Reiche Investoren im Fussball: Fluch oder Segen?

Nichts beschäftigt deutsche Fußballfans derzeit wohl so viel wie die "zunehmende Kommerzialisierung". Vereine wie RB Leipzig, 1899 Hoffenheim oder der VfL Wolfsburg werden von vielen Fußballfanatikern als "Plastikvereine" verpöhnt. 
Doch woher kommt die ganze Abneigung? Und müssen wir uns wirklich Gedanken um unser aller Lieblingssport machen?


Das Problem ist bekannt, und auch nicht nur in Deutschland präsent. In Frankreich dominiert seit Jahren Paris Saint Germain mithilfe des superreichen Scheichs Nasser Al-Khelaifi die Liga, und der englische Fußball wird soweit vermarktet, dass selbst Vereine der zweiten Liga zweistellige Millionensummen für Transfers ausgeben können.

Doch dort ist der Kommerz bereits Salonfähig, und man hört kaum von Protesten gegen den Selben auf der Insel. Hierzulande hingegen gab es bereits unzählige Medienwirksame Protestaktionen - und vor allem RB Leipzig sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Neben den z.T. unschönen, dennoch aber relativ sachlichen Spruchbändern, gab es auch Momente, als die Situation eskalierte. Man denke nur an die Angriffe von Anhängern der Borussia aus Dortmund auf eine Gruppe von RB Leipzig-Fans in der vergangenen Saison, die viel zu weit gingen, und absolut nichts mehr Protest zu tun haben, und schon gar nicht sachdienlich waren.

Der BVB machte zum Thema RB Leipzig schon oft Schlagzeilen, und dafür waren nicht nur die Fans verantwortlich. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wies schon oft fingerzeigend auf die Roten Bullen und deren Vereinsphilosophie hin.  Auf der anderen Seite äußerte sich Ralf Rangnick, Sportdirektor bei RB Leipzig Teils mit sehr scharfen Aussagen mehrmals, und sorgte damit bei vielen Fans anderer Vereine für ärger.

RB Leipzig ist nicht der einzige Fußballverein unter der Kontrolle des RedBull-Konzerns.
Neben Leipzig ist RedBull außerdem noch in Salzburg und New York prominent vertreten.
Diese Projekte sind außer Frage dazu da, um den Energydrink zu vermarkten.  Und das ist das was mich und viele andere Fußballfans so an RB stört.

Vereine wie der VfL Wolfsburg oder Bayer 04 Leverkusen mögen ebenso an den jeweiligen Konzern gebunden sein, jedoch ist die Motivation eine andere: In Leverkusen und Wolfsburg war die Vereinsgründung kein Marketinggag, sondern dazu da, einen Werksclub für die Mitarbeiter der Bayer AG in Leverkusen und des VW-Konzerns in Wolfsburg zu schaffen, als ausgleichende Maßnahme zum Arbeitsalltag der jeweiligen Mitarbeiter. Auch wenn das heute nicht mehr so ist, haben diese Vereine durch ihre Jahrzehntelange Tradition eine Daseinsberechtigung in der Bundesliga.

Dass Finanzkraft einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg im modernen Fußball ist, ist wohl kein Geheimnis, doch dass es mehr braucht als viel Geld, zeigt 1860 München. Wurden die Ambitionen vor wenigen Jahren von Investor Hassan Ismaik auf Championsleague gesetzt, verschwand der Verein jetzt im Amateurfußball.

Ismaik, der den Verein erst vor der Pleite rettete, hatte einfach kein fußballerisches Sachverständnis, und wollte den Verein alleine  kontrollieren - eine ungute Mischung. Als am Ende der Saison 2016/2017 der Sportliche Abstieg in die dritte Liga stand, weigerte sich der jordanische Investor für die Drittligalizenz zu zahlen, und so stieg der Traditionsreiche TSV 1860 München in die Regionalliga ab.

Dort wird jetzt am Wiederaufbau gearbeitet, der Verein und die Fans haben wieder ihren Frieden gefunden, und der TSV führt mit 67 Punkten und elf Punkten Vorsprung auf den zweiten, die zweite Mannschaft des Stadtrivalen Bayern München, nach 29 Spielen souverän die Regionalliga Bayern an, und die Zeichen stehen ganz auf Aufstieg, wäre da nicht die komplizierte Aufstiegsregelung, aber das ist eine andere Geschichte...

Zu Ende bleibt zu sagen: Ja, der Kommerz wird den Fußball verändern, und viele Traditionsvereine mit klammeren Kassen, werden sich wahrscheinlich nicht ewig im Oberhaus halten können. Jetzt liegt es an den Vereinen, alternativen zur Finanzierung zu finden. Wichtig hierbei  aber ist: Die Fans müssen  mit ins Boot genommen werden, denn sie sind es, die den Fußball so liebenswert machen! 
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