtschaftsbetriebe. An die Müllfahrzeuge baue eine Spezialfirma Antennen an, welche die Chips auslesen und speichern. Die „Leerungsdaten“ werden nach der Tour in eine Datenbank übertragen.
Die Chips werden den Tonnen und die Tonnen den Grundstücken zugeordnet. Damit ist die „Adresse“ jedes Abfallbehälters in der Datenbank bekannt. Dadurch sollen Tonnen besser verwaltet werden können, so sollen auch gestohlene Behälter schneller wiedergefunden werden, denn die Müllfahrzeuge lesen ab Juli bei jeder Leerung den Chip aus, gibt das Entsorgungsunternehmen bekannt. Nicht angemeldete Mülltonnen würden dann nicht mehr geleert. Die Umstellung soll weniger bürokaratischen Aufwand bedeuten und auch dem Endverbraucher Geld sparen.

Für jede Tonne das passende Etikett


Die Montageteams müssen die Mülltonnen den Grundstücken eindeutig zuordnen, wenn sie die Chips anbringen. Damit die Abfallbehälter den richtigen Chip bekommen, müssen die Eigentümer, die von den Abfallwirtschaftsbetrieben zugeschickten Etiketten mit den Adress- und Behälterangaben aufkleben, so die Anordnung.

Müllgebühren steigen


Laut Günther Prestele vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Augsburg steigen die Gebühren vor allem, da der Abfallwirtschaftsbetrieb seit der Schließung der Deponie Hegnenbach über keine Einnahmen mehr verfüge, mit denen die Müllgebühren in den vergangenen 15 Jahren subventioniert werden konnten. „Nicht zuletzt deswegen konnten wir die Müllgebühren seit dem Jahr 2014 sogar unter das Niveau des Jahres 1992 absenken“. Zum 1. Juli sollen nun die Müllgebühren angehoben werden. Die monatliche Grundgebühr pro Wohnung wird um 50 Cent auf 4,65 Euro erhöht, die monatlichen Tonnenpreise steigen um etwa 16 Prozent: Für die 80-Liter-Tonne muss zukünftig 3,84 Euro berappt werden.

Wer holt den Sperrmüll?


Ab 1. Juli übernimmt die Firma Remondis GmbH die Abholung des Sperrmülls im ganzen Landkreis. Für die Gemeinden, in denen die Firma Remondis die Abholung durchführt, ändere sich nichts. Die Gemeinden, in denen die Firma Loacker die Abholung durchführt bekämmen im Frühjahr neue blaue Abholkarten. Allerdings müssen die Loacker-Sperrmüllkarten bis spätestens 15. Mai bei der Firma Loacker eingehen, damit die Abholung noch vor dem 1. Juli erfolgen könne. 15. Mai gelten nur noch die neuen Karten der Firma Remondis. Diese vergebe dann ab 1. Juli die Abholtermine, so ist auf der Internetseite der Abfallwirtschaftsbetrieben zu lesen.

Elektrogroßgeräte


Für folgende Haushaltsgroßgeräte wird auch eine Abholung mit Karte angeboten: Kühl- und Gefriergeräte, Fernsehgeräte, Trockner, Schleuder, Elektroherde, Wasch- und Geschirrspülmaschinen, Bügelmaschinen, Solarien und Heimorgeln. Allerdings werde, so die Abfallwirtschaftsbetriebe, die Elektrogroßgeräteabholung zum 30. Juni eingestellt. Abholtermine können nur für rote Karten vergeben werden, die bis spätestens 15. Mai bei den Entsorgern vorliegen. Danach können die Geräte nur noch am Wertstoffhof abgegeben werden.
Homepage
Für mehr Informationen steht die Homepage der Abfallwirtschaftsbetriebe des Landkreises Augsburg unter www.awb-landkreis-augsburg.de zur Verfügung.
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