Heimat für Pflanzen statt Wohnraum für Menschen: Flugplatzheide wird nicht bebaut

Bleibt unbebaut: Der Freistaat hat seine Pläne aufgegeben, auf der Augsburger Flugplatzheide Wohnungen für Flüchtlinge und Geringverdiener zu bauen. (Foto: Simon Kriener)

Auf der Augsburger Flugplatzheide soll nun doch nicht gebaut werden. 70 Wohnungen für rund 300 Flüchtlinge und Bürger mit geringem Einkommen hatte der Freistaat auf dem Areal im Univiertel geplant. Doch bereits seit das Projekt bekannt wurde, versuchten Naturschützer, eine Bebauung zu verhindern. Denn auf der vier Hektar großen Fläche leben seltene Tier- und Pflanzenarten.

Nun soll das Bauprojekt aus dem Sofortprogramm im Wohnungspakt Bayern gestrichen werden. Das hat Hans Reichhart, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, am Rande eines Termins mit Bürgermeisterin Eva Weber bestätigt. „Von Anfang an stand die Stadtspitze in engem Austausch mit dem Freistaat, den Vertretern des Naturschutzes sowie Bürgerinnen und Bürgern, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Dabei ist deutlich geworden, dass die Bebauung der Flugplatzheide ein hochemotionales Thema ist. Daher begrüße ich es sehr, dass von den Baumaßnahmen nun abgesehen wird“, sagte Weber.
Hochemotional diskutiert wurde das Projekt bereits, seit die Pläne vor drei Jahren bekannt wurden. Auf der Heide sind rund 85 Pflanzenarten beheimatet, die in Bayern auf der Roten Liste stehen. Für eine Allianz aus Augsburger Naturschützern Grund genug, sich gegen das Vorhaben zu stellen. Die Augsburger Grünen forderten in einem entsprechenden Antrag den „Erhalt des gesamten verbliebenen Restes der Augsburger Flugplatzheide sowie die Unterschutzstellung der gesamten Biotopfläche“.
Den Antrag begründeten Grünen-Sprecher Peter Rauscher und seine Unterstützer damit, dass die dem Freistaat Bayern gehörende Fläche nur noch eine Restfläche von zwei Prozent der ursprünglichen Flugplatzheide und eine der wertvollsten innerstädtischen Biotopflächen in Bayern sei. Sie beriefen sich dabei auf ein Gutachten von Dr. Klaus Kuhn vom Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben, der die noch verbliebene Restfläche von acht Hektar der ursprünglichen 200 Hektar großen Fläche untersucht hatte. Diese Untersuchung habe einen Artenreichtum ergeben, der in dieser Bedeutung nur sehr selten auf innerstädtischen Flächen zu finden sei und naturschutzfachlich bayernweite Bedeutung habe. Einige der seltenen Pflanzen seien akut vom Aussterben bedroht, begründete Rauscher den Antrag der Grünen. Zudem kritisierte die Fraktion das Projekt auch aus integrationspolitischer Sicht. Rund um die Fläche befänden sich weder Wohnbebauung noch Einrichtungen des täglichen Lebens. „Das ist nicht die Art der Integration, wie wir sie uns vorstellen“, so Rauscher. Stattdessen solle die Stadt freie Flächen und Leerstand in Wohngebieten ermitteln.
Der Freistaat Bayern legte das umstrittene Projekt im November 2017 bereits auf Eis, indem er in der Haushaltsplanung keine Mittel für die neun Million Euro teure Bebauung einstellte. Mit der Streichung aus dem Sofortprogramm ist das Vorhaben nun endgültig vom Tisch.
Eine Alternative zur Flugplatzheide hat der Freistaat aber bereits im Auge: die ehemalige Straßenmeisterei an der Berliner Allee. Dort sollen geförderte Wohnungen entstehen, wie Bauminister Reichhart ankündigte. Er sprach von bis zu 1000 Wohnungen, für die man auch in die Lechauen hinein bauen müsse. Laut dem Augsburger Baureferenten Gerd Merkle allerdings solle bei der Alternative an der Berliner Allee auch der Naturschutz eine Rolle spielen. 300 bis 400 Wohnungen seien deshalb realistischer.
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