Was wird aus toten Fundtieren in Augsburg?

Während die Feuerwehr ein Lesegerät hat, das implantierte Chips ausliest, fehlt so ein Scanner bei den städtischen Straßenreinigern. In einem Antrag der CSU-Fraktion wird nun gefordert, dass entsprechende Chip-Auslesegeräte für die Stadt Augsburg angeschafft werden. (Symbolbild) Foto: Janina Funk

Fast noch schlimmer, als traurige Gewissheit zu haben, ist es für die Halter von Hund und Katz, wenn der Vierbeiner einfach spurlos verschwindet. Die CSU-Stadtratsfraktion greift dieses Thema nun auf und fordert in einem Antrag an den Stadtrat, dass, wenn die Stadt tote Fundtiere entsorgt, diese zuvor auf eine mögliche Tätowierung oder einen Chip, der den Halter ausweist, untersucht werden.

Wurde Paulchen gestohlen oder gar auf einem seiner Streifzüge überfahren? Familie H. wird es wahrscheinlich nie erfahren. Der Kater war ein Freigänger, das heißt, er genoss nicht nur Wohnung und Balkon, sondern durfte auch nach Herzenslust in seinem Revier herumstromern. Es kam schon vor, dass Paulchen eine halbe Woche lang ausblieb. Doch eines Tages kam er gar nicht mehr nach Hause. Im Schnee vor dem Gartentor verlor sich seine Spur.

Es gibt Untersuchungen, wonach gerade Katzen oft kilometerweite Ausflüge unternehmen. Wo also sollte Familie H. nach Paulchen suchen? Nun ist das Tier allerdings schon vor Jahren verschwunden. Das "Chippen" war damals noch unbekannt. Für Familie H. bleibt immer eine nagende Ungewissheit. Was wurde aus dem geliebten Samtpfötchen? Und damit ist Familie H. nicht allein. Manchmal wird monatelang sogar per Annonce in der Zeitung nach einem verschwundenen vierbeinigen Gefährten gesucht.

Wenn der Paulchen einst überfahren wurde und am Straßenrand liegen blieb, könnte es sein, dass er von Mitarbeitern des Abfallwirtschafts- und Straßenreinigungsbetriebs oder der Berufsfeuerwehr gefunden und entsorgt wurde.

So wird das in der Regel gehandhabt.

Während die Feuerwehr aber ein Lesegerät hat, das über den Tieren implantierte Chips die Ausfindigmachung der Besitzer erlaubt, fehlt so ein Lesegerät bei den städtischen Straßenreinigern. Sie überprüfen die Kadaver nicht auf etwaige Tätowierungen oder einen Chip.

Ein Dutzend Katzen und mehrere Hunde sammelten die Mitarbeiter der Straßenreinigung im vergangenen Jahr ein, heuer waren es bislang sieben Katzen und ein Hund.

In Augsburg kann man zwar beim Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb anrufen und nachfragen, ob das Tier gefunden wurde, eine Dokumentation der Kadaver erfolgt aber nicht. Diese wäre aber wichtig, um auch nach längerem Verschwinden noch das Schicksal des Haustiers in Erfahrung bringen zu können. "Den Menschen wird dadurch die Möglichkeit genommen, sich zu verabschieden", klagt Bernd Kränzle im Namen der Augsburger CSU. Haustiere, so wird weiter im Antrag der Fraktion ausgeführt, nähmen mittlerweile einen sehr hohen, emotionalen Stellenwert in der Gesellschaft ein: "Sie sind nicht nur Tiere, sondern vollwertige Familienmitglieder, die den Besitzer oft eine sehr lange Zeit und in unterschiedlichen Phasen seines Lebens begleiten." Sie ersetzten manchmal die Familie, spendeten Trost und gäben Halt. Beim Verlust des geliebten Tieres breche für den Besitzer oft eine Welt zusammen. "Deshalb ist es wichtig, Abschied nehmen zu können", fordert die CSU.

Die Fraktion schlägt nun vor, dass entsprechende Chip-Auslesegeräte für die Stadtreinigung angeschafft werden. Man könne, so der Antrag, auch mit Tierkliniken, Tierheimen oder ortsansässigen Tierschutzvereinen kooperieren. Diese könnten beispielsweise, um der Stadt Arbeit abzunehmen, dann die Tierhalter ermitteln und diese informieren.

Das alles hilft aber nichts, wenn zum einen lange nicht alle Tierbesitzer ihre Vierbeiner beim Tierarzt chippen lassen und zum anderen einige auch noch übersehen, dass sie danach selbst das Tier noch via Internet registrieren müssen. Das geht kostenlos im Haustierregister des deutschen Tierschutzbunds unter findefix.com. ( Monika Grunert Glas )
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