FC Augsburg verliert Wahnsinns-Krimi in Dortmund

Manuel Baum lebte in der Coaching-Zone das Pressing seiner Mannschaft vor. Wieder und wieder dirigierte er seine Spieler nach vorne. (Foto: Alexander Heinle)

Da muss man erst einmal wieder zu Atem kommen. Das waren mit Nachspielzeit knapp 100 Minuten Fußball mit Herz, Leidenschaft und packenden Torraumszenen. Das war das beste Spiel der aktuellen Bundesligasaison. Nach dem Abpfiff lagen und saßen die Manuel Baums Mannen fassungslos auf dem Rasen. Zu turbulent, zu aufreibend und am Ende so ungerecht ist Fußball. Mit der letzten Aktion des Spiels in der 6. Minute der Nachspielzeit traf Dortmunds Paco Alcácer per Freistoß direkt in das Augsburger Herz und der Tabellenführer siegte doch noch mit 4:3.

Was sagen Statistiken über das Spiel?

Wie fasst man diese Partie zusammen? Man könnte die Fakten aufzählen: Zwölf Mal schossen beide Teams aufs Tor (FCA 5), 15 Ecken gab es (FCA 6) und 231 Kilometer (117  bei Augsburg) vollgepackt mit Sprints (500 gesamt – 264 bei Baums Mannen), Läufen und Zweikämpfen  musste der Rasen aushalten. Bei der Passquote (87,6 % / 74 %), Zweikämpfen (54,72 %) und Ballbesitz (62,6 %) hatte der BVB als Tabellenführer im Spiel gegen den 8. die Nase vorne. Doch diese Statistiken zeigen nicht mit wie viel Leidenschaft die Fuggerstädter auftraten, wie packend und spannend das Spiel war.

Das Bruderduell

Zum ersten Mal überhaupt standen sich Mario Götze (BVB) und sein jüngerer Bruder Felix (FCA – eingewechselt für den gelb-rot gefährdeten Daniel Baier in der 66.) in der Bundesliga auf dem Platz gegenüber. Doch zuerst einmal mussten beide auf der Bank platznehmen. Das war beim BVB überraschender als beim FCA. Denn Deutschlands WM-Held Mario Götze feierte bei seiner Hereinnahme für Julian Weigl (77. Minute) sein Bundesliga-Saison-Debüt. Nur sieben Minuten später entwischte Mario seinem Bewacher Jan Moravek und brachte den BVB, nach einem Diagonalpass in den Strafraum von Achraf Hakimi, mit seinem ersten Saisontor zum ersten Mal mit 3:2 in Führung. Das hätte die Geschichte des Spiels sein können, hätte nicht Michael Gregoritsch drei Minuten später per Kopf den Ausgleich erzielt.

Alcácer kam, sah und siegte

So war es Paco Alcácer der den Schlusspunkt der Partie setzte und was für einen. Drei Tore, sechs Torschüsse und 100 Prozent gewonnener Zweikämpfe in 36 Minuten sind der überragende Arbeitsnachweis des Spaniers. Mit seinem ersten Ballkontakt nach seiner Einwechslung (62. Minute), einem Tor in der 80 Minute und der letzten Aktion des Spiels in der 96. Minute ballerte sich der Torjäger den Bankfrust mit einem Hattrick von der Seele und machte so den kleinen, aber am Ende doch entscheidenden Unterschied.

Fußball mit Herz, Leidenschaft und Plan

Sie wollten mit „Leidenschaft und Offensivgeist“ in Dortmund auftreten, so Augsburgs Trainer Manuel Baum vor der Partie. Sein Team setzte die Marschroute während des gesamten Spiels um und setzte die Dortmunder von der ersten Minute an unter Druck. Bereits nach drei Minuten stand es 3:0 nach Ecken für den FCA. Auch die erste Torchance ging auf Augsburgs Konto. André Hahn zwang nach neun Minuten aus spitzem Winkel Dortmunds Keeper Roman Bürki zu einer Fußabwehr.

Folgerichtig ging Augsburg nach einem Freistoß in der 22. Minute in Führung. Zagadou konnte den hohen Ball nicht klären. Die Kugel fiel im Fünfmeterraum zu Boden, Finnbogason reagierte am schnellsten und schob Bürki den Ball durch die Beine.
Augsburg zwang dem Gegner sein Spiel auf und verwickelte die Dortmunder in zehn Eins- gegen Eins-Duelle. Auf Balleroberung folgte der Konter. Der Konter mündete in die nächste Balleroberung und den nächsten Konter. So ging es die ganzen insgesamt 108 Minuten rauf und runter – nur unterbrochen durch die Tore und die zahlreichen Fouls.

Gegen das permanente Augsburger Pressing und die Körperlichkeit setzte der BVB in der zweiten Halbzeit seine spielerische Klasse. Die Einwechslungen von Paco Alcácer und Mario Götze hoben das Spiel auf ein anderes Level. Zwei Minuten nach seiner Einwechslung stach Joker Paco Alcácer mit seinem ersten Ballkontakt zum ersten Mal. Witsels Traumpass auf den rechten Flügel brachte Sancho direkt in die Mitte und dort stand Alcácer mutterseelenallein und schob ein. Dieser One-Touch-Fußball war zu schnell für die Augsburger Hintermannschaft.

Nur eine Minute später hätte Finnbogason mit einem aufgesetzten Lattenkracher beinahe die erneute Führung erzielt. In der 69. Minute war es der heute bärenstarke Gregoritsch der für den geschlagenen Luthe rettete und nach einer Dortmunder Ecke die Kugel von der Linie kratzte. Zwei Minuten später verstolperte Caiuby die erneute Chance zur Führung nach Flanke von Framberger. Philipp Max machte es kurz darauf besser: Nach einem Ballverlust des BVB im Mittefeld, schlug Caiuby den langen Ball auf rechts. Diallo verteidigte zu zögerlich gegen Finnbogason, dessen Flanke verlängerte Hahn etwas glücklich an den langen Pfosten und dort stand Max und vollendete in echter Goalgetter Manier.

Etwas zu schläfrig agierte Augsburg in der 80. Minute, als Dortmund den Freistoß schnell ausgeführte. Alcácer nahm den in den Strafraum gelupften Ball auf halbrechts direkt und machte seinen zweiten Treffer. In der 84. Minute dann die erstmalige Dortmunder Führung durch Mario Götze.

Alle die das Spiel verfolgten stellten sich die Frage: Können die Augsburger nochmal die Kraft aufbringen und zurückschlagen? Ja, sie konnten. Nach einer Ecke für den FCA ist es Gregoritsch, der am höchsten zum Kopfball stieg. Bürki war noch dran, konnte den Ball aber nicht halten. 3:3. Doch auch Dortmund hatte noch einmal die Kraft zurückzuschlagen.

Das bisher beste Spiel der Saison

Was für ein sensationelles Fußballspiel, was für ein Finale. Der FC Augsburg hätte mindestens einen Punkt verdient gehabt, aber der BVB am Ende mit dem Punch einer Spitzenmannschaft. Alfred Finnbogason brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Wir haben super gespielt. Dortmund auch. Heute waren die Zuschauer die Gewinner.“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.