Spaßbad für Augsburg? Kritik an Sportreferent Dirk Wurm

In Augsburg fehlt ein 50-Meter-Schwimmbecken für Training und Wettkämpfe. Ihrer Forderung haben die Augsburger Schwimmvereine nun Nachdruck verliehen. Foto: Archiv

Die Schwimmsportvereine der Fuggerstadt üben scharfe Kritik an Sportreferent Dirk Wurm (SPD). Hintergrund ist die noch immer nicht befriedigte Forderung nach einem wettkampftauglichen 50-Meter-Becken. Wurm kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Den Unmut der Vereine hat sich der Sportreferent auf einem Termin Mitte Juli zugezogen. Dort hatte er die drei möglichen Varianten vorgestellt, wie es in Sachen Bäderentwicklung in Augsburg weitergehen könnte - und enttäuschte dabei offenbar die Vereine. Am Montag machten diese ihrem Frust öffentlich Luft und griffen dabei Wurm massiv an, warfen ihm vor, keine vernünftigen Lösungen zu haben und drohten gar mit einem Bürgerbegehren.

"Die vom Sportreferenten Dirk Wurm vorgestellten Varianten bieten keine praktikable Lösung an. Eine nennenswerte Verbesserung der Schwimmfähigkeit, vor allem der Kinder und Jugendlichen in Augsburg, dürfte mit dem derzeitigen Konzept des Sportreferenten nach unserer Bewertung mittelfristig kaum erreichbar sein", kritisierte Bernd Zitzelsberger, Sprecher der "Arbeitsgemeinschaft 50-Meter-Hallenbad für Augsburg", Leiter der Schwimmabteilung des Post SV Augsburg - und allerdings auch CSU-Vorsitzender im Stadtteil Pfersee. Die Arbeitsgemeinschaft wünsche "kein teures Spaßbad, sondern zunächst ein 50-Meter-Hallenbad für die Öffentlichkeit, die Schulen und die Vereine". Knut Weise, ebenfalls Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, machte die Entschlossenheit der Vereine deutlich: "Wir wollen zwar kein Bürgerbegehren, schrecken aber notfalls auch nicht davor zurück, damit in Augsburg als nächstes Bad ein 50-Meter-Hallenbad gebaut wird."

Reaktion der Stadt auf die Kritik

In einer Pressemitteilung reagierte die Stadt noch am Montag auf die Kritik. Für den Bäderentwicklungsplan werde eine Machbarkeitsstudie mit drei Varianten erstellt, heißt es darin. Variante eins sehe die Bestandssanierung der Bäder vor. Variante zwei beschreibe den Neubau eines zentralen Sport- und Freizeitbades. Mit der dritten Variante soll ein Bestandsbecken (25 Meter-Becken und Lehrschwimmbecken) zu einem wettkampftauglichen Sportbad (50 Meter-Becken mit zehn Bahnen und Lehrschwimmbecken) ausgebaut werden. Hinzu kommt der Neubau eines Familien- und Freizeitbades, das ein Familienbecken, ein 25-Meter-Becken, Planschbecken, Sprungbecken, zwei Rutschen, Gastronomie, Sauna, etwas Wellness und Solebecken im Außenbereich anbieten soll. "Aus Sicht der Sport- und Bäderverwaltung führt diese Variante am besten zum Ziel, weil sie mehr Wasserfläche in zwei Schritten schafft, die dezentrale Bäderstruktur in der Stadt mit ihren kurzen Wegen aufrechterhält und mittelfristig finanzierbar ist", so die Pressemitteilung.

Nun scheint Dirk Wurm während des Termins den Vereinen die Varianten leicht abgeändert vorgestellt zu haben oder er wurde gründlich missverstanden. Armin Baur, sportlicher Leiter des SB Delphin Augsburg, berichtet nämlich: "Sportreferent Dirk Wurm hat verschiedene, teils nicht miteinander vergleichbare Varianten präsentiert. Hiervon scheint nur eine Einzige realisierbar zu sein." Welche aber für Schulen und Vereine weder praktikabel noch akzeptabel sei, schränkt Baur ein. "Laut Sportreferent Wurm soll für circa 50 Millionen Euro erst ein Spaßbad mit einigen für Wettkämpfe kaum geeigneten 25-Meter-Bahnen entstehen. Auch das 33-Meter-Becken dürfte für Schulen unbrauchbar sein, da Noten und Beurteilungen doch über 25-, 50- oder 100-Meter-Strecken abgenommen werden. Später soll das Spickelbad abgerissen werden und dort das von den Schulen und Vereinen dringend benötigte 50-Meter-Hallenbad gebaut werden, vielleicht erst in zehn Jahren."

In der Pressemitteilung der Stadt erscheint der zeitliche Ablauf nun genau umgekehrt. "Den Vereinen wurden in aller Offenheit und transparent die drei Varianten vorgestellt und erläutert - insbesondere die mögliche Abfolge der Maßnahmen bei Variante drei. Jetzt zu behaupten, der Sportreferent habe keine Vorstellung von der Modernisierung und Weiterentwicklung der Hallenbäder in Augsburg, ist daher absurd", wehrte sich Wurm gegen die Kritik.

Ende September soll sich der Sportbeirat mit dem 50-Meter-Becken auseinandersetzen. Ihn baten die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft, in der Sitzung ihre Bedenken vortragen zu dürfen. Denn bereits Anfang Oktober beschäftigt sich auch der Sportausschuss mit dem Thema. Wurm rechnet damit, dass der Stadtrat Ende des Jahres oder Anfang 2020 den "Grundsatzbeschluss zur Modernisierung und Weiterentwicklung der Augsburger Bäderlandschaft fasst".

Spaßbad für den Wahlkampf?

Einen anderen Vorwurf gegen Wurm formulierte Günter Eisenrith, Vorsitzender der Kreiswasserwacht Augsburg-Stadt: "Herr Wurm meint wohl, er kann als OB-Kandidat mit seinen Plänen für ein Spaßbad im Wahlkampf punkten." Tatsächlich kandidiert Wurm für die SPD, aber ob er mit den Planungen für ein "Spaßbad" wirklich Wähler für sich gewinnen kann, sei dahin gestellt. Nur ganz vergessen sollte man den Wahlkampf zur Einordnung der harschen Kritik nicht. Denn unter den Anführern der "Arbeitsgemeinschaft 50-Meter-Hallenbad für Augsburg" findet sich mit Bernd Zitzelsberger eben der Vorsitzende der Pferseer CSU. Und so mag sich die Schärfe der Kritik auch aus diesem Umstand erklären.

Dirk Wurm jedenfalls hat im November auf drei öffentlichen Terminen die Möglichkeit, die drei Varianten interessierten Bürgern vorzustellen und dabei sämtliche Vorwürfe und Verdächtigungen aus der Welt zu schaffen.
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