Wieder Ärger bei Weltbild

Nach der Insolvenz im Jahr 2014 gab es bei Weltbild eine Neuorganisation. Der Versand wurde nach Tschechien verlegt. Dort wurde vor einigen Wochen mehreren Mitarbeitern fristgerecht gekündigt. Nun soll der Betriebsratschef, so die Geschäftsführung, angeblich einem der Betroffenen geraten haben, sich für die restliche Zeit krankschreiben zu lassen. Der Mann weist das entschieden zurück. (Foto: Archiv)

Erneut erregt ein Prozess vor dem Arbeitsgericht Augsburg großes öffentliches Interesse. Die Geschäftsführung von Weltbild hat dem Betriebsratsvorsitzenden gekündigt. Weil der Betriebsrat dieser Entlassung nicht zustimmte, klagte die Geschäftsführung, um die Kündigung dennoch durchzusetzen. Jetzt fand die erste Anhörung statt. Tendenz: Der Betriebsratsvorsitzende hat gute Chancen, dass die Kündigung unwirksam ist.

Dem Betriebsratsvorsitzenden wird von der Geschäftsleitung vorgeworfen, er habe einen Mitarbeiter zum Blaumachen aufgefordert. "Der Arbeitgeber legte keinerlei Beweise vor", teilt Thomas Gürlebeck, Gewerkschaftssekretär von Verdi Bayern, mit. Auch der Vorsitzende Richter habe demnach "erhebliche Zweifel, ob der Vorwurf für eine Kündigung ausreicht".

Rund 70 Personen verfolgten die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht. Dutzende Kollegen von Weltbild, Abgesandte verschiedener Gewerkschaften sowie der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und des KDA, des Diensts der evangelischen Kirche in Bayern für alle Menschen in der Arbeitswelt, sowie mehrere Betriebsräte Augsburger Unternehmen protestierten gegen die Kündigung, die sie als "Angriff auf die Mitbestimmung" werten.

Der betroffene Betriebsratsvorsitzende dankte für die breitgefächerte Unterstützung. Verdi-Sekretär Gürlebeck meint: "Wenn wir weiter zusammenhalten, gehen wir gestärkt aus diesem Konflikt hervor, und andere Arbeitgeber werden sich zukünftig noch genauer überlegen, ob sie es wagen, einen Betriebsrat anzugreifen." Nun wird ein bundesweiter Unterstützerkreis gegründet, um gegen die Angriffe der Geschäftsführung von Weltbild gegen den Betriebsrat vorzugehen. Zu diesem Kreis gehören Vorstände von Gewerkschaften, Vertreter von Kirchen und Parteien, Betriebsräte und Einzelpersonen.

"Wir befürchten, dass die aktuelle Attacke Teil eines größeren Plans ist. Das Unternehmen ist wirtschaftlich immer noch in Schieflage und alle Sanierungspläne des Gesellschafters Walter Droege gehen einseitig auf Kosten der Beschäftigten", klagt Gürlebeck. Der kämpferische Betriebsrat stehe offenbar im Weg.

Nach der Insolvenz im Jahr 2014 gab es bei Weltbild eine Neuorganisation. Der Versand wurde nach Tschechien verlegt. Dort wurde vor einigen Wochen mehreren Mitarbeitern fristgerecht gekündigt. Nun soll der Betriebsratschef, so die Geschäftsführung, angeblich einem der Betroffenen geraten haben, sich für die restliche Zeit krankschreiben zu lassen. Der Mann weist das entschieden zurück. Zwar habe man die gekündigten Personen beraten, ihnen aber nicht das Blaumachen empfohlen.

Der Richter am Arbeitsgericht ließ durchblicken, selbst wenn der Betriebsratschef zur Krankschreibung geraten habe, sei dies kein Grund, ihm zu kündigen. Eine Abmahnung hätte genügt. Der Richter erklärte, zum einen genieße ein Betriebsrat besonderen Schutz. Zum anderen sei die Äußerung wenn, dann im Vier-Augen-Gespräch unter Kollegen gefallen, und in so einem Rahmen dürfe man einen besonderen Vertrauensschutz annehmen - nämlich, dass man dafür nicht hingehängt werde. (mg)
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