Streik bei Premium Aerotec in Augsburg: "Ohne uns fliegt kein Airbus"

Mit Trillerpfeifen gegen das "Ausbluten auf Raten": Mehr als 1000 Premium-Aerotec-Angestellte goutierten die Ansagen von Betriebsratschef Kunzendorf. Foto: David Libossek

Bei Premium Aerotec in Augsburg haben mehr als 1000 Angestellte am Dienstag um fünf vor zwölf die Arbeit niedergelegt. Der Betriebsratsvorsitzende Sebastian Kunzendorf richtete deutliche Worte in Richtung Werksleitung und Mutterkonzern Airbus.

Nein, nein, nein, wiederholt Holger Schröder, ein bisschen so, als wolle er es sich selbst noch einmal bestätigen. Nein, Sorgen um seinen Job mache er sich nicht. Sorgen, dass seine Stelle unter jenen 300 ist, die sein Arbeitgeber Premium Aerotec noch in diesem Jahr streichen möchte.
Bis zu 200 weitere sollen 2019 folgen. Die wohl wegfallenden Posten sind durch Leiharbeiter besetzt, Schröder gehört hingegen zum Stammpersonal. "Untergruppe", sagt er, "fertigen Kleinteile", erklärt er, "seit 30 Jahren", ergänzt er. Der Mann mit der roten Schirmmütze, dem stoppeligen Bart und den schweren Arbeitsstiefeln ist keiner, der sich den Mund fusselig quatscht. Kurz und prägnant sind seine Antworten. Warum er heute trotzdem hier ist? "Ich will den andern helfen. Betrifft uns ja alle." Hier, das ist der Vorplatz des Premium Aerotec-Stammwerks an der Haunstetter Straße, wo sich mehr als 1000 der rund 4000 Mitarbeiter zu einer Kundgebung der Gewerkschaft IG Metall versammelt haben. In der Masse aus Werkskluft und Freizeitklamotte glühen Zigarettenenden und schrillen rote Trillerpfeifen.

Auf einem Lastwagen-Anhänger steht hinter einem kleinen Holzpult Sebastian Kunzendorf. Jeans, blauer Pulli, Brille. Der hagere Mann ist Betriebsratsvorsitzender bei Aerotec und hat entgegen seiner Statur eine kräftige Stimme. "Schluss mit Rumgespiele", fordert Kunzendorf. Als frech, skurril und unverschämt bezeichnet er wahlweise das Verhalten der Werksleitung. Auf der Betriebsversammlung etwa - jenem Treffen Anfang März, auf dem die Rausschmisse angekündigt wurden - sei sie eine Antwort darauf schuldig geblieben, ob weiter Arbeiten ins Ausland vergeben werden. "Am selben Nachmittag steht am Schwarzen Brett, dass man daran festhalte", moniert Kunzendorf mit merklich süffisantem Unterton. Dass es sich "ja nur um Leiharbeiter" handle, lasse er so nicht gelten: "Das sind Stammkollegen." Zumal deren Entlassung nur der Anfang eines "Ausblutens auf Raten" sei, das am Standort begonnen habe. Der Konzern, Airbus als Mutter wie ihre Tochter Premium Aerotec selbst, müsse wieder in den Standort investieren, statt Fertigungsflächen stillzulegen und Aufträge auszulagern. Und die Belegschaft müsse jetzt zeigen, ruft Kunzendorf: "Ohne uns fliegt kein Airbus."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.