vhs Wintersemester Kick-Off mit Angela Merkel in Augsburg

Bundeskanzlerin Angela Merkel per Videostream bei der Start-Podiumsdiskussion der vhs Augsburg Stadt
 
Jubiläums-Podiumsdiskussion zu Wohnsituation und Migration bei der vhs Augsburg mit OB Dr. Kurt Gribl (rechts) sowie zahlreichen Verbands- und Wirtschaftsvertretern aus Augsburg.
Augsburg: VHS Augsburg | Den Generationenkonflikt auf keinen Fall herbeireden, wo es keinen gibt. Minderheiten tolerieren, Mehrheiten akzeptieren. Als Kommune die Voraussetzungen der Daseinsvorsorge sicherstellen. Fremdkörper wie fließendes Wasser umspülen und integrieren. Effizientere Formen finden um schneller kollektiv Entscheidungen treffen zu können und Jugendliche und junge Menschen in Entscheidungen mit einzubeziehen. Alle in der Gesellschaft an Prozessen beteiligen, damit Veränderungen stärker als Chance statt als beängstigendes Schicksal wahrgenommen werden können. - Die Aspekte, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Kick-Off Podiumsdiskussion der vhs Augsburg Stadt zum gemeinsamen Semesterthema der deutschen Volkshochschulen „zusammenleben.zusammenhalten“ ansprachen, waren so vielfältig wie die Gruppen, die sie vertraten.

Über Gemeinschaft und Zusammenhalt in Augsburg diskutierten Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, Jürgen Kerner von der IG Metall, Jonas Riegel vom Stadtjugendring, Didem Karabulut vom Integrationsbeitrat, Dr. Robert Sauter vom Seniorenbeirat und Unternehmerin Ellen Dinges-Dierig unter Moderation von Dr. Stefan Glocker, Direktor der vhs Augsburg Stadt und Nicole Prestle, Leiterin des Lokalteils der Augsburger Allgemeine. Als vertiefende Kernthemen waren die Augsburger Wohnungssituation und die Integration von Migranten ausgewählt worden. Zu Beginn wurde ein Grußwort von Angela Merkel anlässlich des 100sten Jubiläums der deutschen Volkshochschulen und ihrer Bedeutung für Gemeinschaft und Zusammenhalt per Videostream eingespielt.

Einigkeit bestand bei der Augsburger Runde im Wesentlichen hinsichtlich der Notwendigkeit, Preistreiberei auf dem Mietmarkt nach Kräften einzubremsen. Wobei Ellen Dinges-Dierig sehr klar zum Ausdruck brachte, dass beispielsweise die Dierig Holding nur deshalb vergleichsweise günstigen Wohnraum schaffen kann, da ihr der Grund gehört, auf dem sie ihre Projekte plant. Generell dagegen sei es für alle Betroffenen und lokalen Beteiligten sehr schwer, gegen die Macht des Marktes und der Investoren anzukommen. Meinungsverschiedenheiten gab es hier erwartungsgemäß bei der Frage, ob die Kommune bei der Schaffung billigen Wohnraums stärker aktiv werden könnte und müsste und ob aufgrund von überzogenen Bau- und Umweltvorschriften die Schaffung günstigen Wohnraums in Ballungsräumen unverhältnismäßig behindert würde.

Sehr lange Migrationskultur

Völlig einig war man sich zunächst beim Thema Migration. Augsburg habe im Großen und Ganzen eine sehr lange Migrationskultur und könne daher in vielen Themen des multikulturellen Zusammenlebens als vorbildlich betrachtet werden. Dann jedoch folgte der Einwand von Seiten des Seniorenbeirats, dass gerade ältere Einwohner, bei zu bunter Vielfalt - wenn sich z.B. das vertraute Wohnumfeld nach und nach durch neue Sitten und Gebräuche und Sprachen verändert - durchaus häufig Ängste entwickelten, die man ebenfalls ernst nehmen müsse. Dies schlug Wellen. Bis die Diskussion über Integration eine unerwartete Wendung nahm, als einer der rund 30 Gäste, mit vielen Fakten unterstützt von Didem Karabulut, noch einmal verdeutlichte, dass all die vielen Menschen mit Migrationshintergrund die integriert seien, ja nicht auffielen. Diejenigen wenigen aber, die aufgrund von Separation fördernder Politik und einseitiger kultureller Erziehung über Generationen als fremd auffielen, lösten nun kollektive Ängste aus. Im persönlichen Umfeld dagegen und wo es Probleme gäbe, seien Schwierigkeiten in der Regel schnell lösbar, sobald sich irgendwo ein Moderator findet, der hilft, aufeinander zu zu gehen.

Weniger konsensfähig war der Versuch, Lösungen für die angespannte Wohnungssituation nicht nur auf dem sozialen sondern auch einfachen, freien Wohnungsmarkt zu erörtern. Zumindest standen Ideen im Raum. Unter anderem könne man jenseits der Wohnraumvermittlung für wirklich schwerwiegende soziale Fälle auch andere Austauschmöglichkeiten oder Angebotsmöglichkeiten schaffen, z.B. für Senioren die untervermieten möchten und dafür etwas Hilfe erhalten, oder Wohnungstausch oder ähnliche Formate, wie sie sonst eher aus der studentischen Szene bekannt sind.

Bundesweites vhs Semesterthema "zusammenleben.zusammenhalten"

„zusammenleben.zusammenhalten" ist ein gemeinsames Motto der deutschen Volkshochschulen für dieses Semester. Damit erinnern sie an ihr 100jähriges Jubiläum. In der Weimarer Republik erhielten die Volkshochschulen Verfassungsrang. Laut Artikel 148, Abs. 4 der Verfassung des Deutschen Reichs sollte „das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden. Andreas Vosskuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts kommentiert dies folgendermaßen: "Die Idee der Volkshochschule steht für eine Einrichtung, für die Bildung nicht mit dem Schulabschluss beendet ist und die Neugier stillen will. Mit anderen Worten, ein Ort des Dialogs und der Offenheit für Neues".

Eine große Verantwortung, der sich die deutschen Volkshochschulen hier Semester für Semester im Interesse aller Weiterbildungswilligen stellen. Zudem ein spannender Start für die Schwerpunktreihe des Wintersemesters der vhs Augsburg Stadt. Weiter geht diese am 01. Oktober mit der Veranstaltung „Wir verstehen die Welt nicht mehr“ – ein Videovortrag des Mitglied der Pressekonferenz des Weißen Hauses zur Obama-Zeit Dr. Christoph von Marschall (Korrespondent des Tagesspiegel Berlin) über Donald Trump, Brexit, EU-Krisen und mehr. Wer den Videostream bei sich zu Hause mit ansehen möchte, bitte bei der vhs anmelden. Der Link wird zugesendet! Wer ihn gemeinsam ansehen und diskutieren möchte: Raum 103 in der vhs-Zentrale am Willy-Brandt-Platz. Anmeldung/Link www.vhs-Augsburg.de
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