Stadtwerke wollen Augsburg als Modellstadt für den kostenlosen Nahverkehr

Kostenloser Nahverkehr für alle? Ein Idee der Bundesregierung löste in vielen Städten eine Diskussion über das Für und Wider eines subventionierten ÖPNVs aus. Die Augsburger Stadtwerke sehen den Vorschlag positiv. Foto: Janina Funk
 
Stadtwerkesprecher Jürgen Fergg. (Foto: Stadtwerke Augsburg)

Die Bundesregierung steht wegen möglicher Fahrverbote für deutsche Städte unter Druck. Kostenloser Nahverkehr könnte da Abhilfe schaffen. Ein entsprechender Vorstoß wurde in der vergangenen Woche kontrovers diskutiert. Jürgen Fergg, Leiter der Unternehmenskommunikation der Stadtwerke, erläutert im Interview, wie das Augsburger Verkehrsunternehmen den Vorschlag einschätzt, was die Voraussetzungen für kostenlosen Nahverkehr wären und was das ganze kosten würde.

StadtZeitung: Kostenloser Nahverkehr, das klingt für alle, die Tram und Bus nutzen, nach einer sehr guten Idee. Für wie sinnvoll halten Sie, Herr Fergg, beziehungsweise halten die Augsburger Stadtwerke den Vorstoß der Bundesregierung?
Jürgen Fergg: Wir sehen den Vorschlag sehr positiv. Er geht genau in unsere Richtung, möglichst vielen Menschen mit günstigen Abos eine "Flatrate" für den Nahverkehr zu bieten. Der Vorrang und die finanzielle Unterstützung für den ÖPNV sind als Beitrag für den Umweltschutz vor allem in Städten unbedingt zu begrüßen. Der Nahverkehr würde außerdem aus Steuergeldern finanziert, also als solidarische Aufgabe aller Bürger. So würden künftig auch Autofahrer ihren Beitrag zu umweltgerechtem Nahverkehr leisten und es wird mehr Menschen geben, die mit dem ÖPNV umweltschonend unterwegs sind.

StadtZeitung: Sollte dies irgendwann auch für Augsburg tatsächlich ein Thema werden, welche Auswirkungen hätte dies für die Stadtwerke?
Fergg: Wir würden es sehr begrüßen, wenn Augsburg und die Region eine der jetzt angedachten Modellstädte werden würde. Bei einer solchen Umsetzung müssten einerseits die wegfallenden Einnahmen aus dem Ticketverkauf durch die öffentliche Hand ausgeglichen werden. Wegen deutlich steigender Fahrgastzahlen müssten aber auch die Kapazitäten mit zusätzlichen Fahrzeugen, mehr Personal und Investitionen in die Infrastruktur, wie zusätzliche Straßenbahntrassen, aus Steuermitteln finanziert werden.

StadtZeitung: Wie teuer würde das werden und wie viel nehmen die Stadtwerke denn insgesamt jährlich durch Ticketverkäufe ein?
Fergg: Das waren im vergangenen Jahr rund 48 Millionen Euro. Gut 40 Millionen Euro beträgt das jährliche Defizit des Nahverkehrs, das die Stadtwerke ausgleichen. Durch zusätzliche öffentliche Mittel könnte der ÖPNV noch deutlich gestärkt und attraktiver für alle werden.

StadtZeitung: Wie realistisch ist der Vorschlag aus ihrer Sicht?
Fergg: Das wäre ein Systemwechsel in der Finanzierung des Nahverkehrs. Wenn man sich die Kosten und Folgen ehrlich anschaut, werden wir aber sicherlich noch ausführliche politische Diskussionen darüber haben, wer dafür aufkommen muss. Es wäre aber ja auch eine schrittweise Entwicklung möglich, wie die staatliche Förderung von günstigeren Abos. Etwa ein Abo für 30 Euro im Monat, das analog zu Wien den ganzen Tag gilt und nicht erst ab 9 Uhr, wie wir es seit der Tarifreform anbieten. Für das AVV-Gebiet wären das Mehrkosten von rund 20 Millionen Euro im Jahr. Dann könnte auch die Infrastruktur Schritt für Schritt ausgebaut werden. Im Endeffekt ist das eine politische, ja gesellschaftliche Frage: Wie viel ist uns umweltgerechter Nahverkehr für alle wert und wie viel sind wir bereit, dafür als Solidargemeinschaft, also aus dem bestehenden Steuertopf, aufzubringen?
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2 Kommentare
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Sebastian Summer aus Aystetten | 16.02.2018 | 18:20  
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Katharina Wieser aus Augsburg - City | 16.02.2018 | 19:22  
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