Visionäre Ideen: Wie der neue Stadtteil Haunstetten Südwest aussehen könnte

Nach Vorschlägen der Experten könnten Teile des neuen Quartiers schon gegen 2030 fertiggestellt werden.

Visionäre Ideen für den neuen Stadtteil Haunstetten Südwest hatte die Stadt bereits nach dem ersten Expertenworkshop im Mai vorgestellt: Autofreie Mobilität, vertikales Grün an Hauswänden oder auf Dachflächen und eine autarke Energieversorgung erträumten sich die Experten damals unter anderem. Im zweiten Workshop haben sie einige dieser Vorschläge nun konkretisiert und neue Ideen eingebracht. Die Ergebnisse des dreitägigen Treffens stellten die Fachleute aus den Bereichen Städtebau, Freiraum, Mobilität, Energie und Klima sowie Digitalisierung am Donnerstag vor. Bis etwa 2050 soll Haunstetten Südwest gebaut werden, doch mit einigen Maßnahmen könnte auch schon in den kommenden Jahren begonnen werden.

Der Politik gaben die Experten den Impuls mit: „Losgehen tut es heute.“ Man müsse sich überlegen, wie Haunstetten schon in naher Zukunft profitieren kann, Verbesserungen im Umfeld schaffen und bereits in den kommenden zehn Jahren mit der Umsetzung beginnen.
So schlugen die Experten vor, anders als oft üblich die Landschaft zu entwickeln, bevor das Gebiet bebaut wird. Die „grün-blaue Infrastruktur“ soll die Aufenthaltsqualität im neuen Stadtteil steigern. Die Stadt könne sich aber bereits in den kommenden Jahren um die Ausrichtung der Bundesgartenschau bewerben, um sich Gelder für den Landschaftsbau im neuen Quartier zu sichern, und diese neuen Grünflächen „den Haunstettern zur Verfügung stellen, bevor die neuen Nachbarn einziehen.“

Als erster Baustein des neuen Quartiers könnte die Verbindung von Neu- und Alt-Haunstetten entstehen. In einem Teilbereich, der direkt an das heutige Haunstetten angrenzt, könnte ein urbanes Quartier gebaut werden, das „als erster Baustein bereits alle Bereiche des zukünftigen Stadtteils beinhaltet“, erklärte Dita Leyh. So könne auch die Vorfreude der Haunstetter auf den neuen Stadtteil gesteigert werden, und sie könnten früher von dem Neubaugebiet profitieren. Bis etwa 2033 könnte dieses „Impuls-Projekt“ fertiggestellt werden.

Problembereiche im aktuellen Haunstetten sind vor allem zwei große Straßen: Die vielbefahrene Königsbrunner Straße im Zentrum ist für Fußgänger schwer zu überqueren, die Inninger Straße zieht als direkte Zufahrt zur B 17 ungewollten Verkehr an. Auch im ersten Bürgerworkshop zu Haunstetten Südwest im Juli sei vor allem die Königsbrunner Straße deshalb ein großes Thema gewesen. Momentan denken Stadt und Experten darüber nach, im Zusammenhang mit dem Neubaugebiet die Linie 2 über diese Straße zu verlängern und den Autoverkehr auf zwei Spuren zu reduzieren. Allerdings könnten auch schon jetzt kurzfristige Maßnahmen ergriffen werden, um die Straße für die Bewohner attraktiver zu machen, schlugen die Experten vor: Neue Möglichkeiten zur Überquerung, Busbuchten, um den Verkehrsfluss zu beschleunigen, oder eine punktuelle Begrünung. Die Inninger Straße könnte die neue Zufahrt für Haunstetten Südwest werden und soll ebenfalls attraktiver gestaltet werden.

Einen besonderen Schwerpunkt legten die Experten im zweiten Workshop darauf, wie im neuen Stadtteil das Gefühl der Gemeinschaft gestärkt werden kann. „In einer Stadt sind immer sehr unterschiedliche Interessen vertreten, wir haben uns darum überlegt, wie wir diese wieder zusammenführen können“, erklärte Gerd Kuhn. Für ein friedliches Zusammenleben brauche es Räume – Orte der Gemeinschaft, die sich wie ein Netz über den Ortsteil verteilen. Darum soll im neuen Stadtteil idealerweise ein Teil der Flächen der Gemeinschaft zur Verfügung stehen. Auch ein klassisches Gewerbegebiet wollen die Experten verhindern, stattdessen wäre es etwa möglich, dass Unternehmen, die sich im neuen Stadtteil ansiedeln wollen, sich um ein Grundstück bewerben und gleichzeitig ein Konzept vorstellen, wie sie etwas an die Gemeinschaft zurückgeben werden – mit öffentlichen Werkstätten etwa, Ridesharing-Plätzen oder einer Kantine.

Im neuen Quartier soll auch ein Ort für Bildung und Begegnung entstehen. Die Haunstetter Johann-Strauß-Grundschule muss wohl Anfang 2020 aus Brandschutzgründen geschlossen werden. Dies sei eine Chance, ein Bildungsquartier in Haunstetten zu etablieren, meinten die Experten. Die Grundstücke der dafür vorgesehenen Fläche befänden sich auch bereits weitestgehend in öffentlicher Hand. Bis es soweit ist, könne ein temporäres Schulgebäude errichtet werden. Die Planungen für diesen neuen Begegnungsort könnten bereits 2020 beginnen.

Im neuen Quartier sollen zukünftig bis zu 10 000 Leute leben können und etwa 5000 Arbeitsplätze geschaffen werden. 180 Hektar stehen dafür im Südwesten Haunstettens zur Verfügung. Die Vorschläge der Experten werden wohl auch ein Teil der Ausschreibung sein, wenn Anfang kommenden Jahres der Wettbewerb zur Planung des neuen Quartiers startet. Harte Anforderungen soll es im ersten Schritt nicht geben, dafür viel Spielraum für Kreativität, auch um den Wettbewerb für die Unternehmen attraktiver zu machen. Dessen Ergebnisse sollen bis Ende 2019 vorliegen, erst dann wird sich zeigen, wie die Struktur des neuen Quartiers tatsächlich aussehen wird.
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Katharina Wieser aus Augsburg - City | 14.10.2018 | 21:19  
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