Verwirrung um Linie 5: Warum lässt die CSU-Fraktion eine Trasse prüfen, die sie gar nicht will?

Der nördliche Teil der Rosenaustraße wurde bereits vor Jahren geprüft - und als mögliche Linie-5-Route für ungeeignet befunden. Jetzt will die CSU sie nochmals prüfen lassen - doch warum eigentlich? Der Antrag der Fraktion sorgte vergangene Woche für Verwirrung. Foto: Janina Funk

Eigentlich hat sich der Stadtrat bereits für eine bevorzugte Route für die Linie 5 ausgesprochen, eigentlich wurde eine mögliche Trassenführung durch die Rosenaustraße bereits umfassend geprüft, eigentlich steht das Großprojekt kurz davor, mit der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens eine wichtige Hürde zu nehmen - und dennoch stellte die Augsburger CSU-Stadtratsfraktion nun einen Antrag zur geplanten Straßenbahntrasse, der in mehrfacher Hinsicht für Verwirrung sorgte.

Im Jahre 2023 soll der Tunnel unter dem Augsburger Hauptbahnhof endlich fertig sein, die Linie 5 die unterirdische Station mit dem Uniklinikum verbinden. Durch welche Straßen die neue Tram dabei fahren soll, legte der Stadtrat im Herbst 2016 abschließend fest. Kritik an der Trassenführung gab es einige - doch die Vorzugsvariante stand fest: Nach dem Tunnel verläuft die Trasse stadtauswärts über einen kurzen Abschnitt der Rosenaustraße und über die Pferseer Straße zur Luitpoldbrücke, stadteinwärts geht es durch die Perzheimstraße, die Hörbrotstraße und über den Sebastian-Buchegger-Platz. Nach der Luitpoldbrücke führt die Route über die Holzbachstraße und die Bürgermeister-Ackermann-Straße.

Eine Trasse über die Rosenaustraße zur Ackermann-Straße hatten die Stadtwerke bereits 2013 geprüft.

In ihrem aktuellen Antrag weist die CSU-Fraktion selbst darauf hin: Damals sei man zu dem Urteil gekommen, dass der nördliche Teil der Rosenaustraße "aus verschiedenen Gründen nicht weiterverfolgt werden sollte", heißt es in der Pressemitteilung der Fraktion zum Antrag. Problematisch seien: "die Zerstörung des Allee-Charakters und die extrem hohen Kosten durch den Sammelkanal" sowie verschiedene andere stadtplanerische und verkehrsgutachterliche Überlegungen. Dennoch will die CSU nun genau diesen Teil der Rosenaustraße nochmals überprüft sehen.

"Wir wollen, dass die Rosenau-Trasse für das Planfeststellungsverfahren bei der Regierung von Schwaben ebenso tief und sachlich durchgeprüft wird wie die anderen Varianten, damit für eine Verunsicherung der Bürger erst gar kein Raum entsteht", wird Stadträtin Claudia Haselmeier in der Mitteilung zitiert.

Prompt antwortete die Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Augsburg (Ana): "Wir begrüßen die von Ihnen vorgeschlagene Ausweitung der Trassenuntersuchung auf die Variante Rosenaustraße", schrieb das Bündnis in der vergangenen Woche an die CSU - und in Kopie an die Presse.

Die Ana, die den Antrag offenbar nicht ganz im Sinne des Verfassers verstand oder verstehen wollte, nutzte auch gleich die Gelegenheit und forderte, weitere Abschnitte erneut zu prüfen.

"Rein politisch motivierte Variantenspiele"?

Doch warum eigentlich lässt die Fraktion eine Trasse prüfen, die sie gar nicht will?

Gerüchten zufolge wolle die CSU der SPD in die Parade fahren. Es sind ja auch bald schon wieder Kommunalwahlen - auch wenn CSU-Bezirkschef Johannes Hintersberger in der Meldung vor "rein politisch motivierten Variantenspielen", warnt.

Die SPD, so wird kolportiert, wolle angeblich ein Linie-5-Konzept vorstellen, das die Straßenbahn stadtauswärts über die nördliche Rosenaustraße fahren lässt.

Das allerdings verneint SPD-Fraktionschef Florian Freund auf Nachfrage. Die SPD halte an der Vorzugsvariante fest. "Wichtig ist, dass die Linie 5 kommt", sagt Freund. Die Trasse Holzbachstraße sei dabei diejenige, die sich bislang "als beste und finanzierbarste erwiesen hat".

Und was sagen die Stadtwerke zu den Planspielen? Das Kommunalunternehmen ist Bauherr des Verkehrsprojekts. Zu politischen Debatten wolle man sich freilich nicht äußern, sagt Stadtwerkesprecher Jürgen Fergg. Derzeit würde das Planfeststellungsverfahren abschließend vorbereitet. Noch im März sollen alle Unterlagen für den ersten Abschnitt der Linie 5 (bis zur Ackermannbrücke) zusammengestellt sein, um sie der Regierung von Schwaben vorzulegen. Die Genehmigungsbehörde werde dann ohnehin "alle denkbaren Varianten und Trassen" prüfen und bewerten, erklärt Fergg. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens werde diejenige Variante genehmigt, bei der der Nutzen im Vergleich zu den Kosten am höchsten ist.

Es wäre wohl eine Überraschung, käme dabei nicht die Vorzugsvariante über die Holzbachstraße heraus.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.