Europa, wir kommen: Was den AEV jetzt in der Champions Hockey League erwartet

Die Augsburger Panther spielen am 29. August erstmals international.
 
(Foto: Luleå HF)

Am Abend des 18. Januar diesen Jahres war ein Hauptrundenspiel in München angesetzt. Ein paar Stunden vorher war noch nicht sicher, ob Coach Mike Stewart eine spielfähige Mannschaft aufbieten konnte. Aufgrund von Verletzungen und eines Magen-Darm-Viruses hatte er sein angeschlagenes Rumpfteam in die Kabine gerufen. „Spielen wir, und wenn ja, wer kann antreten?“ ließ der Trainer abstimmen. Ein paar Spieler fühlten sich nach zwei Tagen im Bett fit genug für ein Derby beim Meister, so dass die Mannschaft entschied, ihr Glück zu versuchen. Statt einer 0:5-Wertung am Grünen Tisch gab es ein für München schmeichelhaftes 4:1. Nach dem letzten Hauptrundenspieltag waren es genau diese zwei Tore Differenz, die dem AEV Platz Drei vor den Kölner Haien und somit die Qualifikation für die Champions Hockey League sicherten.

Am 29. August findet nun in Luleå (Schweden) das erste internationale Punktspiel in 141 Jahren AEV-Geschichte statt, nur zwei Tage später darf in Belfast (Nordirland) angetreten werden. Am darauffolgenden Wochenende finden die beiden Rückspiele statt, Hin- und Rückspiel gegen den dritten Gegner aus Liberec (Tschechien) folgen im Oktober.

Luleå Hockeyförenning – der nördlichste Club der CHL

1977 wurde der Verein gegründet, seit 1984 spielt er ununterbrochen in Schwedens erster Liga. Größte Erfolge waren die Schwedische Meisterschaft 1996 und der Gewinn der CHL bei deren erster Austragung 2015. In der vergangenen Saison qualifizierte sich Luleå als Zweiter der Hauptrunde punktgleich hinter Färjestadt BK für die CHL, schied aber im Halbfinale gegen den späteren Meister Frölunda aus. Bis auf die zwei Finnen Arttu Ilomäki und Juhani Tyrväinen sowie die beiden US-Amerikaner Austin Farley und Jack Connolly stammen alle Spieler aus Schweden.

Belfast Giants – die Riesen debütieren als britischer Meister

Schon zwei Tage nach dem Auftaktmatch ist das nächste Auswärtsspiel angesetzt: Vom nördlichsten geht es direkt zum westlichsten CHL-Team nach Belfast, ein logistisches Problem für Team und Fans, die beide Spiele sehen wollen – es werden Rundflüge nötig.
Die Giants haben sich theoretisch doppelt für die CHL qualifiziert, sie gewannen nicht nur die britische Meisterschaft, sondern qualifizierten sich auch über den Continental Cup für die CHL. Zwei Grundpfeiler des letztjährigen Erfolgs haben den Verein im Sommer verlassen: Liga-Topscorer Darcy Murphy (79 Punkte) und der auch in Deutschland bekannte Goalie Tyler Beskorowany (DEG, Nürnberg) wechselten nach Weißwasser beziehungsweise in die Slowakei. Ersatz kommt mit Stürmer Jordan Smotherman aus Iserlohn und dem Kanadier Shane Owen im Tor.

Eine Besonderheit beim nordirischen Eishockey: „In the land of the Giants, everyone is equal“. Das bedeutet, dass in der SSE Arena jeder gleich ist. Nicht nur Rassismus ist verboten, sondern auch jegliche religiösen Symbole, Fahnen und Gesänge.

Bílí Tygri Liberec – die weißen Tiger aus Augsburgs Partnerstadt

Nach der Auslosung hatte man sich auf den „Catfight“ zwischen Tigern und Panthern gefreut, während in Augsburg daran erinnert wurde, dass das ehemalige Reichenberg eine der Partnerstädte Augsburgs ist. Die Reise dorthin gestaltet sich ungleich einfacher, statt an den äußeren Rändern, misst man sich im Oktober im Herzen Europas. Das ist sowohl für die Teams als auch die Fans relativ leicht mit Bussen zu erreichen, wenn auch die Spiele unter der Woche stattfinden. Liberec setzt wie Luleå hauptsächlich auf einheimische Spieler: Mit Tyler Redenbach und Tyler Doherty spielen zwei Kanadier für Liberec, mit Libor Hudacek und Patrick Meier kommen zwei Slowaken dazu – alle anderen Spieler des tschechischen Vizemeisters sind Tschechen.

Um in die KO-Phase vorzustoßen muss der AEV Zweiter der Gruppe werden – eine anspruchsvolle, aber machbare Aufgabe. Gegen Belfast muss fast gewonnen und zusätzlich der ein oder andere Punkt gegen die Favoriten aus den Eishockeyländern Schweden und Tschechien eingefahren werden. Vielleicht wartet dann das östlichste Team auf den AEV: der weißrussische Meister aus Minsk.

Erstmals international: Reiselustige Fans auf Europatour

Vorerst beschränken sich viele Fans auf ein Ziel, bevorzugt wird Belfast. Hier bietet Panther Reisen, der Partner der Panther, all inclusive Reisen zu den CHL-Spielen an.
Eine Europarundreise zu den Spielen, die schnell ausgebucht war, organisiert der Erste AEV Fanclub zusammen mit Bob’s. 50 Fans starten für zwei Tage nach Belfast. Sonntagabend geht es zurück. 

Natürlich werden noch mehr Fans aus Augsburg den AEV durch Europa begleiten, die sich ihre Reiserouten und Übernachtungen individuell zusammenstellen. Ob das jetzt der sportliche Höhepunkt eines Schweden- oder Irland-Urlaubs ist oder speziell nur zu einem der beiden Spiele angereist wird, das  bleibt den vielen Groundhoppern selbst überlassen.
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