Alles Gute, Marwin Hitz: Zum Abschied eines großen Sportlers und eines feinen Kerls

Immer ruhig, nie leise: Marwin Hitz (Foto: Klaus Rainer Krieger)

Im Mittelpunkt standen andere. Heynckes, Kießling oder Weidenfeller: Ihre Abschiede am Ende der Bundesligasaison wurden pathosbehaftet ausgeleuchtet. Freilich, zu Recht! Doch dadurch rutschte der Weggang von Marwin Hitz aus Augsburg ein wenig in den Schatten. Klar war der Abschied in der Arena emotional, aber in der bundesligaweiten Wahrnehmung blieb letztlich eher hängen, dass er sich wohl Borussia Dortmund anschließen würde. Dass der FCA jedoch eines seiner Gesichter verliert, kam doch ein wenig zu kurz.

Aber vielleicht passt das eben exakt zu Marwin Hitz. Einer, der sich nie ins Rampenlicht drängte, aber dennoch für etwas stand. Für die Werte, die der Verein sich selbst auferlegt hat. Solide und ehrliche Arbeit, keine großen Töne spucken, Extravaganzen - naja, Raúl Bobadilla mal außen vor gelassen - möglichst vermeiden.

Marwin Hitz strahlte stets eine ungemeine Gelassenheit aus. Dennoch scheute er klare Aussagen nicht. Immer ruhig, nie leise. Wenn Hitz etwas störte, sprach er es an. Kritisierte auch mal Mitspieler, die Stimmung in der Arena, aber auch sich selbst. Dabei gab es an dem Torhüter eigentlich selten etwas zu mäkeln. So rieben sich nicht Wenige die Augen, als er sich beim 2:1 gegen Wolfsburg in der Hinrunde der abgelaufenen Spielzeit einen Kullerball mehr oder minder ins eigene Tor legte. Daneben sucht man lange nach schlimmen Fehlern des Schlussmanns mit dem Zahnpastalächeln. Freilich, manchmal wirkte er etwas wackelig, wenn er den Ball am Fuß hatte. Aber Strafraumbeherrschung, vor allem Flanken aus der Luft pflücken, das konnte Marwin Hitz. Das machte wohl den Großteil seiner Aura aus, dieses beinahe Stoische, das ihn im eigenen Strafraum umgab. Und manchmal, da zeigte er Reflexe und Paraden, die einen kurz inne halten ließen, um zu verarbeiten, dass dieser Ball gerade nicht ins Tor geflogen ist.

Verschiedene Faktoren verhinderten wohl, dass dieser mehr als solide Rückhalt Augsburg schon früher den Rücken kehrte. Der Torsteher blieb dennoch stets professionell, trat wie jeher smart und sympathisch auf. Und irgendwie war Augsburg ja auch seine Stadt, hier stieg er zur Nummer eins eines Bundesligisten auf und vielleicht noch bedeutender: Hier heiratete er und wurde zwei Mal Vater.

Marwin Hitz wird dem FC Augsburg abgehen, ihn nicht mehr hinter der Abwehr zu wissen, wird ein ungewöhnliches Gefühl auslösen. Der Mann, der nach Spielen in Katakomben mit Sohn Matteo Interviews gab. Der in Köln einen Elfmeterpunkt derart malträtierte, dass der Schütze verfehlte. Der in einem Spiel gegen Leverkusen in letzter Sekunde volley den 2:2-Ausgleich erzielte.Doch selbst da bewahrte Marwin Hitz seine Gelassenheit.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum er den Status einer Augsburger Kultfigur vermutlich nie einnehmen wird. Dennoch wird man ihn vermissen. Einen Torhüter mit sportlicher wie charakterlicher Klasse. Alles Gute, Marwin Hitz. (lib)
1
4
Diesen Autoren gefällt das:
2 Kommentare
Florian Handl aus Augsburg - City | 24.05.2018 | 12:23  
11
Peter Libossek aus Augsburg - City | 25.05.2018 | 19:45  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.