Schock aus „heiterem Himmel": Ledvance schließt auch Augsburger Logistikstandort

Schon mehrfach demonstrierten die Ledvance-Mitarbeiter gegen die Schließung des Augsburger Standorts. (Foto: Laura Türk)

Seit Monaten kämpfen die Mitarbeiter gegen die Schließung des Ledvance- Standorts in Augsburg, nun hat Geschäftsführer Rüdiger Tibbe bekannt gegeben, dass auch die örtliche Logistikabteilung des Konzerns geschlossen werden soll. 100 Mitarbeiter sind hiervon betroffen.

Es war Freitag, 11 Uhr, als die Schocknachricht die Mitarbeiter erreichte. Die Beschäftigten des Logistikstandorts wurden in einer Versammlung über die geplante Schließung informiert. Bis September 2019 soll nun der Standort geschlossen werden. Für die Angestellten sei diese Ankündigung aus „heiterem Himmel gekommen“, teilte Angela Steinecker, die Unternehmensbeauftragte für Ledvance der IG Metall Augsburg, im Anschluss an die Mitarbeiterversammlung mit. Betriebsratvorsitzender Dieter Schneider erklärte: „Die Kolleginnen und Kollegen sind tief enttäuscht von dieser Entscheidung. Für alle Mitarbeiter ist diese Botschaft ein Schock, den wir erstmal zusammen mit unseren Familien verarbeiten müssen. Für einige wird es besonders hart, weil der Ehepartner in dem ebenfalls von der Schließung bedrohten Lampenwerk Augsburg arbeitet“.

Betriebsrat ist enttäuscht: "Zum Dank wird unser Standort platt gemacht"

Auch der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thomas Schupp, der seit über 30 Jahren im Logistikzentrum tätig ist, ist von der Entscheidung enttäuscht. „Wir waren flexibel und haben jahrzehntelang die Gewinne erwirtschaftet für den weltweiten Aufbau dieser Firma. Zum Dank dafür soll unser Standort platt gemacht werden“.

Der Standort des Lampenwerks, das früher zu Osram gehörte, wurde 2016 an Ledvance verkauft. In den vergangenen Monaten sei das traditionelle Lampengeschäft sehr stark eingebrochen, argumentiert das Unternehmen, die Nachfrage nach Halogen- und Leuchtstofflampen schwinde beständig. Der Augsburger Standort, der größtenteils Leuchtstofflampen herstellt, sei deshalb nicht mehr tragfähig. Zuletzt hatte das Werk jedoch versucht, auch in die LED-Produktion einzusteigen. Gegen die drohende Schließung half das bislang nicht.

"So geht man nicht mit den Beschäftigten um"


Nicht nur in Augsburg kündigt die Ledvance-Führung ein baldiges Ende an. Auch die Mitarbeiter von Regensburg-West mussten kurz vor Weihnachten erfahren, dass ihr Standort geschlossen und nach Garching und Eichstätt verlegt werden soll. Damit werden insgesamt vier Standorte geschlossen, ungefähr 1400 Mitarbeiter sind betroffen. „Seit drei Monaten wird scheibchenweise die Schließung von Standorten verkündet. So geht man nicht mit den Beschäftigten um“, so Steinecker. Die IG Metall rief schon mehrfach zu Streiks auf, um die Schließung des Augsburger Lampenwerks noch zu verhindern. Zuletzt setzten die Mitarbeiter ihre Hoffnungen auf die chinesischen Investoren, denn von der Unternehmensleitung zeigen sich die Arbeitnehmer und ihre Vertreter schon länger ernüchtert. Besonders die Kreativlosigkeit der Geschäftsführung findet Steinecker enttäuschend. „Von hochbezahlten Geschäftsführern hätte ich mir als Antwort auf einen Technologiewandel mehr erhofft als nur die Schließungen von Standorten und den Abbau von Personal“. Stattdessen arbeiten noch immer die Betriebsräte an Alternativkonzepten.

„Eigentlich sollte die Geschäftsführung sich Gedanken darüber machen, was das Unternehmen in Zukunft herstellen und verkaufen will, anstatt sich nur zu überlegen, welche Standorte man schließt“, wird Konzernbetriebsratvorsitzender Andreas Jakob nicht müde zu betonen.

Abhilfe schaffen könnte der designierte Konzernchef Jacob Tarn. Der Manager aus Taiwan hat nach Angaben seines neuen Arbeitgebers „Erfahrung darin, ein Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen“. Die Gewerkschaft hofft, dass der neue Vorstandsvorsitzende die Situation des Unternehmens insgesamt zum Besseren wendet – und dass auch der Standort Augsburg noch nicht ganz verloren ist.
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