AEV-Fans in Europa: "Belfast war gigantisch!"

"It's a, it's a, it's a goal!" - die roten AEV-fans freuen sich übers frühe 1:0.
 
Nach dem Spiel wimmelt es in Belfasts Ausgehviertel von siegestrunkenen Augsburgern.
Belfast (Vereinigtes Königreich): SSE Arena |

Strahlende Gesichter so weit das Auge reichte: Nicht nur direkt nach Matt Frasers Siegtreffer in der 31. Sekunde der Verlängerung, sondern schon vor dem Spiel in Belfasts Innenstadt. Ebenso in der Nacht danach in Pubs und auch am Tag darauf in Dublin, wo viele der über 1000 AEV-Fans flughafennahe Unterkünfte gebucht hatten, waren gut gelaunte Menschen in rot-grün-weiß allgegenwärtig.

hier gibt's viele Bilder aus (Nord-)irland

Die Giants-Fans hatten die vielen Augsburger sofort ins Herz geschlossen. Selbst die auf den ersten Blick martialisch auftretenden AEV-Ultras waren für Belfasts sehr junge und vergleichsweise weibliche Fan-Base ein lautes Spektakel, wie sie es beim Eishockey wohl noch nicht erlebt hatten. Im Stadion gab es allerdings nicht mehr als ein paar geworfene Bierbecher und nackte Oberkörper am Bandenglas. Der Eindruck auf die Gastgeber blieb angesichts der Masse, Lautstärke und Grundfreundlichkeit so gut, dass die Giants-Fans die Augsburger beim Auszug aus dem Stadion beklatschten. Noch besser als die Unterstützung der 1000 Pantherfans im Stadion kam der rote Fanmarsch aus der Innenstadt ins Stadion an.

Der geplante Marsch der AEV-Fans in roten Trikots und für das Spiel bedruckten T-Shirts führte lautstark und problemlos aus der Innenstadt über die Fußgängerbrücke über den River Lagan zur Arena der Giants. Die örtliche Polizei war vom Marsch der unbekannten Roten überrascht, sperrte kurzfristig einige Kreuzungen und begleitete die singenden und klatschenden Augsburger durch Belfast. „Gut, dass wir nicht Wolfsburg sind“, meinte ein AEV-Fan in der Arena. Die Grizzlys Wolfsburg haben orange Trikots. In Belfast wurden mit orangen, protestantischen Paraden oft Katholiken so provoziert, dass es zu teils tagelangen Ausschreitungen kam.

Die Giants wurden im Jahr 2000 gegründet, zwei Jahre nach dem nordirischen Waffenstillstand, und sie verstehen sich explizit als verbindender Sportclub ohne sektiererische Einflüsse – „In the land of the Giants, everyone is equal.“ (Im Land der Riesen ist jeder gleich).

Gaelic Football – eine Exkursion

Am Tag nach dem Spiel zeigten die Iren den vielen noch im Land weilenden Deutschen, wie sie ihren eigenen Sport zelebrieren: Gaelic Football, das „All-Ireland Senior Football Final“ fand statt. Ganz Dublin war blau geschmückt, Dublin-Anhänger in blau und grün-gelbe Fans aus Kerry vom anderen Ende der Insel füllten die Stadt, Pubs und das ausverkaufte Stadion „Páirc an Chrócaigh (Croke Park)“, das mit 82 300 Zuschauern das drittgrößte Europas ist.

Im Gegensatz zum Fußball fiebern die Fans beider Teams in denselben Pubs mit ihren Teams mit, sehen über schlechte Aktionen des Gegners hinweg und jubeln, feiern und trinken gemeinsam.

Beim Rauchen vor dem Pub gab es die üblichen Fragen an die so anders, nämlich freilich immer noch rot-grün-weiß, gekleideten neuen Fans: „Wo kommt ihr her? Ah, Deutschland! Seid ihr wegen Eishockey hier? Es ist ein großartiger Sport, wie Gaelic Football. Es wird schnell, hart und mit vielen Emotionen gespielt.“ Anschließend wurden die Augsburger noch auf das ein oder andere Bier eingeladen. Der Pub platzte mittlerweile aus allen Nähten, denn nach Spielende kamen die Fans aus dem nahe gelegenen Stadion hinzu.
Wie das Eishockeyspiel am Vorabend, endete das Spiel unentschieden, die Verlängerung dauert jedoch nicht nur 31 Sekunden, sondern in zwei Wochen gibt es eine kompette Neuauflage.

Im Pub spielte eine Band, ihr Irish Folkpunk störte die Wenigsten bei der Diskussion übers Spiel. Die Flucht vor der Lautstärke auf die Dachterrasse nützte sowieso nichts, denn dort war es genauso voll und die Musik von unten wurde übertragen. So folgte auf die lange Nacht von Belfast eine weitere in Dublin – und das Versprechen, in zwei Wochen das zweite „All-Ireland Final“ im Internet anzusehen – sofern nicht gleichzeitig der AEV spielt.

Der Ausflug hat sich nicht nur wegen der zwei Punkte und der Tabellenführung in der Gruppe C gelohnt. Die einhellige Meinung unter den am Flughafen wartenden AEV-Fans: „Es wäre super, wenn wir und Belfast weiterkämen und wieder aufeinander treffen! Ich bin dann auf jeden Fall wieder dabei!“
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