Mithras-Heiligtum öffnet wieder

Das Mithraeum im Fackelschein
Mithras – Heiligtum öffnet wieder
Sie liegt noch wie vor fast 2000 Jahren auf dem Boden des Städtischen Friedhofs in Königsbrunn, die steinerne Türschwelle. Ganz abgewetzt ist sie von vielen römischen Sandalen – allerdings ausschließlich männlichem Schuhwerk, denn Frauen war es streng verboten, diese Tür zu durchschreiten. Auch die Scharniere der schweren doppelflügeligen Holztüre haben ihre Spuren im Stein hinterlassen.
Wer heute über diese Schwelle blickt, entdeckt dahinter Mauerreste aus Tuffstein, die mehrere Räume eines Gebäudes abbilden. Ein moderner Schutzbau mit gewölbtem Dach umgibt diese Mauern.
Welche Geschichte aber verbirgt sich hinter diesem archäologischen Denkmal aus der Römerzeit?
Das Voralpenland bis zum Limes gehörte in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt zur römischen Provinz Raetien. Unser rätselhaftes Gebäude liegt nahe der Via Claudia Augusta, auf der Soldaten, Kaufleute und Vergnügungsreisende zwischen dem Süden und der prächtigen Stadt Aelia Augusta (heute Augsburg) unterwegs waren.
Wer damals diesen Bau betrat, war ein Anhänger des im Römischen Reich verbreiteten Mysterien – Kultes um den Gott Mithras. Hier fand er ein Heiligtum, in dem er mit Gleichgesinnten seinen Glauben praktizieren, die sieben Weihestufen durchlaufen und an geheimen Riten teilnehmen konnte.
Die Mauerreste waren schon 1976/77 vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege freigelegt und dokumentiert, dann aber wieder zugeschüttet worden, da man ihre besondere Bedeutung nicht erkannte. Als Wissenschaftler von der Augsburger Stadtarchäologie 1994 eine Zeichnung zu Gesicht bekamen, stellten sie aufgrund von Vergleichsfunden fest: Hier verbirgt sich unter der Erde ein Mithraeum, das einzige, das im heutigen Bayern erhalten hat. Die Mauern wurden wieder freigelegt und mit einem Schutzbau versehen, um dieses herausragende Denkmal zu bewahren und für Interessierte zugänglich zu machen.
Wer jetzt neugierig geworden ist, kann ab Sonntag, dem 25. März, an jedem 4. Sonntag im Monat von 14 – 16 Uhr an einer Führung teilnehmen. Mitglieder des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte erzählen die Grabungsgeschichte des Mithraeums, wie es im Inneren aussah, was wir über den Mithras – Kult wissen, wie astronomische Erkenntnisse seine Entstehung mitbestimmten, welche erstaunlichen Parallelen zum Christentum es gibt, und vieles mehr.
Weitere Informationen können beim Königsbrunner Kulturbüro www.koenigsbrunn.de, Tel.08231/606260) erfragt werden. Dort kann man auch individuelle Gruppenführungen und Veranstaltungen bei Fackelschein (nach Einbruch der Dämmerung, mit römischem Wein, Musik etc.) buchen.
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Markus Höck aus Augsburg - City | 10.03.2018 | 12:14  
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