Stadttheater soll Staatstheater werden: Was sich dadurch in Augsburg ändert

Für rund 190 Millionen Euro wird das Theater Augsburg derzeit saniert. Foto: David Libossek

Markus Söder hat am Mittwoch in seiner Regierungserklärung verkündet, dass das Augsburger Theater ein Staatstheater werden soll - die Ankündigung kam überraschend - zumindest für die Leitung des Augsburger Theaters. Oberbürgermeister Kurt Gribl telefonierte direkt nach Söders Rede im Bayerischen Landtag mit dem Ministerpräsidenten und verkündete danach: "Das Staatstheater kommt."

Kurz nach der Rede Söders im Bayerischen Landtag beraumte die Stadt Augsburg eine Pressekonferenz an. Söder hatte in seiner Regierungserklärung verkündet: "Neben den bereits beschlossenen Konzertsälen in München und Nürnberg werden wir ein drittes bayerisches Staatstheater in der Metropole Augsburg einrichten." Wie, wann und unter welchen Umständen ließ Söder allerdings offen.

Zumindest etwas konkreter wurde auf der Pressekonferenz Oberbürgermeister Gribl. Er sei sich sicher, dass das Augsburger Stadttheater nun zum Staatstheater umgewandelt wird. Mit Markus Söder habe er direkt nach der Regierungserklärung telefoniert. Wann es allerdings so weit sein werde, konnte auch Gribl nicht beantworten. Zunächst werde ohnehin die Generalsanierung erfolgen. Parallel dazu könnten auch schon "Gestaltungen zur Verstaatlichung" in Angriff genommen werden.

Kulturreferent Thomas Weitzel sieht die Ankündigung als "logische und planvolle Umsetzung der schon angedeuteten Schritte". Die Stadt habe mit "ihrem guten Sanierungskonzept und überzeugender künstlerischer Arbeit" bereits selbst den Grundstein gelegt. Viele Argumente sprächen dafür, Augsburg diese Würdigung auszusprechen.

Wenn der Freistaat das Theater komplett übernimmt, wird das für die Stadt Einsparungen in Höhe von rund 15 Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Derzeit bezahlt sie etwa zwei Drittel des jährlichen Betriebskostenzuschusses von insgesamt 25 Millionen Euro, der Freistaat übernimmt bislang ein Drittel.

Die Forderung nach einer Umwandlung in ein Staatstheater war in Augsburg selbst zuletzt von WSA-Stadtrat Peter Grab und den Freien Wählern Augsburg-Land gekommen. Ein Antrag, den auch SPD und Grüne unterstützten, fand allerdings keine Mehrheit. Die CSU wollte zunächst das Ende der rund 190 Millionen Euro teuren Sanierung abwarten.

Am Theater war man von der Nachricht aus München zunächst überrascht. "Wir wussten bisher von nichts und haben gerade erst davon erfahren", sagte Leoni Walter, Assistentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. "Aber wir freuen uns sehr." Eine Stunde später, auf der Pressekonferenz der Stadt, stimmte Intendant André Bücker dann in die Jubelarien ein. "Das ist eine fantastische Nachricht. Ich freue mich über die Bekenntnis zum Standort."

Mögliche negative Auswirkungen auf die Selbstständigkeit des Theaters waren auf der Pressekonferenz kein Thema. Wer am neuen Staatstheater das Sagen habe, müsse erst noch ausverhandelt werden, kündigte Weitzel an.
(Von Kristin Deibl und Laura Türk)
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