Mit dem Akkordeon ins Altersheim

Karlheinz Häring und sein Akkordeon.

86-Jähriger spielt wöchentlich und ehrenamtlich im Seniorenwohnen Haunstetten.

Wenn Karlheinz Häring sein Akkordeon in den Koffer packt und sich zu Fuß auf den Weg macht, wird er schon sehnsüchtig erwartet. Der 86-jährige Musiker spielt Mittwoch nachmittags im Seniorenwohnen Augsburg-Haunstetten Volkslieder und ein bisschen Schlager. Er gehört, wie zwölf andere Rentner, zu den Ehrenamtlichen, die sich im örtlichen Pflegeheim oft mehrmals die Woche einbringen.


Weil Häring schon als Steppke im zweiten Weltkrieg verletzte Soldaten mit der Ziehharmonika aufgemuntert hat, sind ihm die alten Weisen vertraut, die die Bewohner des Seniorenwohnens so lieben: „Am Brunnen vor dem Tore“, „Im schönsten Wiesengrund“ oder „Auf der schwäbsche Eisenbahne“ kann er ohne Noten spielen – lesen hat er sie sowieso nie gelernt. „Aber alles, was ich singen kann, kann ich auch auf dem Akkordeon begleiten“, erklärt der rüstige Senior verschmitzt.

Eigentlich ist er Jazz-Anhänger. Den spielt er zuhause für sich am elektronischen Klavier. Doch mittwochs ab 15 Uhr heißt es „Musikstunde im Seniorenwohnen“. Bis zu 20 Zuhörer und Mitsänger sitzen dann in der Runde. Viele der Bewohner freuen sich auf den Besuch des Musikers. Gesang und Akkordeonklänge lassen sie erinnern, an die eigene Kindheit und Jugend. So ist das gemeinsame Musizieren auch wichtige Erinnerungsarbeit von der sogar Häring profitiert. „Ich bekomme jedes Mal ein Lächeln geschenkt und spüre, wie sehr sich die Menschen freuen, wenn ich ins Haus komme“, so der Musiker, dessen Mutter bis vor acht Jahren in der sozialen Einrichtung lebte. Der Sohn besuchte seine Mutter fast täglich und ging mit ihr in den Garten. „Damals ist die Idee geboren, ab und zu im Haus zu musizieren“, erinnert sich Häring. Seither wird gemeinsam gesungen und gelacht.

Damit das klappt, haben die Mitarbeiter der sozialen Betreuung eigene Singhefte gedruckt und gebunden. Im Din-A4-Format mit großer Schrift erleichtern die Sonderdrucke das Lesen und Singen. 30 Lieder sind es, die Häring in fast immer gleicher Reihenfolge spielt. Darunter auch den Tango La Paloma oder Hits von Schlagersänger Roy Black. Langeweile kommt ihm dabei nicht auf. Im Gegenteil. „Alles auswendig zu spielen, ist Fingertraining und gut für die grauen Zellen“, lacht der engagierte Endachtziger, der früher als Ingenieur gearbeitet hat.
Nach gut 45 Minuten ist die Musikstunde vorbei und Häring blickt in viele glückliche Gesichter. Meist werden nur die ersten beiden Verse gesungen, damit es kurzweilig bleibt. Die Ziehharmonika wandert zurück in den Koffer und der Unterhalter macht sich auf den Heimweg. Bis es in einer Woche wieder heißt: Musik ist Trumpf.
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