Slapstick statt Slapshot: Das war’s wohl mit den Playoffs

Bei Olympischen Spielen erhalten nur die Spieler Medaillen, deshalb überreichte der AEV (Sportdirektor Duanne Moeser und Gesellschafter Martin Horber) seinem "Silber-Panther" Marco Nachrichter vor dem Spiel ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Denn Nachrichter ist nicht nur fürs Equipment der Panther zuständig, sondern versorgt auch das DEB-Team mit den richtigen Schlägern, Schlitt- und Handschuhen.
 
Direkt nach der Ehrung fand man Marco Nachrichter sofort wieder an seinem Arbeitsplatz hinter der Bande, wo er sich um die Schläger der Panther kümmerte.
Augsburg: Curt-Frenzel-Stadion |

Wer olympisches Hockey gewohnt war, mit konzentrierter Abwehrarbeit und regelkundigen Schiedsrichtern, der war am Mittwochabend im Curt-Frenzel-Stadion am falschen Ort. Es gab desolate Abwehrleistungen auf beiden Seiten, Strafzeiten en masse, absurde Fehlentscheidungen, elf Tore und den seltenen Fall, dass man auch auf der Strafbank ein Spiel gewinnen kann: Neutrale Zuschauer wurden gut unterhalten und die Fischtown Pinguins mitsamt Anhang konnten sich freuen über die Playoff-Qualifikation nach dem 6:5-Sieg über die Augsburger Panther. Für die muss jetzt bei weiterhin fünf Punkten Rückstand und nur noch sechs zu vergebenden Punkten alles perfekt laufen um Platz 10 noch zu erreichen.

Dabei ging das Spiel gut los für den AEV, Pöpperle im Kasten des REV wurde gleich mit Schüssen eingedeckt, die ersten beiden Tore fielen trotzdem gegenüber. Bremerhavens Moore nutzte die erste Powerplay-Gelegenheit zur Führung (7. Min.) und legte in der 9. Minute trotz Unterzahl nach. Gut, dass Thomas Holzmann während desselben AEV-Powerplays noch der Anschluss gelang, schlecht, dass während des restlichen ersten Drittel nur noch der Ausgleich für Augsburg fiel: Bei einem Schussverhältnis von 23:8 sollte mehr rausspringen als Guentzels Ausgleich. Auch der war bei zahlenmäßiger Überlegenheit gefallen – angesichts der Strafenflut war ein Treffer bei fünf gegen fünf schier unmöglich.

Volle Strafbänke, viele Tore

Die beiden Schiedsrichter blieben auch im Mitteldrittel bei ihrer kleinlichen und oft falschen Regelauslegung, doch für den nächsten Treffer benötigten die Norddeutschen keine schwarz-weiße Unterstützung, Jordan Owens 3:2 war das erste und einzige reguläre Tor bei equal strenth (22. Min.) Zwei Minuten darauf, beim 4:2 durch Wade Bergman, saß Scott Valentine ein Augsburger auf dem Sünderbänkchen, in der 25. Minute beim 5:2 war es Jordan Samuels-Thomas, der für die AEV-Unterzahl sorgte und Kris Newbury, der für die Pinguins traf.

Simons Sezemsky (27. Min.) und Trevor Parkes (32. Min.) machten das Spiel wieder spannend, nach gut der Hälfte des Spiels war der AEV bis auf ein Tor rangekommen. Übermotiviert checkte der Gerade-noch-Torschütze während seines nächsten Wechsels Jensen in die Bande, der daraufhin erst einmal liegen blieb, von einer Betreuerin in die Kabine begleitet wurde und, nach zwei ausgesprochenen Strafminuten gegen Parkes wütend aufs Eis zurück stürmte. Er schimpfte, zeigte auf seinen plötzlich blutenden Kopf und forderte eine große Strafe gegen den Augsburger – die die Schiedsrichter dann aussprachen. Unabhängig vom Foul begünstigt eine solche Vorgehensweise Reaktionen, die man beim Eishockey sonst nicht kennt, sondern beim Fußball verabscheut: Was, wenn das Schule macht? Wenn jedes Team ein Fläschchen Theaterblut in der Kabine aufbewahrt?

Schiedsrichter mit Jetlag?

Der AEV musste sich – die Schiedsrichter blieben weiter ihrer harten Linie treu – nur eine gute Minute der nordischen Überzahl erwehren, dann foulte Urbas abseits des Geschehens und bekam zwei Minuten aufgebrummt. Es folgten zwei Minuten vier gegen vier, den vielen Platz auf dem Eis nutzte Jason Bast und dengelte den Puck mit gestrecktem Bein ins Tor. Selten sah das Curt-Frenzel-Stadion ein klareres Schlittschuhtor, selten waren sich Fans, Spieler und auch die Fernsehkommentatoren so einig: Der Treffer durfte niemals zählen. Zwei kamen nach langem und intensivem Fernsehstudium zum anderen Schluss: „We have a good goal!“ meinten André Schrader und Mark Lemelin – hätte letzterer sein vorheriges Spiel ebenso geleitet wie Augsburg gegen Bremerhaven, die Eishockeywelt würde nach einem internationalen Skandalspiel noch lange diskutieren: Lemelin hatte am Sonntagmorgen das olympische Finale gepfiffen.

Die paar mitgereisten Bremerhavener  bejubelten die ausgleichende Ungerechtigkeit (im ersten Drittel hatte ein korrektes Tor für Bremerhaven nicht gezählt), die restlichen der 4447 Anwesenden schüttelten fassungslos die Köpfe, pfiffen oder brüllten – vergeblich, diese Fehlentscheidung nahmen die beiden nicht zurück, es ging mit 4:6 in den Schlussabschnitt. Dort wurde weiter gefoult und weiter des Eises verwiesen und Jaroslav Hafenrichter gelang elf Minuten vor dem Ende der erneute Anschluss. Natürlich im Powerplay, auch der fünfte AEV-Treffer fiel bei Überzahl. Weiter wollten die Schiedsrichter wohl nicht mehr allzu sehr ins Geschehen eingreifen, bei zwei Fouls an Aleks Polaczek innerhalb von Sekunden bemerkten sie nur eins und schickten Polo wegen angeblicher Schwalbe mit auf die Strafbank. Statt fast zwei Minuten fünf gegen drei durften die Panther weiter nur zu viert angreifen, da hierbei ausnahmsweise nicht reüssiert werden konnte blieb es bis zum Schluss beim 5:6.

Kommt es am Sonntag zum Endspiel gegen Mannheim?

Am Freitag in Wolfsburg und am Sonntag um 14 Uhr gegen Mannheim muss jetzt gewonnen werden, gleichzeitig darf Schwenningen keinen Punkt mehr holen und die DEG höchstens zwei – nur dann schafft es der AEV noch in die Playoffs.
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