FC Augsburg verliert einen denkwürdigen Pokalfight

Fans und Mannschaft gaben alles doch der Traum vom Halbfinale platzte in der Verlängerung (Foto: Alexander Heinle)

Im Viertelfinale des DFB- Pokals traf der FC Augsburg auf RB Leipzig und es sollte eine packende Pokalnacht werden, mit dem besseren Ende für die Sachsen. RB Leipzig war in der ersten Hälfte die klar spielerisch bessere Mannschaft vor allem in der ersten Viertelstunde. Doch Augsburg kämpfte toll dagegen und kam immer besser ins Spiel. Nach einer torlosen ersten Halbzeit brachte schließlich Nationalspieler Werner (74.) die Bullen in Führung. Doch die Augsburger konnten noch wortwörtlich in der aller letzten Sekunde mit Joker Finnbogason (94.) zurückschlagen. Es ging in die Verlängerung, die schließlich per Elfmeter von Halstenberg (121.), nach einem Aussetzer von Gregoritsch, entschieden wurde.

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FCA Trainer Manuel Baum wechselte nach der schwachen Vorstellung in Nürnberg nur auf zwei Positionen. Für Ji und Finnbogason rutschten Teigl und Richter in die Startelf.
Hingegen rotierte der Trainer der Leipziger auf vier Positionen. Für Mukiele, Adams, Haidara und Forsberg, die gegen Hertha noch den Vorzug erhalten hatten, kamen Laimer, Demme, Sabitzer und Bruma zum Zug.
Bereits vor dem Spiel heizten die 25.263 Zuschauer die Mannschaften auf. Beindruckend war auf Seiten des FCA-Fans die Coreographie in Anlehnung an die Augsburger Puppenkiste.

Leipzig mit mehr Struktur und Sabitzer im Glück

Gleich vom Anstoß aus an versuchte Leipzig das Spiel im Mittelfeld zu kontrollieren und nahm das Zepter in der Hand. Augsburg verteidigte tief mit einer Fünferkette wenn Leipzig in Ballbesitz war. Schon früh war klar, dass beide Mannschaften voreinander großen Respekt hatten. Beide Spiele in der Bundesliga waren mit 0-0 ausgegangen. Trotz der klaren spielerischen Überlegenheit der ersten Viertelstunde für die Sachsen, kam es nicht zu zwingenden Torabschlüssen. Den ersten Torschuss hatte Philipp Max. Er verfehlte aber knapp das Ziel (6.). Doch in der 7. Minute kam es zu der ersten strittigen Situation. Sabitzer und Max kamen aneinander an der Außenlinie. Der Fuggerstädter wurde klar mit einem Ellenbogenschlag niedergestreckt. Zum Unverständnis aller Zuschauer beließ es Schiedsrichter Tobias Stieler bei einer Ermahnung und auch der Videoschiedsrichter griff nicht ein. Für die Augsburger Bank war dies eine klare Fehlentscheidung, da es sich um eine Tätlichkeit handelte.
Nach der strittigen Situation hatte RB Leipzig eine gute Chance zur Führung mit Bruma (14.). Doch dieser wurde noch in letzter Sekunde entscheidend von Khedira gestört. Danach konnte der FCA das Spielgeschehen weitestgehend vom eigenen Tor fernhalten und kam mit Richter (24.) und Max (26.) zu Abschlüssen. Das Blatt hatte sich gewendet und Augsburg hatte über den Kampf ins Spiel gefunden. Doch in der 30. Minute hatte Andre Hahn einen Blackout, den zum Glück die Leipziger nicht nutzen konnten. Sein Rückpass zu Kobel war deutlich zu kurz geraten. Der lauernde Werner umkurvte den FCA-Keeper links am Strafraum, konnte aber den Ball aber nicht aufs Tor bringen, der dann schlussendlich noch von Khedira geklärt wurde.
Auch Augsburg kam zu einer Chance nach einem Abwehrfehler von Bruma. Dessen verunglückte Kopfballabwehr landet genau zu Gregoritsch der nicht lange fackelt und direkt abschließt. Doch der Schuss des Österreichers landet genau in den Armen von RB Keeper Gulacsi.
Danach trumpften beide Defensivabteilungen auf. Keine der beiden Mannschaften gelang ein sauberer Abschluss mehr. Einzige letzte Chance in der ersten Halbzeit hatte Kampl (43.) Doch beide seine Versuche fanden nicht den Weg zum Tor.

Zweite strittige Szene

Die zweite Halbzeit begann dort, wo die erste aufgehört hatte. Viele Zweikämpfe und ein Abnutzungskampf im Mittelfeld. Dort versuchte der FCA weiterhin Leipzig zu ärgern. In der 57. Minute kam es zur nächsten strittigen Szene. Ein langer, öffnender Pass von Gouweleeuw auf die linke Diagonale wurde von Richter angenommen, der alleine aufs Leipziger Tor enteilte. Doch diese Großchance, die eventuell ein Dosenöffner hätte sein können, wurde wegen Abseits zurückgepfiffen. Eine Fehlentscheidung ! Unverständlich vor allem wenn man bedenkt, dass es den Videoschiedsrichter gibt.
Augsburg drängte weiter auf das Leipziger Tor doch Chancen konnten sich auch die Schwaben nicht erarbeiten. Das Spiel war in der zweiten Halbzeit deutlich zerfahrener und durch viele Unterbrechungen (fouls) geprägt. Die Zweikämpfe wurden hart aber nicht überhart geführt, so dass der Schiedsrichter nur selten zum Karton greifen musste.
In diesem Abschnitt versuchte Augsburg mehr nach vorne und zeigte sich mit Richter(73.). Doch er scheiterte aus spitzem Winkel an den Keeper der Gäste.

Führung aus dem Nichts

Während Augsburg mutiger wurde, schlug Leipzig eiskalt zu (74.). Nach einem Ballverlust in der Offensive schaltete Haidara schnell. Sein Steilpass zu Werner, der das Laufduell gegen Danso gewann, veredelte der Stürmer im Fallen an Keeper Kobel vorbei zum 1:0.
Augsburg steckte nicht auf und drängte sofort zum Ausgleich. Die Riesenchance bot sich Khedira bereits in der 76. Minute. Khedira nutzte einen Abpraller nach einem Zweikampf im Strafraum zur Direktabnahme aus gut zehn Metern. Sein Schuss wurde aber von Gulacsi glänzend pariert. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Angriffe von Augsburg unpräziser und die Kräfte der Spieler schwanden. Immer wieder versuchte es Richter, der ein gutes Spiel ablieferte, mit seinen Flanken über links Als sich schon viele mit der drohenden Niederlage abgefunden hatten stach der Joker.
Torjäger Alfred Finnbogason spitzelte eine Richter-Flanke ins kurze Eck in der allerletzten Sekunde (90. +4).

Verlängerung

In der Verlängerung wirkten die Schwaben platt. Sie hatten während des Spiels viel Kraft verbraucht. RB Leipzig wirkte frischer und schnürte die Schwaben ein. Trotz der Überlegenheit gab es für die Leipziger kaum ein Durchkommen, so dass der einzige gefährliche Abschluss in der Verlängerung Finnbogason (109.) hatte.
Die letzten Aufreger waren wegen zwei strittigen Szenen im Strafraum. Cunha fiel im Zweikampf mit Danso im Strafraum, doch die Pfeife von Referee Tobias Stieler blieb stumm (115.). Zu wenig für ein Elfmeter. Wenig später reklamierten die Sachsen wegen ein Handspiel im Augsburger Strafraum. Der Schiedsrichter im Zusammenspiel mit dem Videoschiedsrichter entschied: Kein Elfmeter.
Als alle bereits fest mit dem Elfmeterschießen rechneten, hatte Gregoritsch in der letzten Minute der Verlängerung einen Blackout. Nach einem Freistoß von der rechten Seite ging Gregoritsch völlig unnötig mit der Hand zur Flanke. Leider blieb Halstenberg vom Punkt eiskalt und verwandelte den fälligen Strafstoß. Dies war auch die Entscheidung und RB Leipzig zieht zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Halbfinale.

Nach dem Spiel kam es auf dem Spielfeld noch zu Tumulten. Dabei entpuppten sich die Leipziger als schlechte Gewinner, da von der Gästebank mehrere Provokationen ausgingen. Nach dem Spiel sagte Stefan Reuter zu dem Vorfall mit Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff: “Anstatt dass er sich mit seiner Mannschaft freut, kommt er in unsere Coaching-Zone. Was der sich rausnimmt, ist eine Frechheit und an Arroganz und Unverschämtheit nicht zu überbieten".
Für Leipzig geht die Reise im DFB-Pokal weiter. Ihr Gegner wird am 07. April ausgelost. Zunächst geht es aber in der Bundesliga weiter. Der FCA spielt auswärts bei der TSG Hoffenheim, während RB Leipzig am Samstag auswärts bei Bayer 04 Leverkusen um die Champions League spielt.
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Jens Spitzner aus Augsburg - City | 03.04.2019 | 15:30  
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