Der Stadtteil der Zukunft: Für das neue Quartier Haunstetten Südwest hat die Stadt visionäre Pläne

Ihre Vision einer Zukunftsstadt in Haunstetten West stellte die Stadt am Mittwoch vor. (Foto: Laura Türk)
 
Die Veranstaltung in der TSV Turnhalle war mit rund 300 Interessierten gut besucht. (Foto: Laura Türk)

Es klingt alles ein bisschen nach Science Fiction: Landwirtschaftliche Flächen auf den Dächern von Supermärkten, selbstfahrende Busse, Bäume, die an Hauswänden hochwachsen, und alles komplett energieautark. Das ist nicht etwa die Beschreibung einer Stadt aus dem neuesten Hollywood-Film, sondern ein Teil der bisherigen Ideen für den neuen Stadtteil Haunstetten Südwest.

Für diesen fand am Mittwoch die erste Bürgerinformationsveranstaltung statt, in der eben diese Ideen aus dem ersten Expertenworkshop im April vorgestellt wurden. Im selben Monat vergangenen Jahres war im Stadtrat der Beschluss zur städtebaulichen Entwicklung von Haunstetten Südwest getroffen worden. Dabei handle es sich eigentlich gar nicht um einen „neuen Stadtteil“, betont Baureferent Gerd Merkle zu Beginn der Veranstaltung. Vielmehr solle Haunstetten Südwest ein Quartier werden, das für ganz Haunstetten einen Mehrwert bringt.

Circa 30 Jahre sind für die Bebauung des 180 Hektar großen Viertels momentan angedacht, Merkle wirft auf die Frage nach der Fertigstellung das Jahr 2050 in den Raum. „Bei der langen Entwicklungszeit wird Haunstetten Südwest für viele der hier Anwesenden vielleicht kein großes Thema mehr sein. Es geht vielmehr darum, uns zu überlegen, wie unsere Kinder und Enkelkinder in der Zukunft leben wollen.“

Der Saal in der Turnhalle des TSV Haunstetten ist dennoch gut gefüllt, nur wenige Plätze bleiben am Abend der Informationsveranstaltung leer. Im neuen Quartier sollen bis zu 10 000 Leute leben können, circa 4000 Wohneinheiten und 5000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Autonome Busse, vertikales Grün und erneuerbare Energien

2019 will die Stadt einen europaweiten städtebaulichen Wettbewerb ausschreiben – und erhofft sich für das neue Gebiet ein besonderes Konzept. „Haunstetten Südwest soll zukunftsorientiert sein, eine eigene Identität haben und vielseitig sein“, erklärt Christian Käßmaier vom Stadtplanungsamt.

Was die Experten sich bisher für Haunstetten Südwest erträumt haben, klingt auf jeden Fall futuristisch. Was Merkle vom Expertenworkshop vorstellt nennt er „provokante Beispiele“. Der beste Verkehr wäre zum Beispiel der, der gar nicht erst entsteht: „Ein Auto bewegen wir im Schnitt eine Stunde am Tag, die restlichen 23 Stunden ist es ungenutzt – und trotzdem brauchen wir es, um mobil zu sein.“ Als Alternative kann sich Merkle sogenannte „Mobilitätsstationen“ vorstellen, an denen Autos und Fahrräder gemietet oder auch in öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen werden kann. Zusätzlich zu einer Straßenbahn könne es auch autonome Busse geben, die Fahrgäste zehn Meter vor ihren Häusern abholen und ohne Fahrer ans Ziel bringen.

Ein großes Thema sei auch das „vertikale Grün“, zum Beispiel an den Hauswänden oder auf Dachflächen. Ein Experte habe darauf hingewiesen, dass Teile der Fläche, die der Landwirtschaft durch das neue Baugebiet weggenommen werden, zum Beispiel auf den Hausdächern zurückgegeben werden könnten.

Auch welche erneuerbaren Energien im neuen Quartier am besten genutzt werden könnten, werde die Stadt noch untersuchen. Wichtig sei aber besonders die Verbindung zu „Alt-Haunstetten“. Ein neues Zentrum in der Mitte der Gebiete soll die beiden Stadtteile verknüpfen.

Bürger- und Jugendworkshops sollen Ideen liefern

Momentan ist all das noch eine reine Zukunftsvision. „Fest stehen bisher nur die Grenzen des Bereichs, bei allem anderen haben die Teilnehmer des Wettbewerbs dann freie Hand“, beantwortet Merkle die Frage einer Zuhörerin, ob denn irgendetwas schon fix wäre. Im Stadtteil seien bereits einige Gerüchte herumgegangen.

Zudem müssen auch noch die 107 Grundstückeigentümer bedacht werden, denen das zukünftige Gebiet Haunstetten Südwest heute gehört. „Wir wollen nicht die Preise einfrieren oder im schlimmsten Fall sogar Leute enteignen“, verspricht Merkle. „Da gibt es am Ende nur Verlierer.“ Auf einem ersten Treffen mit den Eigentümern hätten diese allesamt den Plänen zugestimmt. Allerdings sei trotzdem nicht zu erwarten, dass der Prozess konfliktfrei vor sich gehen werde. Der Baureferent zeigt sich aber optimistisch. „Wir müssen einfach auf die Verantwortung der Eigentümer vertrauen.“

Immer wieder betonen die Referenten, wie wichtig auch die Ideen der Bürger für den Planungsprozess seien. In drei Bürgerwerkstätten und einem Jugendworkshop, zu denen sich jeder anmelden kann, bitten sie die Haunstetter, ihre Meinungen und Ideen zu teilen. Die Besucher der Veranstaltung bewegt das Thema offenbar sehr, aus Zeitgründen muss die Fragerunde am Ende unterbrochen werden.

Neben dem neuen Stadtquartier wurde in der zweistündigen Veranstaltung auch über die Probleme im heutigen Haunstetten geredet, denn auch für „Alt-Haunstetten“ will die Stadt ein „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ erarbeiten.
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