Jobabbau bei Premium Aerotec: Mehr als 1000 Stellen in Gefahr

Bereits vor gut einem Jahr streikten Mitarbeiter von Premium Aerotec, nachdem der Konzern die Streichung von 500 Stellen bekannt gegeben hatte. Damals handelte es sich um Leiharbeiter-Stellen. (Foto: Archiv/David Libossek)

Premium Aerotec streicht Stellen. 2021 wird es wohl so weit sein, ab dann sollen in Augsburg 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Doch damit nicht genug: Hunderte weitere Jobs sind bis 2023 gefährdet, wenn nicht neue Aufträge generiert werden können.

Vom geplanten Jobabbau erfuhren die Beschäftigten des Luftfahrt-Zulieferers am Donnerstagvormittag während einer Betriebsversammlung.

Premium-Aerotec-Betriebsrat: "Stinksauer und kampfbereit"

„Die Belegschaft ist geknickt, aber auch stinksauer und kampfbereit", sagt Sebastian Kunzendorf, Betriebsratsvorsitzender bei Premium Aerotec in Augsburg. "Die Beschäftigten haben den Aufbau des Niedriglohnstandortes Braşov durch die Abgabe von Arbeitspaketen mitgetragen und jahrelang mit Sonderaktivitäten den Hochlauf der Auslieferungen abgesichert – und nun will die Geschäftsführung den Standort ausbluten", beschreibt er die Situation. 

Betriebsrat: Chefetage hat "offensichtlich keinen Plan"

Die Chefetage habe "offensichtlich keinen Plan, Augsburg mit zukunftsfähigen Produkten auszulasten. Stattdessen sollen die Verlagerungen weitergehen".

Seit Jahren fordern die Mitarbeiter ein Zukunftskonzept mit neuen Arbeitspaketen, Technologien und Fertigungskonzepten. "Der Betriebsrat hat bereits im letzten Jahr eigene Vorschläge unterbreitet. Von der Geschäftsführung fehlt bislang jegliche Perspektive für den Standort", kritisiert Kunzendorf.

Pfiffe und Buh-Rufe auf Versammlung von Premium Aerotec

Auf die schockierende Mitteilung reagierten die Beschäftigten mit Pfiffen und Buh-Rufen. Die Betriebsversammlung wurde unterbrochen und die Belegschaft formierte sich zu einem Demonstrationszug durch das Werk und über die Haunstetter Straße.

"Arbeitspakete müssen her, sonst ist der Standort bald leer“ und „Zukunft für den Augsburger Flugzeugbau“ war auf Transparenten zu lesen.

„Wir werden alles tun, um diesen Kahlschlag zu verhindern“, sagt Michael Leppek, erster  Bevollmächtigter der IG Metall. „Die bayrische Staatsregierung ist aufgefordert, ihren Einfluss geltend zu machen um die Arbeitsplätze in Bayern zu sichern. Betriebsrat und IG Metall sind bereit, den Standort modern aufzustellen, allerdings setzt dies voraus, dass zusätzliche Arbeitspakete in Augsburg platziert werden.“

Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer

Das Werk, das zum Airbuskonzern gehört, beschäftigt insgesamt noch 3600 Mitarbeiter. Die Führungskräfte machten deutlich, dass die Streichung von über 1000 Jobs das „Worst-Case-Szenario“ wäre. Bis Ende 2020 gilt noch ein Kündigungsschutz für die Stamm-Mitarbeiter. Somit könnten erst ab Jahresbeginn 2021 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Auf 500 der gefährdeten Stellen wirkt sich der Baustopp des Riesen-Airbus A 380 aus. In der Fuggerstadt wurden große Teile dafür hergestellt. Das Aus für den zweistöckigen A 380 und Neuerungen für den Airbus A 330 bringt weitere Mitarbeiter in Nöte. Weitere Jobs sind nicht mehr sicher, weil es sich finanziell nicht mehr lohnt, einige Teile in Augsburg herzustellen. Die Produktion wird in Billiglohnländer wie die Türkei verlagern. 

Bund an Airbus beteiligt - Gewerkschaft fordert Handeln

Erst am gestrigen Mittwoch hatte Guillaume Faury sein Amt als neuer Airbus-Chef angetreten. Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und verantwortlich für die Luft- und Raumfahrtindustrie betont: „Herr Faury kann sich nicht wegducken. Airbus muss zehn Jahre nach der Gründung endlich eine Zukunftsstrategie für Premium Aerotec aufzeigen. Wir erwarten vom neuen Airbus-Chef Klarheit und Perspektive für seine hundertprozentige Tochter. Das Werk in Augsburg kann zum modernsten Produktionsstandort der Gruppe werden. Wir sind bereit, diesen Weg mit Airbus zu gehen. Wir fordern aber auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier auf, endlich zu handeln, seinen industriepolitischen Ansatz mit Leben zu füllen und sich für den Erhalt hochqualifizierter Arbeitsplätze bei Premium Aerotec als Teil von Airbus einzusetzen. Immerhin ist die Bundesrepublik direkt an Airbus beteiligt.“ (jaf/mg/pm)
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