„Battle of Bavaria“: Was bleibt nach dem Panther-Märchen?

Die letzte Ehrenrunde vor den AEV-Fans. (Foto: Thorsten Franzisi)
 
Obwohl Münchens Organisation versuchte die vielen und lauten AEV-Fans vom Besuch des siebten Spiels abzuhalten, feierten auch beim vierten "Heimspiel in München" wieder über 1.000 Augsburger ihren Finalisten der Herzen.

Ein Halbfinale für die Geschichtsbücher: Augsburg gegen München. Das AEV-Märchen ist nun zu Ende, denn der Favorit lässt keine Tore zu und siegt im Entscheidungsspiel mit 2:0. Was bleibt ist eine Stadt, die stolz ist auf ihre nie aufgebende Mannschaft, auf die vielen unermüdlich feiernden und singenden Fans und auf nie zuvor Erreichtes: Platz 3 nach der Hauptrunde, die Qualifikation für die Champions Hockey League und zwei an Spannung und Dramatik kaum zu überbietende Playoff-Serien, über die man Bücher schreiben könnte.

Rückblick: der Halbfinalist AEV in Zahlen

96,21 Prozent und 205:24 Minuten: 
Rekordverdächtige AEV-Stars

War das Viertelfinale gegen die DEG mit sieben Spielen und zwei kurzen Verlängerungen schon hart umkämpft, so brach das Halbfinale gegen München alle Rekorde: Noch nie mussten in Deutschland zwei Teams zweimal überlange Spiele von mehr als 100 Minuten überstehen, keine Serie auf deutschem Eis dauerte länger als insgesamt 500 Minuten Spielzeit, und mit Brady Lamb stand wohl auch noch nie ein Feldspieler gegen denselben Gegner so lange auf dem Eis (205:24 Minuten Spielzeit vor Matt White mit 189:55 und Drew LeBlanc mit 175:29). Tragisch, dass ausgerechnet Vielspieler Lamb beim 2:0, dem letzten Tor im siebten Akt eines epischen und epochalen Dramas, einem Hager-Pass im Weg stand und den Puck unhaltbar für Augsburgs größten Helden Olivier Roy abfälschte.

Augsburgs Goalie verzeichnete schier unmögliche Statistiken im Halbfinale: Über 502 Minuten stand er auf dem Eis, nur elf Gegentreffer bei 290 Torschüssen (im Schnitt 1,31 pro Spiel), was die irre Fangquote von 96,21% gegen München ergibt. Im siebten Spiel wurde er nur von Mads Christensen überwunden, nachdem er vorher zwei Schüsse von Seidenberg und Christensen pariert hatte – und durchs „Eigentor“ von Lamb.

Unglückliche Tore und starke Münchner Defensive

Dass es für Augsburg im siebten Spiel nicht wie gewünscht klappte, lag am Auslassen der guten Chancen, die sich der AEV vor allem im ersten und dritten Drittel erarbeiten konnte – und am letztlich übermächtigen Gegner. Denn auch bei München stand mit Danny aus den Birken ein herausragender Schlussmann im Tor, auch München konnte kämpfen und so Augsburgs Konter weitgehend unterbinden, und München setzte sich immer wieder im Angriffsdrittel fest. Viele gute Chancen ließ die rotgrünweiße Abwehr trotzdem nicht zu, aber erstens verhinderten die Oberbayern auf diese Weise schwäbische Angriffe und zweitens fand der Puck zweimal eben doch den Weg ins AEV-Netz.

Trotz RB-Gegenmaßnahmen: 
Augsburg feiert viertes „Heimspiel in München“

Der Zwei-Tore-Rückstand sorgte keineswegs für Stille in der Augsburger Kurve, im Gegenteil: Die AEV-Fans glaubten bis zum Ende an ihre Mannschaft und feuerten sie ununterbrochen an. Das war durchaus auch den seltsamen Aktionen des Münchner Managements im Vorfeld des Spiels geschuldet: 450 Karten sollten diesmal ausreichen für Augsburg, weshalb Online-Accounts gesperrt wurden und Ticketkäufer angerufen wurden – man wollte sogar verkaufte Karten stornieren. So sollte verhindert werden, dass die Gästefans auch die vierte Begegnung im Olympia Eisstadion in ein „Heimspiel in München“ verwandeln würden. Die Rechnung ging nicht auf, denn wieder fanden weit über 1000 Augsburger Mittel und Wege in die Südkurve, und wieder war diese durchgehend und laut zu hören. Und auch nach dem Spiel zeigten die Münchner wesentlich weniger Feierlaune als die Fans des AEV. Zur Ehrenrunde des EHC war die Hälfte der Oberbayern schon verschwunden, während die Panther-Anhänger ihren Lieblingen auch eine halbe Stunde nach Spielende noch zujubelten.



„Feiern bis zum Ende“: Saisonabschluss-Party und Champions League

Ganz zu Ende ist die tolle Saison noch nicht: Am 28. April feiert das Team mit den Fans im Curt-Frenzel-Stadion die Saisonabschluss-Party. Und der Sommer wird – trotz vieler Vertragsverlängerungen – spannend und kurz wie selten. Denn am 22. Mai wird am Rande der Eishockey WM in Bratislava ausgelost, gegen wen der AEV in der Gruppenphase der Champions Hockey League antreten muss. Kommen die Gegner aus Weißrussland oder Wales? Fahren die Fans mit dem Zug nach Zug, mit dem Bus nach Bystriza oder fliegt man im Flugzeug nach Frölunda? Start der CHL ist Ende August, kurz nach dem „kleinen Europapokal“ in Südtirol, dem Dolomiten Cup.
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