Rückblick: Die Chaos-Saison des FCA

Nach dem 6:0 Sieg vor heimischer Kulisse gegen den VfB Stuttgart am 30. Spieltag waren nicht nur die Fans, sondern auch die Spieler erleichtert. Der Klassenerhalt war so gut wie sicher. (Foto: Valterio D’Arcangelo)
 
Die Fans feierten den 6:0 Sieg des FCA gegen den VfB Stuttgart. (Foto: Valterio D’Arcangelo)

Lehmann und Götze auf der Gehaltsliste des FC Augsburg. Bei diesen großen Namen denken auch die weniger Fußballinteressierten an den Nationaltorwart des Sommermärchens 2006 und den WM-Helden von 2014. Allerdings fehlt es Jens Lehmann an Erfahrung auf dem Trainerposten und bei Götze handelt es sich um Felix Götze, den kleinen Bruder von Mario. Er wechselte vor dieser Saison von Rekordmeister FC Bayern München zum FC Augsburg. Weitestgehend mit dem Kader der Vorsaison begann Manuel Baum die Spielzeit 2018/19. Trotz kleiner Ärgernisse, wie die eigenmächtige Verlängerung des Sommerurlaubs von Caiuby und der Verletzung von Alfred Finnbogason, startete der FCA mit zwei Siegen und einem Unentschieden so gut wie nie zuvor in der 111-jährigen Vereinshistorie in die Saison.

Baum gab sich zuversichtlich und lobte die Transferpolitik im Vorfeld der Spielzeit: "Augsburg ist nun in der Breite gut aufgestellt und wir können uns personell besser auf den Gegner einstellen", nicht wie in der vergangenen Saison, als jeder gewusst hätte, wie der FC Augsburg spiele, sagte Baum.

Doch es kam anders.

Der gute Start wurde zunächst durch gravierende Fehler von Torhüter Fabian Giefer zunichte gemacht. Seine Patzer gegen Mainz 05 und Werder Bremen kosteten den FCA wichtige Punkte. Vor der Saison hatte er sich nach dem Abgang von Marvin Hitz den Stammplatz zwischen den Pfosten gesichert. Nach seinen schlechten Leistungen setzte Baum auf Andreas Luthe, der auswärts beim 1:1 in München seinen Einstand feierte. Den Ausgleich kurz vor Schluss erzielte übrigens Ex-Bayer Götze.

Dem FCA fehlte die Konstanz

Im Laufe der Hinrunde hatte der FCA immer mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Gegen Ende der Partien wurde die Defensivarbeit vernachlässigt und auf Sieg gespielt. Viele Spiele und noch viel mehr Punkte wurden dadurch liegengelassen. Baum sprach nach den Niederlagen von individuellen Fehlern oder suchte die Schuld bei den Unparteiischen.

Diese boten in der Saison 2018/19 allerdings ein ums andere Mal Angriffsfläche. Auch in Spielen des FCA ereigneten sich kuriose Szenen, wie beispielsweise am achten Spieltag gegen RB Leipzig. Die Partie wurde anlässlich des ersten Spiels des FC Alemannia, dem FCA-Vorgängerverein, vor 111 Jahren zum Retrospieltag mit einem Retro-Rahmenprogramm. Ironischerweise kam es nach nur wenigen Minuten im Spiel dann zu einem - ganz und gar nicht retro - Videobeweis, der knapp fünf Minuten andauerte und während dessen niemand so recht wusste, was auf dem Platz eigentlich vor sich ging. Zuerst wurde auf Elfmeter entschieden, dann abermals das Videomaterial angesehen und letztlich eine Abseitsstellung ausgemacht. Das Spiel glich im weiteren Verlauf eher einem Kampf und endete 0:0.

Ein weiteres Manko in dieser Saison: Spielten die Augsburger gegen stärkere Mannschaften wie den FC Bayern München, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund eindrucksvoll mit, hatte der FCA mit seinem "Hurra-Fußball" mit defensiv ausgerichteten Mannschaften zu kämpfen. Das aggressive Gegenpressing mit schnellen Kontern funktionierte gegen tiefstehende Bremer (0:4), Freiburger (1:5) oder Nürnberger (0:3) nicht.

Als sich dann auch noch Leistungsträger Martin Hinteregger kritisch über Manuel Baum äußerte, war die Krise perfekt. Der Innenverteidiger sagte in einem TV-Interview über Baum: "Die Abwärtsspirale geht jetzt schon ein Jahr. Das ganze Jahr 2018 ist die Kurve eigentlich schon nach unten gegangen. Ich kann nichts Positives über ihn sagen - und werde auch nichts Negatives sagen." Der Österreicher wurde daraufhin suspendiert und kurz vor Ende des Winter-Transferfensters nach Frankfurt ausgeliehen. Dort wurde er durch konstant gute Leistung innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling samt eigenem Fan-Song.

Jens Lehmann sollte es richten

Neben ihm musste auch der Brasilianer Caiuby Augsburg verlassen. Er wechselte auf Leihbasis zu den Grasshopper Zürich, nachdem er das Trainingslager des FCA in der Winterpause verpasst hatte und auch noch während der ersten Spiele der Rückrunde in seiner Heimat Brasilien weilte.

Beide Unruhestifter kehren am Ende der Saison erstmals wieder nach Augsburg zurück. Hinteregger betonte nun allerdings, dass er in Frankfurt bleiben wolle und sprach von der "geilsten Phase seiner Karriere".

Für den nötigen Rückhalt im Tor sollte ab der Winterpause der von Hoffenheim ausgeliehene 21-jährige Gregor Kobel sorgen. Um zudem die Defensive in den Griff zu bekommen, verpflichtete der FC Augsburg Jens Lehmann als Co-Trainer.

Der 49-Jährige sollte sich um die Defensive kümmern. Das klappte offenkundig nicht so gut, wie es sich die Verantwortlichen erhofft hatten.

"Wir hatten keine Ahnung, was wir machen."

Nach den hohen Niederlagen gegen Bremen, Freiburg und Nürnberg folgte die 0:4-Pleite gegen die TSG Hoffenheim. Die Mannschaft wirkte planlos. Mehrmals stellte Baum das System um. Verteidiger Jeffrey Gouweleeuw sagte nach dem Spiel: "Wir hatten von Anfang an keine Ahnung, was wir machen. Ich hatte auf dem Platz nie das Gefühl, dass wir etwas erreichen können." Erneute Kritik eines Leistungsträgers am Trainer.

Und der Verein reagierte. Manuel Baum und Jens Lehmann, der erst Ende Januar kam, mussten Anfang April gehen. Obendrein trennte sich der FCA von dem technischen Direktor Stephan Schwarz. Er war unter anderem für die Kaderplanung zuständig. Offenbar teilten die FCA-Verantwortlichen Baums Einschätzung vom Saisonbeginn nun nicht mehr, dass der Kader breit genug aufgestellt sei.

Den FC Augsburg vor dem Abstieg bewahren sollte der 52-jährige Schweizer Martin Schmidt. Er trainierte bereits den FSV Mainz 05 und den VfL Wolfsburg. Seinen Einstand in Augsburg gab er gegen Champions-League-Aspirant Eintracht Frankfurt. Bei dem 3:1-Auswärtssieg war die Mannschaft kaum wiederzuerkennen.

Der frisch entfachte Konkurrenzkampf nach dem Trainerwechsel sorgte dafür, dass sich alle Spieler neu beweisen wollten und munter aufspielten. U21-Nationalspieler und FCA-Talent Marco Richter war der Gewinner des Trainerwechsels. Mit zwei Toren in Frankfurt und einer starken Leistung mit ebenfalls zwei Treffern zu Hause gegen den Konkurrenten im Abstiegskampf VfB Stuttgart war er maßgeblich für den Klassenerhalt des FCA.

Neuer Chefscout vom FC Bayern München verpflichtet

Die Planungen für die kommende neunte Spielzeit der Augsburger in der ersten Fußballbundesliga haben bereits begonnen. Der 26-jährige Timon Pauls wurde Ende April als neuer Kaderplaner und Chef-scout verpflichtet. Zuvor war er Spielerbeobachter im Nachwuchs des FC Bayern München und für die Top-Talente zuständig.

Vor dem letzten Heimspiel am vergangenen Wochenende gegen Hertha BSC Berlin wurden bereits Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Christoph Janker (Vertrag läuft jeweils aus) und Dong-won Ji verabschiedet. Ji wechselt innerhalb der Liga nach Mainz.

Am letzten Spieltag ist der FC Augsburg am Samstag in Wolfsburg zu Gast. Eventuell gibt Schmidt fast vergessenen Spielern wie Georg Teigl gegen Berlin wieder eine Chance, sich zu beweisen und herauszufinden, wen er für die kommende Saison brauchen kann. Der FCA muss im Hinblick auf die nächste Spielzeit an seiner Konstanz arbeiten. Wöchentlich schwankten die Leistungen zwischen hohen Niederlagen gegen vermeintlich schwache Gegner und knappen Spielen gegen stärkere Mannschaften wie Bayern und im Pokal-Viertelfinale gegen RB Leipzig.

Der FC Augsburg hatte in diesem Jahr Glück, dass die teils desolate Leistung nicht bestraft wurde, denn mit Hannover, Nürnberg und Stuttgart gab es drei Mannschaften, die noch schlechter waren.

Die große Saison trotz der großen Namen blieb heuer aus.
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