Battle of Bavaria: Augsburg schlägt zurück

Defense wins Championships: Topscorer Drew LeBlanc und Steffen Tölzer bei der Arbeit vor dem eigenen Tor - und Oli Roy hat die Fanghand auf dem Puck.
 
Ein letzter Blick auf sein Volk: Augsburgs König Drew LeBlanc.
Augsburg: Curt-Frenzel-Stadion |

Das erste Halbfinalspiel gegen den EHC Red Bull München war mit 102 Minuten das längste je vom AEV gespielte, während das zweite quasi schon nach 59:34 Minuten zu Ende war. Zwei Panther-Schlüsselspieler entwickeln sich zu wahren Playoff-Monstern und wachsen von Spiel zu Spiel immer mehr über sich hinaus: Olivier Roy hält das Team mit starken Paraden im Spiel und Drew LeBlanc sorgt für die entscheidenden Tore. Mit seinem Treffer zum 4:3 in der Schlussminute brachen alle Dämme und das Curt-Frenzel-Stadion feierte eine Woche nach seinem Spiel-7-Siegtor gegen die DEG schon wieder eine grandiose Party.

Die Bilder zum Spiel

Schwierige Voraussetzungen für Mike Stewart: Nicht nur fehlte ihm weiter der verletzte Scott Valentine, mit Patrick McNeill musste nach der zweiten Großen Strafe ein weiterer Verteidiger auf der Tribüne platznehmen. Nur sechs blieben im Aufgebot, und die waren nach der 102-minütigen Abwehrschlacht vom ersten Halbfinale mutmaßlich so gerädert wie ihre ebenfalls ersatzgeschwächten Kollegen im Sturm (verletzt: Trevelyan und Ullmann). Das sah man den Panthern jedoch nicht an, sie starteten mit mutigen Angriffen. Youngster Marco Sternheimer hatte die erste Großchance, scheiterte aber an aus den Birken wie auf der Gegenseite Hager an Roy.

Playoff-Monster Olivier Roy

Quebec, der französisch sprechende Teil Kanadas, ist für seine außergewöhnlichen Torhüter bekannt, aktuell spielen unter anderem Marc-Andre Fleury, Corey Crawford und Roberto Luongo in der NHL. Aber auch außerhalb der besten Liga der Welt finden sich viele Goalies aus dem französisch sprechenden Teil Kanadas, einer der bekanntesten dürfte Chiefs-Keeper Denis Lemieux sein, der das Tor der Hanson Brothers im Film Slapshot bewachte. Der beste war Patrick Roy, je drei Stanley Cups und Vezina Trophies sammelte er bei den Montreal Canadiens und der Colorado Avalanche – und sein Name schlägt die Brücke ins AEV-Tor: Dort verdient sich Olivier Roy in den Playoffs 2019 ehrenhalber einen zweiten Vornamen, denn Oli hält sensationell gut wie einst Namensvetter Patrick. Dass das erste Halbfinale so lang dauerte lag hauptsächlich an ihm, dem ruhenden Fels im oberbayerischen Puckhagel. Auch dass der AEV im zweiten Drittel des zweiten Spiels nicht schon fast aussichtslos zurücklag ist ebenfalls zu großen Teilen Olivier "Patrick" Roys Verdienst. Auch im größten Gewühl vor und in seinem Torraum behielt er den Überblick, fing Schlenzer und Schlagschüsse und strahlte die Ruhe aus, die seine Mannschaft benötigte, um München letztlich niederzuringen.

Playoff-Monster Drew LeBlanc

Augsburgs zweiter Erfolgsgarant ist der US-Amerikaner Drew LeBlanc, der in den Playoffs nicht nur seine Mannschaftskameraden überrascht. Denn er hat seinen Spielstil geändert: Bisher war er vor allem für seine genialen Pässe bekannt, jetzt schießt er selbst und trifft und trifft und trifft, „nur“ vier Assists bei fünf Toren zeigen den Unterschied zur Hauptrunde auch statistisch. Er hat dabei aber nicht vergessen, was ihn so stark macht: Natürlich ist er weiterhin der Stürmer mit der meisten Eiszeit, natürlich tanzt er immer noch den Gegner an der Bande aus und natürlich leitet er mit Pässen auch aus größter Bedrängnis zum am aussichtsreichsten platzierten Mitspieler Torchancen ein. Dass der Ausnahme-Center sich auch fürs anstrengende Defensivspiel nicht zu schade ist, ist ein weiterer Pluspunkt LeBlancs.

Aber das Überlebenswichtige sind zurzeit seine Tore. Im zweiten Halbfinale waren es das wichtige 3:2 und der Siegtreffer kurz vor Schluss, der für Münchens Sudden Death noch während der regulären Spielzeit sorgte. Trotz Auszeit und sechs Feldspielern schaffte es Don Jackson nicht, seinem Team einen funktionierenden Ausgleichsplan für die letzten 26 Sekunden vorzugeben.

Beide Teams mit schnellen Antworten

Dass das 4:3 so spät fiel war entscheidend, denn vorher hatten die beiden Teams Tore des Gegners immer schnell kontern können: Auf Matt Frasers 1:0 – aufgelegt per Rückhandpass durch die Beine eines Münchners von Sahir Gill – in der 17. Minute antwortete Mark Voakes keine Minute später. Auch Münchens 2:1-Führung durch John Mitchell – vorangegangen war ein No-Look-Pass von hinter dem Tor von Ex-Panther Trevor Parkes, mit dem er seine alten Kollegen überraschte – hielt keine drei Minuten, dann sorgte der von Steffen Tölzer auf die Reise geschickte Matt White fürs 2:2.

Im Schlussabschnitt folgte die große LeBlanc-Show: Nach der Abwehr einer Red-Bull-Chance rennt er übers gesamte Eis, lässt dabei sechs Oberbayern (es gab einen Wechselfehler) hinter sich und schlenzt statt des üblichen Passes auf den mitgelaufenen Adam Payerl den Puck selbst in den Winkel. Jetzt hält es kaum jemanden mehr auf den Sitzen, auch nach 48 Minuten und Mitchells zweitem Tor des Abends treibt Augsburg seine Mannschaft weiter an.

Mit Erfolg: Die Schiedsrichter verpassen Red-Bull-Kapitän Michael Wolf zwei Minuten Verschnaufpause, und diese kleinliche Strafe kurz vor Schluss sorgt fürs entscheidende Powerplay. Ein Saucer-Pass mit der Rückhand von Matt White quer übers Feld zu David Stieler, ein Saucer-Pass von Stieler vors Tor auf LeBlanc und der Hexenkessel Curt-Frenzel-Stadion kocht über.

Schneller Rhytmus: Spiele am Sonntag, Mittwoch und Freitag

Schon am Sonntagnachmittag um 14:00 Uhr findet Spiel 3 in München statt, am Mittwochabend Spiel 4 in Augsburg und am Freitag wieder auf Münchens Oberwiesenfeld.
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