Wettbewerb für Haunstetten Südwest: Mit der Landesgartenschau zum neuen Stadtviertel

Zwischen der B 17 (links im Bild) und der Inninger Straße (oben): Auf diesen Feldern und Wiesen soll das neue Stadtquartier entstehen. Foto: Stadt Augsburg, Geodatenamt;Geobasisdaten, Bayer. Vermessungsverwaltung 2015

Es ist sicher die größte Anstrengung, die Augsburg unternimmt, um dem drängenden Problem des knappen Wohnraums zu begegnen. Im Südwesten des Stadtteils Haunstetten soll auf einer Fläche von 200 Hektar ein komplett neues Quartier entstehen als Heimat für circa 10 000 Menschen. Eine Landesgartenschau könnte dabei helfen, das künftige Viertel zu entwickeln.

Das Problem Augsburgs ist schnell umrissen: Auch bei intensiven Bemühungen lässt sich der dringende Bedarf an Wohn- und Arbeitsstätten nicht allein mit einer Innenentwicklung decken. Diese Erkenntnis liegt dem durchaus ehrgeizigen Vorhaben "Haunstetten Südwest" zugrunde, das der Stadtrat Ende Juni 2016 beschlossen hat. Mittlerweile sind mehrere Bürgerbeteiligungen über die Bühne gegangen und haben die Verwaltung so weit voran gebracht, dass nun die Eckpunkte für einen städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb stehen. Das entsprechende Dokument stellte Baureferent Gerd Merkle im Bauausschuss vor.

Als Planungsziel gibt die Stadt vor, dass vielfältige Wohn- und Arbeitsstätten für alle Bevölkerungsgruppen geschaffen werden sollen. 4000 neue Wohneinheiten für insgesamt 10 000 Menschen sollen in "Haunstetten Südwest" Platz finden.

Insbesondere auf "attraktiven, großzügigen und vielfach nutzbaren Freiraum" legt die Stadt wert - und hier kommt die Landesgartenschau ins Spiel. Denn: Eine der Vorgaben ist, dass die Grünflächen bereits zu Beginn erstellt werden sollen - im Eckpunktepapier der Stadt findet sich dazu das Schlagwort "Landscape first". Weil es aber sehr kostspielig sei, diese Grünflächen herzustellen, kam die Idee auf, das Gelände zunächst für eine Landesgartenschau vorzubereiten. Die Rechnung ist laut Baureferent Merkle einfach: Ohne Landesgartenschau muss die Stadt alleine für die Maßnahme aufkommen, im anderen Fall besteht die Möglichkeit, Fördergelder in Anspruch zu nehmen und nach der Schau bliebe die Grünfläche für die künftigen Bewohner des neuen Stadtteils erhalten - und nicht nur für diese. "Landscape first" soll gleichzeitig die Akzeptanz des neuen Quartiers bei den Bürgern aus dem angrenzenden Haunstetten erhöhen, wenn sie neue weitläufige Grünflächen zur Naherholung zur Verfügung haben.

Auch Sportflächen sind in "Haunstetten Südwest" vorgesehen, insgesamt sechs der insgesamt 200 Hektar sollen allein dafür die Planer berücksichtigen. Und weiter: 1200 Kita-Plätze, eine neue Grundschule sowie der Neubau der bestehenden Johann-Strauß-Grundschule mit Bürgerhaus, ein Hallenbad mit angegliedertem Freibad, zwei Mehrgenerationentreffs sowie zwei Jugendtreffs und eine Pflegeeinrichtung mit 100 Pflegeplätzen.

Komplettiert wird die Wunschliste der Stadt freilich von den Angeboten der Nahversorgung aus Einzelhandel, Ärzten, Dienstleister und Gastronomie.

Ein Wunsch wird allerdings nicht in Erfüllung gehen. Stadtrat Christian Moravcik (Grüne) wollte einen komplett autofreien Stadtteil. "Das wird es nicht geben", enttäuschte ihn der Baureferent. Vielmehr sollen die Autos in dezentralen Parkhäusern abgestellt werden, parken an den Straßen lediglich für 30 Minuten zum Aus- und Einladen - so zumindest ist es laut Merkle in Kopenhagen und das könne er sich auch für "Haunstetten Südwest" vorstellen. Darüberhinaus soll den Bewohnern ein Mobilitätsmix angeboten werden, neben dem ÖPNV etwa Leihautos und -fahrräder.

Wie diese Wünsche nun alle unter einen Hut gebracht werden können, damit müssen sich die Wettbewerbsteilnehmer auseinandersetzen. In einer ersten Runde sollen 30 Teams ihre Ideen ausarbeiten. Nach einer weiteren Bürgerbeteiligung für eine Überarbeitung der zehn bis dahin besten Pläne, steht im Februar 2020 der Sieger des Wettbewerbs fest.

Für den Wettbewerb gibt die Stadt eine gute Million Euro aus, 600 000 Euro davon sind für Bearbeitungshonorare und Preisgelder vorgesehen.
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