Viertgrößter Exportmarkt: Was ein ungeregelter Brexit für schwäbische Unternehmen bedeutet

Augsburg feierte im Juni den Europatag am Rathausplatz. Doch in Schwabens zweitgrößtem europäischen Exportmarkt stehen "stürmische Zeiten" bevor. (Foto: Thorsten Frank)

Augsburg - In der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft sorgt der abgelehnte Brexit-Deal für Verunsicherung. Das berichtete nun Andreas Kopton, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben. "Betroffene Betriebe haben stürmische Zeiten vor sich", meint er weiter. Besonders kritisch könnten das Ende des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs und die Einführung von Zöllen sein.

"Das Worst-Case Szenario eines harten Brexit wird leider sehr wahrscheinlich", so Kopton. Denn sollte die EU das Brexit-Datum nicht verschieben, wird das Vereinigte Königreich zum 30. März zum Drittstaat. Auch die ausverhandelte Übergangsphase, durch die Großbritannien bis 2020 Teil der Zollunion geblieben wäre, ist mit dem abgelehnten Deal nun vom Tisch. Besonders für die Wirtschaft wäre diese Übergangsphase aber dringend nötig gewesen, um betrieblich notwendige Vorkehrung treffen zu können. Rund 500 schwäbische Unternehmen sind laut Angaben der IHK im Vereinigten Königreich aktiv.

Wie Jana Lovell, Leiterin des IHK-Geschäftsfelds International, berichtet, könnte besonders kleine Unternehmen, die bislang nur Handel innerhalb der EU betreiben, ein ungeregelter Brexit teuer zu stehen kommen. "Diese Unternehmen müssen sich oft erst Wissen und Strukturen, etwa in Zollfragen, aufbauen, weil sie es jetzt erstmals mit dem Nicht-EU-Ausland zu tun haben", erklärt Lovell. Das schaffe zunächst zusätzliche Kosten, die die Betriebe schultern müssen.

Doch auch das schwache britische Pfund störe den Handel, da sich dadurch die Exporte aus Deutschland verteuern. "Das belastet gerade eine Exportregion wie Bayerisch-Schwaben besonders stark", so Lovell. Zudem sei bereits jetzt eine Zurückhaltung bei Investitionen festzustellen.

Brexit hat bereits erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursacht

Wichtig sei für Unternehmen nun vorerst die Analyse ihrer Wertschöpfungskette und ihrer Lieferbeziehungen. Selbst wenn kein direktes Geschäft mit dem Vereinigten Königreich betrieben werde, könnte beispielsweise die Ware eines britischen Lieferanten Probleme bereiten. Gleichzeitig sei auch davon auszugehen, dass sich die Regeln bei der Mitarbeiterentsendung ändern werden.

Großbritannien ist nach Angaben der IHK Schwaben Bayerns viertgößter Exportmarkt, vor dem Brexit-Votum lag es sogar noch auf Platz drei unter den Absatzmärkten. In Europa kauft nur Österreich mehr Produkte aus Bayern. Von den rund 500 Unternehmen, die im Vereinigten Königreich aktiv sind, haben etwa 140 dort eine Niederlassung. Die Schwerpunkte liegen im Maschinenbau, Kfz, Infrastruktur, Lebensmitteln und Logistik.

Bereits jetzt hat der Brexit laut der IHK Schwaben einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Seit dem Votum sind die Ausfuhren von Bayern nach Großbritannien rückläufig, das dynamische Wachstum ist gebremst. Während im Jahr 2015 die Ausfuhren noch um 21,6 Prozent angestiegen waren, war das Handelsvolumen zwischen Bayern und Großbritannien 2017 im Vorjahresvergleich um 527 Millionen Euro gesunken.

Für betroffene Unternehmen hat die IHK Schwaben online Hilfestellungen zu den Folgen des Brexits zusammengestellt. Auf der Website befindet sich auch eine Brexit-Checkliste, auf der Verantwortliche sehen können, in welchen Gebieten Handlungsbedarf besteht. (pm)
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