Verscherbelt die Stadt Augsburg Premium-Immobilie?

Verscherbelt oder doch nach Verkehrswert verkauft? Das Geschäft mit dem ehemaligen Stadtarchiv an der Fuggerstraße könnte für die Stadt ein teures Nachspiel haben. Foto: Kristin Deibl

Mit diesem Immobilienverkauf hat sich die Stadt Augsburg offenbar selbst geschadet. Das legt zumindest eine Anfrage an Oberbürgermeister Kurt Gribl nahe. Angeblich geht es um einen Verlust in Millionenhöhe.

Die Rede ist vom ehemaligen Stadtarchiv an der Fuggerstraße. Das Archiv selbst ist schon länger auf das AKS-Gelände im Textilviertel umgezogen. Am ehemaligen Standort in der Innenstadt sind unter anderem noch die Schneiderei des Theaters Augsburg untergebracht und im zweiten Stock auch die Bauaktenverwaltung. Beide müssen nun ausziehen, was mit erheblichen Kosten verbunden ist.

Vor einem guten Monat hat sich Finanzreferentin Eva Weber in einem Artikel der Augsburger Allgemeine noch mit der Zusage zitieren lassen, dass es "kein Minusgeschäft" werde. Die Ausschussgemeinschaft aus sechs Stadträten von Freie Wähler, Linke, ÖDP und Polit-WG, die nun die Anfrage an OB Gribl gestellt hat, sieht das anders.

Schon im Dezember 2017 warnte die Ausschussgemeinschaft vor diesem Verkauf. "Der sehr günstige Kaufpreis wird in kurzer Zeit dadurch aufgebraucht, dass die erst kürzlich einquartierte Theater Kostümabteilung und das Bauaktenarchiv wieder umziehen müssen, in deren neue Mietstandorte investiert wird und für nicht absehbare Zeit Mietzahlungen anfallen", heißt es in einer Pressemitteilung der Ausschussgemeinschaft vom 23. Dezember 2017.

Der Kaufpreis für das Objekt mitten in Augsburg beträgt nach Angaben der sechs Stadträte 2,7 Millionen Euro. Dieser Summe stellt die Ausschussgemeinschaft die Kosten für den Umzug und dessen Begleiterscheinungen sowie künftig anfallende Mieten gegenüber. So soll die Schneiderei in der Feldstraße im Stadtteil Oberhausen unterkommen. Allein für die Miete bis Juli 2025 rechnet die Ausschussgemeinschaft mit 1,1 Millionen Euro. Hinzu kommen 1,2 Millionen Euro für Planung, Umzug und den Umbau der vorgesehenen Immobilie an der Feldstraße. Nach der Nutzung muss diese freilich wieder in den Ursprungs-zustand versetzt werden. Dafür setzt die Ausschussgemeinschaft noch mal knapp 350 000 Euro an.

Gleiches gilt für den Umzug der Bauaktenverwaltung. Diese soll vorübergehend an der Imhofstraße untergebracht werden. Für 15 Jahre Miete kalkuliert die Ausschussgemeinschaft mit 1,7 Millionen Euro. Auch hier fallen Umbaukosten von 322 000 Euro an - da fällt die Maklercourtage von knapp 30 000 Euro kaum ins Gewicht. Insgesamt sehen die Stadträte der Ausschussgemeinschaft den Einnahmen von 2,7 Millionen Euro Ausgaben von mehr als fünf Millionen Euro gegenüber und dabei fehlen noch die Kosten für den Umzug der Bauaktenverwaltung in die Imhofstraße. Unter dem Strich würde die Stadt nach dieser Rechnung rund 2,3 Millionen Euro drauf zahlen.

Die Stadtregierung ist in ihrer Stellungnahme sehr zurückhaltend mit der Bewertung dieser Zahlen. "Das Gebäude Fuggerstraße 12 wurde zum Verkehrswert veräußert. Dieser wurde per Wertgutachten ermittelt", gibt Finanzreferentin Eva Weber auf eine Nachfrage knapp zurück. "Eine Aussage zu konkreten Zahlen ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht möglich", so Weber weiter. Die Fragen der Ausschussgemeinschaft würden "rechtzeitig, nach den Vorgaben der Geschäftsordnung der städtischen Kollegien, beantwortet und erläutert".

Tatsächlich hat der Augsburger Stadtrat in großer Mehrheit bereits im vergangenen Jahr dem Verkauf des alten Stadtarchivs zugestimmt. Gekauft hat es Medienunternehmer Ulrich Kubak, der angeblich das Gebäude in der Fuggerstraße zur neuen Zentrale des Senders Klassik Radio machen wolle.
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5 Kommentare
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Tobias Bevc aus Augsburg - City | 18.07.2018 | 10:14  
Markus Höck aus Augsburg - City | 18.07.2018 | 10:48  
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Bruno Stubenrauch aus Augsburg - Nord/Ost | 19.07.2018 | 11:08  
Markus Höck aus Augsburg - City | 19.07.2018 | 11:13  
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Bruno Stubenrauch aus Augsburg - Nord/Ost | 19.07.2018 | 11:27  
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