Der FC Augsburg spielt ein achtes Jahr Bundesliga - Eine Einschätzung

Stets gut vorbereitet: Manuel Baum. Foto: Alexander Heinle


Manuel Baum hat eine erstaunliche Wandlung vollzogen - und steht damit sinnbildlich für die Mannschaft des FC Augsburg. Mangelte es dem Trainer im Abstiegskampf der Spielzeit 2016/17 noch besorgniserregend an überzeugter Ausstrahlung, hat er sich zu einem angesehenen Fußballlehrer entwickelt. Gut, manchmal übertreiben es er und sein Kompagnon Stefan Reuter mitunter, wenn sie nach einem aus ihrer Sicht falsch gewunkenen Einwurf, hinter dem Linienrichter Zick-Zack-Sprünge vollführen, als würde in diesem Moment über die gesamte Saison, ach, über die ganze Vereinsexistenz entschieden.

Nun ja, nennen wir es mal euphemistisch Emotionen, die durchaus erlaubt sind, bei der Spielweise, die Baum seiner Mannschaft oft abverlangt. Wie der Trainer trat der FC Augsburg in der vergangenen Saison selbstbewusst auf. Zudem agierte er pressingfleißig, zweikampffreudig, laufstark. Vor allem hatte er - und das ist Baums Verdienst - immer einen Plan. Zugegeben, manchmal wirkte es, als überfordere der Trainer seine Spieler ab und an mit seinen taktischen Vorgaben. Im Großen und Ganzen zeigte seine Elf meist stimmige Leistungen.

Wäre dann nicht mehr drin gewesen für den als Absteiger Nummer eins gebrandmarkten FCA? Vielleicht. Hätte man sich früher hehre Ziele setzen sollen? Durchaus. Allerdings verhinderten einige Ausfälle und eine bislang ungekannte Schwächephase in der eigenen Arena schließlich, dass es beinahe trotzdem für einen Platz in den Top sieben reichte.

Wo es kommende Spielzeit hingeht, ist einmal mehr eine Kaderfrage. Gehen Max, Gouweleeuw und Finnbogason, gilt es erneut, Schlüsselspieler zu ersetzen. Die Pein eines kleinen Klubs. Diese Saison ist das gut gelungen, obwohl längst nicht alle Neuen einschlugen. Doch mit Rani Khedira ist ein - um in Baums Worten zu sprechen - "fußballerisch hochintelligenter" Mittelfeldspieler hinzugekommen und Michael Gregoritsch wird in Hamburg vermutlich bald in sehnsüchtigen Seemannsballaden besungen. Hinzu kam, dass Baum Spieler weiterentwickelte: Max, Caiuby und Daniel Opare. Mit Marco Richter, Sergio Cordova, Efkan Bekiroglu und Kevin Danso verfügt der FCA über einige Talente, zudem drängt die starke A-Jugend-Bundesliga-Auswahl nach oben - und Baum ist ein Trainer, der die Durchlässigkeit spürbar verbessert hat.

Vielleicht ist eine Mannschaft, in der Burschen aus dem eigenen Nachwuchs Stammkräfte sind, auch ein Grund, dass wieder mehr Zuseher in die Arena kommen. Alleine reicht das nicht. Selbst der teils wirklich ansprechende Fußball, den Baum spielen lässt, lockte oft nicht genug Menschen ins Stadion, so dass große Lücken auf den Tribünen klafften.

Vielleicht sollte der FC Augsburg einmal ambitionierter in eine Saison gehen. Im achten Jahr Bundesliga mehr anzustreben, als "nur" den Ligaverbleib, die Leute bei diesem Vorhaben mitnehmen. Niemand wird dem FCA etwas vorwerfen, erst Recht, wenn man es sympathisch verkauft. Man hat die Voraussetzungen und ein stabiles Gerüst, um die mausgrauen Stellen an der Fassade mit etwas mehr Farbe zu überdecken. ( David Libossek )
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.