Wie Augsburg gegen die Zwangsprostitution kämpft

Im Rotlichtgewerbe in Augsburg arbeiten fast ausschließlich Frauen, die sich in Zwangsprostitution befinden. Ein Angebot für Aussteigerinnen soll helfen (Symbolbild). (Foto: yanlev,123rf.com)
 
Die Teilnehmer des Podiumsgesprächs "Frauenhandel und das Prostituiertenschutzgesetz", das Anfang November stattfand, waren sich einig, dass die beste Lösung ein Verbot der Prostitution wäre. Foto: Verein AugsburgerInnen gegen Menschenhandel

Die Fuggerstadt ist eine der Rotlicht-Hochburgen Deutschlands. Die Prostituierten, die in den Bordellen oder den sogenannten Laufhäusern arbeiten, befinden sich meist in ausweglosen Situationen, weiß Rodica Knab. Sie arbeitet für die Menschenrechtsorganisation Solwodi und hilft Frauen, die aussteigen wollen. In ihrem Kampf gegen die Zwangsprostitution ist sie auch auf die Stadt Augsburg angewiesen - die nun das Angebot für Aussteigerinnen mit zusätzlichem Geld unterstützt.

Eine Schutzwohnung, deren Adresse geheim bleiben muss, damit die Zuhälter nicht erfahren, wo sich die Frauen aufhalten, ist kürzlich eingerichtet worden. Die Stadt stellt die finanziellen Mittel für die Räumlichkeiten bereit. Im städtischen Ordnungsausschuss schilderte Rodica Knab die Situation der zu 95 Prozent Ausländerinnen, die in Augsburg in der Prostitution arbeiten. Die meisten seien sehr jung und sprächen kaum ein Wort Deutsch, erklärte die Milieusozialarbeiterin.

500 bis 600 Frauen in Augsburg in der Prostitution tätig

Insgesamt sind der Stadtverwaltung zufolge zwischen 500 und 600 Frauen in der Prostitution tätig. Sie stammen zum großen Teil aus Südosteuropa, ihr Leben dort ist von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt.

Wie die Frauen in den Fängen der Menschenhändler landen - und wie sie wieder herauskommen könnten - darüber diskutierten vor wenigen Tagen auch Kriminologen, Menschenrechtler und Vertreter der Stadt Augsburg.

95 Prozent der Frauen befinden sich in Zwangsprostitution

Auf dem Podium saß auch der ehemalige Kriminalkommissar Manfred Paulus. Er betonte, dass sich mehr als 95 Prozent der Frauen in Zwangsprostitution befinden.

Nur wenige jedoch wagen den Ausstieg. Gründe dafür seien Angst vor den Zuhälterbanden, Scham, Schulden.

Ist das Prostituiertenschutzgesetz ein Täterschutzgesetz?

Am "Prostituiertenschutzgesetz", das vor einem Jahr in Kraft trat, fanden die Experten nur wenig Gutes. Das Gesetz schreibe Auflagen für die Bordelle und die Frauen vor, ein Opferschutz fehle jedoch komplett. Es setze Freiwilligkeit für die Prostitution voraus und gehe an den vorherrschenden Problemen vorbei, sagte Inge Kleine von der Münchner Hilfseinrichtung Kofra. Die organisierte Kriminalität werde dadurch nicht bekämpft.

Paulus bezeichnete das Gesetz als "Täterschutzgesetz". Die Runde sprach sich deutlich für ein Verbot der Prostitution aus.

Darauf haben die Akteure vor Ort jedoch wenig Einfluss. In Augsburg kämpfe man für Verbesserungen für die Betroffenen, sagte Ordnungsreferent Dirk Wurm. Seit 2016 gebe es die aufsuchende Millieusozialarbeit in Zusammenarbeit mit Solwodi, um Frauen den Ausstieg zu erleichtern.

Kampf gegen Zwangsprostitution: Mehr Geld für Solwodi

Die Arbeit der Sozialarbeiterinnen beschrieb Wurm auch in der jüngsten Sitzung des Ordnungsausschusses. Das Team habe bislang mehr als 150 Prostituierte in FKK-Clubs, Bordellen, Laufhäusern und Wohnungen erreicht. Die Frauen "haben bei einem Ausstieg aus dem Milieu immensen Bedarf an Betreuung und Begleitung", erklärte Wurm. Ziel sei neben dem Erlernen der deutschen Sprache, die meist sehr jungen Frauen langfristig in Ausbildung zu bringen.

In den Gesprächen mit den Sozialarbeiterinnen werde zudem immer wieder der Wunsch der Rückkehr in das Heimatland geäußert. Aber auch eine geregelte Rückführung benötige eine vorübergehende Unterbringung, erläuterte der Ordnungsreferent. Und das koste eben alles Geld. Immerhin: Die Stadt stellt künftig Mittel für eine Teilzeitkraft für Solwodi bereit, die sich explizit um die Aussteigerinnen kümmern soll.
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Enrico Baumann aus Augsburg - Süd/Ost | 20.11.2018 | 20:06  
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