Baustelle FC Augsburg: Martin Schmidt soll nun den Abstieg verhindern

Zu viele Baustellen gibt es in der Mannschaft, das wurde in den vergangenen Bundesligaspielen ein ums andere Mal deutlich. FCA-Sportdirektor Stefan Reuter (rechts) bleibt – und präsentierte am Mittwoch den neuen Trainer Martin Schmidt (links).
 
Baum-Kritiker Jeffrey Gouweleeuw (links) bekommt seine Anweisungen nun von Martin Schmidt (rechts).

Zahlreiche Fans und Pressevertreter tummeln sich am Mittwochmorgen am Trainingsgelände des FCA, um sich einen Eindruck vom neuen Cheftrainer zu machen.

Der FC Augsburg hatte am Abend zuvor auf den monatelang anhaltenden Negativtrend reagiert und Manuel Baum samt Co-Trainer Jens Lehmann und technischen Direktor Stephan Schwarz entlassen. Den FCA vor dem Abstieg bewahren soll nun Martin Schmidt.

Der 52-jährige Schweizer ist kein unbekannter Name in der Bundesliga, er trainierte bereits den FSV Mainz 05 und den VfL Wolfsburg.
„Wir haben in den letzten Wochen und Monaten alles dafür getan, unsere schwierige Situation gemeinsam zu meistern. Nach dem 0:4 gegen die TSG 1899 Hoffenheim und den äußerst schwankenden Leistungen zuvor hat uns aber die Überzeugung gefehlt, dass wir dies auf Dauer in der bisherigen Konstellation schaffen werden“, begründet einer, der seinen Posten behält: FCA-Sportdirektor Stefan Reuter.

Spieler kritisierten zunehmend Ex-Coach Manuel Baum

Manuel Baum verspielte in den vergangenen Monaten mit taktisch falschen Entscheidungen seinen Kredit. Zunehmend übten Führungsspieler Kritik an ihrem Trainer. Martin Hinteregger ließ seinem Frust bereits im Januar freien Lauf, er erklärte: „Ich kann nichts Positives über ihn sagen, und ich werde auch nichts Negatives sagen.“ Kurz darauf wurde Hinteregger nach Frankfurt ausgeliehen, wo es für ihn derzeit hervorragend läuft. Nach der 0:4-Heimpleite gegen Hoffenheim am vergangenen Wochenende fand Jeffrey Gouweleeuw deutliche Worte zu den mehrmaligen taktischen Umstellungen während des Spiels. „Wir hatten von Anfang an keine Ahnung, was wir machen.“

Fehler in der Kaderplanung des FC Augsburg

Nun hat Reuter die Reißleine gezogen. Lehmann, der Ende Januar als Co-Trainer verpflichtet wurde und die Abwehr stabilisieren sollte, wurde ebenso freigestellt. Außerdem musste Schwarz gehen. Der 48-jährige Kaderplaner und Spielerbeobachter ist langjähriger Vertrauter von Reuter. Sie kennen sich aus der Zeit bei 1860 München von 2006 bis 2009. Nachdem Reuter 2012 seine Arbeit beim FCA aufnahm, holte er Schwarz dazu. Mit der Entlassung von Schwarz gesteht sich der FC Augsburg ein, dass in den vergangenen Transferperioden Fehler in der Kaderplanung gemacht wurden.

Der Zeitpunkt des Trainerwechsels kam für den langjährigen FCA-Fan Herbert Klassen überraschend. Er steht am Mittwoch am Rand des Trainingsplatzes und beobachtet Schmidts ersten Auftritt. „Wir haben im Pokal gegen Leipzig gut gespielt. Den Klassenerhalt hätte Baum auch geschafft“, sagt er. Lehmann trauere er allerdings in keinem Fall nach.

Karl-Heinz Matiaske hingegen ist der Meinung, dass der Rauswurf von Baum längst überfällig gewesen sei. „Schmidt ist ein richtiger Trainer und hat in Mainz gute Arbeit geleistet“, freut sich der FCA-Anhänger auf die kommenden Spiele.

Martin Schmidt bringt seinen Co-Trainer Stefan Sartori, mit dem er bereits in Wolfsburg zusammenarbeitete, mit nach Augsburg. Schmidts Vertrag läuft im Falle eines Klassenerhalts bis 2021. Wenn der FC Augsburg in die zweite Bundesliga absteigt, dann ist der Vertrag bis 2020 befristet und er hätte noch die Chance auf einen direkten Wiederaufstieg.

Härtetest bei Martin Hintereggers Eintracht Frankfurt

Den Fans, die regelmäßig beim Training zuschauen fiel sofort ein Unterschied zu Schmidts Vorgänger auf: „Der ist voll bei der Sache und gibt Anweisungen, der Baum ist immer nur über den Platz geschlichen, dafür aber während dem Spiel an der Seitenlinie herumgesprungen wie ein Kasperle“.
Der erste Härtetest für den neuen Trainer steht bereits am Sonntag an. Dann gibt es um 18 Uhr auch ein Wiedersehen mit Hinteregger, wenn der FCA auswärts bei Eintracht Frankfurt antritt.

Martin Schmidts Trainer-Stationen in der Bundesliga

1. FSV Mainz 05: Beendete die Saison 2015/16 auf Tabellenplatz sechs und qualifizierte sich erstmals in der Vereinsgeschichte für die Europa-League. Nach Abschluss der Saison 2016/17 auf Platz 15 wurde der Vertrag vorzeitig aufgelöst.
VfL Wolfsburg: Im Februar 2018 trat er nach fünf Monaten – auf Tabellenplatz 14 – als Trainer zurück.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.