Werner-Egk-Schule: Stadtrat spricht sich mit knapper Mehrheit gegen Namensänderung aus

Der Augsburger Stadtrat hat am Mittwoch - mit knapper Mehrheit von 31 zu 25 Stimmen - entschieden, dass die Werner-Egk-Schule weiterhin nach dem Komponisten und Nazi-Mitläufer benannt sein soll.

Der umstrittene Name soll jetzt doch bleiben: Der Augsburger Stadtrat hat am Mittwoch - mit knapper Mehrheit von 31 zu 25 Stimmen - entschieden, dass die Werner-Egk-Schule weiterhin nach dem Komponisten und Nazi-Mitläufer benannt sein soll - entgegen der Empfehlung der Kommission für Erinnerungskultur und entgegen dem Wunsch der Oberhauser Grundschule selbst. Noch bis vor kurzem hatte es auch politisch eine Mehrheit für eine Namensänderung gegeben, doch die CSU-Fraktion änderte kurzfristig ihre Haltung in der Debatte. Die Abstimmung wurde zunächst vertagt. In der Sitzung am Mittwoch fiel nun die Entscheidung.

Namensgeber für eine Schule sollten eine „unzweifelhafte Vorbildfunktion“ besitzen, so definierte es im vergangenen Jahr die städtische Kommission für Erinnerungskultur und stellte klar: Diese Funktion erfülle Werner Egk nicht.

Der Komponist habe sein Talent im Dritten Reich bereitwillig in die Dienste des NS-Regimes gestellt. Er sei „kein geeigneter Namenspatron für eine Schule“. Die Bezeichnung also ändern? Die Kommission sagte Ja, die Schule selbst auch. Das CSU-geführte Bildungsreferat schloss sich dieser Einschätzung zunächst an. Im Stadtrat plädierte die Fraktion dann aber für „eine Kontextualisierung“ der Person Werner Egks; für eine Aufarbeitung auf der Internetseite und auf einer Tafel am Schulgelände sowie innerhalb des Unterrichts.

„Eine fortlaufende Auseinandersetzung mit der Zeit der Nationalsozialisten ist besser, als einfach einen Deckel draufzumachen“, betonte Andreas Jäckel (CSU). Zustimmung bekam die CSU-Fraktion von Pro Augsburg und Wir sind Augsburg (WSA). „Vorbild ist interpretabel“, sagte WSA-Stadtrat Peter Grab. Das Handeln von Werner Egk müsse in den zeitlichen Kontext gestellt werden. Zudem nannte er das Beispiel Richard Strauss, der ebenfalls ein Nazi-Mitläufer gewesen sei, „dennoch gibt es in Deutschland viele Richard-Strauss-Schulen“.

In jeder Biografie gebe es „Schatten“, schloss sich Claudia Eberle (Pro Augsburg) der Argumentation an. Wenn man nun einen Namen ändere, müsse man dies auch bei anderen tun.

„Gesellschaft muss Kontextualisierung leisten, nicht die Schule“ 

„Ich finde auch Schulen mit dem Namen Richard Strauss falsch“, hielt Freie-Wähler-Stadtrat Volker Schafitel dagegen. Aber in Augsburg stelle sich diese Frage ohnehin nicht, es gehe konkret um den Fall Werner Egk, erinnerte er die Gegenseite. „Sie tun Oberhausen keinen Gefallen und der Schule schon gar nicht“, so sein an die CSU gerichtetes Fazit.

Es sei fragwürdig, „jetzt der Schule den Prozess der Kontextualisierung aufzuzwingen, wenn diese selbst sich von Werner Egk distanzieren will“, ergänzte Oliver Nowak (Polit-WG) und Christian Pettinger (ÖDP) erklärte: „Die Gesellschaft muss die Kontextualisierung leisten, nicht die Schule.“ Otto Hutter (Linke) wies darauf hin, dass die Schule selbst in einer Stellungnahme schreibe, „für eine umfassende Auseinandersetzung erscheinen uns unsere Kinder zu jung“.

Die Befürworter der Namensänderung erinnerten zudem daran, dass Werner Egk beispielsweise ein Nazi-Festspiel vertont und die Musik für einen Hitlerjugend-Film geschrieben hatte. Die Kommission für Erinnerungskultur habe darüber hinaus die Autobiografie des Komponisten durchgearbeitet, darin habe sich kein Wort der Reue gefunden. „Er war Hitlers Helfer, weil er sich in den Dienst der Propaganda gestellt hat“, betonte Hutter.

Bezugnehmend auf ein Statement der CSU erklärte Verena von Mutius (Grüne): Niemand wolle Werner Egk aus dem kulturellen Gedächtnis tilgen, es könne zum Beispiel weiterhin einen Werner-Egk-Weg in Oberhausen geben, „aber bei einer Schule ist das eine andere Situation“. Die „Sachlichkeit und Fachlichkeit“ gebiete es zudem, der Empfehlung der Experten-Kommission zu folgen.

Dafür kritisierte später OB Gribl das „Demokratieverständnis“ von von Mutius. Der Stadtrat sei in seiner Entscheidungsfindung freilich nicht an Empfehlungen gebunden. Gribl vertrat den Standpunkt, dass die Hürde, um einen Namen zu ändern, höher sei als bei einer erstmaligen Vergabe. Heute, gab er zu, würde man eine Schule wohl nicht mehr nach Werner Egk benennen.

Das sah auch Gabriele Thoma (SPD) so. Sie schlussfolgerte daraus aber, anders als Gribl, dass die Schule daher zwingend umbenannt werden müsse. „Er hat mit den Nazis paktiert und von ihnen profitiert – distanziert hat er sich nie.“ Nach heutigen Kriterien „wäre Werner Egk nie Namenspatron geworden“.
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