Stadt muss für 40.000 neue Einwohner planen

5.000 oder 40.000 Einwohner mehr? OB-Kandidat Lars Vollmar erläutert die Bevölkerungs-Prognose für Augsburg
Die Augsburger Freien Demokraten fordern eine komplette Revision der städtischen Planungen für Wohnraum, Verkehr und Versorgungseinrichtungen. Hintergrund ist eine aktuelle Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, nach der Augsburg in den nächsten 15 Jahren noch einmal um 40.000 Menschen auf dann 340.000 Einwohner wachsen wird. Demnach nimmt die Bevölkerungszahl im gleichen Maße zu wie in den vergangenen 15 Jahren.

„Die Stadt Augsburg muss dringend aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen“, meint Lars Vollmar, der bei den Kommunalwahlen 2020 für die FDP als Oberbürgermeisterkandidat antritt. Er verweist auf die aktuelle Bevölkerungsprognose des städtischen Statistikamtes, die davon ausgeht, dass die Stadt bis 2030 nur um 5.000 Einwohner wachsen werde. „Wenn unklar ist, ob in den kommenden Jahren 5.000 oder 40.000 Personen nach Augsburg zuziehen, dann gehören sämtliche Planungen sofort auf den Prüfstand!“

Die Stadt plane schon heute, wo Neubürger in 10 Jahren wohnen können, wo ihre Kinder zur Schule gehen und wie sie von ihren Wohnungen oder Häusern zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den Biergarten kommen. „Und für die Planung macht es einen Riesen-Unterschied, ob 35.000 Menschen mehr oder weniger hier leben werden.“

Angesichts der städtischen Zahlen wundert es Vollmar nicht, dass ein Vorschlag der Freien Demokraten Anfang des Jahres von Baureferent Merkle (CSU) relativ schroff zurückgewiesen wurde. Der von Vollmar geleitete Fachausschuss Stadtplanung und Verkehr der FDP hatte ein Konzept vorgelegt, um die historische Altstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Pkws und Lastwagen will die FDP über eine neu zu bauende Ost-West-Tangente ums Zentrum herumleiten.

Die Stadt Augburg hatte auf den Vorschlag mit der Bemerkung reagiert, dass bis zum Jahr 2030 keine neuen Straßen nötig seien, um einen Verkehrskollaps in Augsburg zu verhindern. Über diese Reaktion kann Vollmar nur den Kopf schütteln. „Wir spüren in Augsburg jeden Tag, dass die Stadt in den vergangenen 15 Jahren um 40.000 Einwohner gewachsen ist. Der Verkehrskollaps, den Herr Merkle erst in 15 Jahren erwartet, ist heute zu bestimmten Zeiten schon längst da!“

Vollmar hatte bereits auf dem Nominierungs-Parteitag der Augsburger FDP vor einem Monat kritisiert, dass der städtische Baureferent seine Verkehrspolitik an einem über 20 Jahre alten Gesamtverkehrsplan ausrichte. Entsprechend gehe auf vielen Straßen, wo heute Tausende Autos mehr unterwegs sind als in den 1990er Jahren, im Berufsverkehr gar nichts mehr. „Wenn in 15 Jahren noch einmal 40.000 Menschen mehr in der Stadt leben, brauchen wir einen besseren Öffentlichen Nahverkehr gerade auch in Randlagen wie Bärenkeller, mehr gut ausgebaute Radwege und eben auch leistungsfähige Umgehungsstraßen, damit Autofahrer, die gar nicht ins Zentrum hinein wollen, nicht mehr durchs Zentrum fahren müssen.“

Auch auf dem Wohnungsmarkt seien viele der heutigen Probleme eine Folge davon, dass die Stadt viel zu langsam auf das Bevölkerungswachstum reagiert habe. „Im Textilviertel, im Sheridan-Park und auf dem Gelände der Reese-Kaserne wurden neue Baugebiete ausgewiesen, aber wir bräuchten schon heute viel mehr Wohnungen.“ Die Genehmigung von Bauanträgen dauere angesichts der riesigen Nachfrage einfach viel zu lang. Entsprechend stiegen die Mieten und Preise für Wohnungen von Monat zu Monat. Vollmar vermisst ein ambitionierteres Vorgehen, um im Bestand mehr Wohnraum zu schaffen und neue Wohngebiete auszuweisen.

Der starke Bevölkerungszuwachs hat in Augsburg Spuren hinterlassen, viele gute aber auch einige weniger gute“, schließt Vollmar. Aus den gemachten Erfahrungen der letzten 15 Jahre müsse die Stadt Schlüsse ziehen. „Für die nächsten 15 Jahre müssen wir einfach besser vorbereitet sein.“
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