Studenten beraten Flüchtlinge: Law Clinic der Juristischen Fakultät Augsburg wird drei Jahre alt

Die Law Clinic der Juristischen Fakultät der Uni Augsburg wird drei Jahre alt. (Symbolbild) (Foto: ginasanders, 123rf.jpg)
Asylsuchende in Deutschland in Rechtsfragen zu unterstützen, ist eines der Ziele der Law Clinic in Augsburg. Seit drei Jahren bieten Studenten der Juristischen Fakultät in diesem Rahmen Beratung im Ausländer- und Asylrecht an. Alles auf ehrenamtlicher Basis und in der Freizeit der Studenten.

2014 hätten zwei Mitarbeiter des Grandhotel Cosmopolis angefragt, ob Interesse an der Gründung einer „Law Clinic“, also einer Rechtsberatung durch Studenten bestünde. „Da die Idee für ein solches Projekt an der Juristischen Fakultät schon seit längerem kursierte, haben wir sehr schnell Anklang und Unterstützung für die Realisierung gefunden und im Januar 2015 kam dann der endgültige Startschuss vonseiten der Fakultät“, erklärt Rechtsassessorin Patricia Payome Villoria, die Direktorin der Law Clinic Augsburg.

In den folgenden Wochen erarbeitete eine kleine Gruppe Studenten das Studienprogramm und das Grundgerüst des Projekts. Interessierte müssen erst eine zweisemestrige Ausbildung absolvieren und regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen besuchen. Allerdings ist ein Engagement für die Law Clinic nicht allein auf Jura-Studenten oder Studenten allgemein beschränkt. Ehrliche Motivation sei aber wichtig, betont Payome Villoria.

Kontakt kommt oft über Soziale Netzwerke zustande

Der Kontakt zwischen Law Clinic und Ratsuchenden entsteht meist über die Asyl-Sozialberater des netzwerk4A, einem Augsburger Programm, das Asylsuchende und Geflüchtete ebenfalls berät. Wie die Direktorin schildert, fänden auch viele über die Integreat-App oder ihre Facebook-Seite zu ihnen. Anfragen werden den Studenten ebenfalls über das netzwerk4A zugeleitet, zusätzlich bietet die Law Clinic auch eine Reihe von Vorträgen und Sprechstunden für Ratsuchende an.

Die Fragen, die hierbei hauptsächlich beantwortet würden, bezögen sich auf den Ablauf des Asyl- oder des vorangestellten Dublin-Verfahrens, in welchem festgestellt wird, welcher europäische Staat für die Prüfung des Asylantrags zuständig ist. Aber auch die Voraussetzungen für Familiennachzug oder eine Ausbildungsduldung beschäftigten die Geflüchteten, erklärt Payome Villoria.

Um die Unterstützung für die Studenten einfacher zu machen, wurde 2016 die Language Clinic gegründet. Hierbei handelt es sich um einen Pool aus ehrenamtlichen Dolmetschern, die geflüchtete Personen in der Anhörungsvorbereitung unterstützen, Dokumente übersetzen und sich um die Präsentation der Law Clinic in den Muttersprachen der Asylsuchenden kümmern. Auch hier können Freiwillige selbst aktiv werden. Voraussetzung ist die Teilnahme an Workshops und Vorträgen, die die Language Clinic für die Übersetzer anbietet.

Das Projekt Law Clinic hat nicht nur für die Asylsuchenden Vorteile. Denn die Studenten erhalten durch ihr Engagement die Möglichkeit, in einem theoretischen Studium frühzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln. Auch für die Juristische Fakultät zahlt sich das Programm aus: „Für die Universität bietet die Law Clinic die Möglichkeit, das universitäre Angebot um ein extracurriculares Lehrprogramm zu erweitern, sich noch besser mit den Partnern und auch mit anderen Fakultäten der Universität Augsburg und anderen Universitäten zu vernetzen“, erklärt die Direktorin. Die Universität stellt daher auch die Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Verfügung und beteiligt sich neben Zuschüssen und Spenden an der Finanzierung der Law Clinic.

Mitte vergangenen Jahres informierte das Projekt zudem gemeinsam mit dem Familiengericht mit einem Kurzfilm über die ehrenamtliche Vormundschaft für minderjährige Flüchtlinge. Menschen im Umfeld der Studierenden oder sogar die Studenten selbst sollten so als Vormünder für junge Asylsuchende gefunden werden.

Mit den verschiedenen Ansatzpunkten der Flüchtlings-Unterstützung bietet die Law Clinic Augsburg zahlreiche Möglichkeiten für Engagierte, selbst aktiv zu werden: Sei es als Berater, Dolmetscher oder sogar als Vormund.
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