Nachwuchsarbeit bei den Augsburger Fußball-Schiris vorbildhaft

Bernhard Gutowski vom DFB-Schiedsrichter-Kompetenzteam bei seinem Besuch im Sportheim der SpVgg Bärenkeller.
 
Aufmerksamer Zuhörer des Vortrags von DFB-Vertreter Gutowski ist auch Obmann Thomas Färber (links).
Augsburg: bärenkeller | Die Schiedsrichter-Vereinigung Augsburg ist neben Schwandorf (Oberpfalz) die einzige Gruppe in Bayern, die am Patenmodell des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) teilnehmen darf. Grund dafür ist die „ausgezeichnete Nachwuchsarbeit“, die in Augsburg geleistet wird, wie Bernhard Gutowski vom DFB-Schiedsrichter-Kompetenzteam betonte. Der 54-Jährige kam vor kurzem in die Fuggerstadt, um im Sportheim der SpVgg Bärenkeller über das Patensystem zu sprechen und den Aktiven Tipps aus anderen Gruppen Deutschlands mitzugeben. 70 Unparteiische nahmen an der Abendveranstaltung teil.

Laut Gutowski werden bundesweit 8000 Fußball-Schiedsrichterinnen und -Schiedsrichter pro Jahr ausgebildet. Nach zwei Jahren bleiben nur etwa 2000 übrig. Die Gründe für den Schwund sind vielschichtig: Aggressionen und Drohungen auf dem Sportplatz, berufliche und familiäre Gründe, Überangebot an Freizeitangeboten. Manche Aktiven, die anfangs betreut werden, fallen durchs Raster. Sie pfeifen in der ersten Zeit ihre Spiele, verlieren dann die Lust und hören auf. Das soll sich ändern.

Mit einem neuen Betreuungs- und Patenmodell wollen der DFB und seine Gruppen die Schiedsrichter an der Basis binden und motivieren. Der Vertreter des DFB-Lehrstabs, der sich nun „Kompetenzteam“ nennt, gab als Ziel an, dass künftig 4000 von 7000 ausgebildeten Fußball-Schiris in der Bundesrepublik erhalten bleiben. „Das bedeutet ein Plus an Schiedsrichtern und an Qualität“, so der ehemalige Spieler und Trainer aus dem Landkreis Lindau, der seit 40 Jahren Schiedsrichter ist.

Wichtig für die erfolgreiche Entwicklung eines Unparteiischen sind Sozial-, Fach- und Methodenkompetenz. „Keine Fachlichkeit, und sei sie noch so hoch qualifiziert, kann eine grundsätzlich positive Einstellung zu Menschen ersetzen, die sich in Sprache und Verhalten ausdrückt“, sagte Gutowski. Deshalb sei eine gute Ausbildung des Paten Grundvoraussetzung. Dieser soll den Neuling aktiv begleiten und ihm rund ums Spiel Hilfe bei der Administration anbieten. Parallel sollte der Nachwuchs-Referee an ein Schiedsrichter-Team angebunden werden. Auf diesem Weg könne er in der Praxis lernen und werde motiviert, deren Spielklasse auch mal erreichen zu wollen. Weitere Eckpunkte des Patensystems sind: Einstiegsinterview mit dem Neuling, Administratives „eindampfen“, Theorie aufs Wesentliche verkürzen, um ihn nicht mit Aufgaben zu überfrachten und somit abzuschrecken.

„Vieles läuft hier dank der guten Führung schon unwahrscheinlich gut“, führte Gutowski lobend an. Der DFB-Vertreter nannte die Nachwuchsarbeit in Augsburg ein „Vorzeigemodell“. Dazu gehört zum Beispiel, dass im Jugendbereich eine eigene Staffel bereit gestellt wird, in der mit Unterstützung der Vereine ausschließlich Neulinge zum Einsatz kommen. Die hohe Qualität, die inzwischen erreicht wurde, zeigt sich auch in der Zahl der qualifizierten Augsburger Schiris: 18 von ihnen sind ab der Spielzeit 2018/19 in der Bezirksliga und höher eingestuft.

Das Patensystem läuft bereits seit November 2016 im Hintergrund. Seitdem tauschen sich acht Schiedsrichtergruppen in Deutschland, die an dem Pilotprojekt beteiligt sind, regelmäßig aus. Im November sollen die Ergebnisse aus den einzelnen Regionen bei einer Lehrwarte-Tagung präsentiert werden. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu erarbeiten, die auf alle Schiedsrichtergruppen in Deutschland übertragbar sind und ihnen die Nachwuchsarbeit erleichtern sollen.
„Ich finde toll, dass die Arbeit, die über Jahre gemacht wird, anerkannt wird. Wir werden weiter eng mit Euch zusammenarbeiten“, sagte Obmann Thomas Färber zum Abschluss zu seinen versammelten Referees. Referent Bernhard Gutowski überreichte er ein Geschenk.
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