Gefährdung des Luftverkehrs? Augsburger Flugzeugverleiher vor Gericht

Der 39-jährige Angeklagte vercharterte eine eine Cirrus SR 22 am Augsburger Flughafen. (Foto: Segelfulgverein Augsburg)

Wie sicher ist ein Flugzeug? Darüber machen sich nicht nur Menschen mit Flugangst Gedanken. Zu Recht, wie ein Prozess am Amtsgericht Augsburg jetzt ergab. Dort hatte sich ein 39-Jähriger zu verantworten, der eine Cirrus SR 22 am Augsburger Flughafen vercharterte. Immer wieder hatte über Jahre in der Maschine ein Lämpchen aufgeleuchtet, das Probleme mit der Elektronik signalisierte. Bis ein Pilot am 18. Juni 2014 über dem Ärmelkanal mit dem Ausfall aller Avionik- und Funksysteme konfrontiert wurde.

Der Pilot, ein 53-jähriger Filmproduzent aus München, hatte das Flugzeug schon öfter von dem Angeklagten, der seit 2010 am Flughafen Augsburg ein entsprechendes Unternehmen zur Vermietung von Flugzeugen betrieb, gechartert. "Mir fielen ab und zu technische Fehler auf, die habe ich ins Bordbuch eingetragen." Immer wieder wurde die Cirrus, die einem 46-jährigen Geschäftsführer gehörte, in der Werft repariert. Danach erhielt sie stets die Freigabe für die Lufttüchtigkeit.

Einmal im Jahr, so erläuterte der Sachverständige Frank Rösler, werde ein Flugzeug einem großen Test unterzogen. Bei der fraglichen Maschine war das im Mai 2014 der Fall. Der Besitzer des Flugzeugs hatte wohl dennoch ein ungutes Gefühl, denn er warnte danach den Angeklagten, er solle die Cirrus nicht gleich "für einen Flug zum Nordcap" verleihen. Doch der Sachverständige erklärte, es gebe zweierlei Fehler bei Flugzeugen: intermittierende und persistierende. Erstere, wie sie die Cirrus öfter aufwies, fasse kein Pilot als echte technische Störung auf.

In diese Kategorie falle das häufige, wenige Sekunden dauernde Aufleuchten beispielsweise der Low-Volt-Anzeige. "Wenn Sie da am Boden versuchen, die Ursache dafür zu finden, wird das ohne Ergebnis bleiben." Intermittierende Fehler führten keineswegs zu einem Verlust der Flugtüchtigkeit: "Sonst stünde weltweit der Flugverkehr still." An der Cirrus wurden immer wieder kleinere Reparaturen vorgenommen. Auf einen Austausch der gesamten Platine wurde verzichtet; laut Aussage des Sachverständigen wäre dieser auch nicht notwendig gewesen.

Persistierende Fehler, so Frank Rösler weiter, hätten Piloten ins Bordbuch einzutragen. Die Maschine müsse dann umfangreich gewartet werden. Die Cirrus habe zwar ab 2012 bis zu dem verhängnisvollen Flug nach London im Juni 2014 immer wieder intermittierende Fehler aufgewiesen, sei jedoch auf jeden Fall lufttüchtig gewesen. Erst über dem Ärmelkanal brannte eine Diode durch und machte die Cirrus fluguntüchtig.

Notlandung in Frankreich

Dem Filmproduzenten gelang es - auch Dank mehrerer Jahrzehnte Flugerfahrung - ohne Elektronik und Funk, die Maschine zu wenden und in Frankreich notzulanden. Ihm und seiner Lebensgefährtin, die mit an Bord war, passierte nichts. Später verklagte er den Vermieter der Maschine auf Schadenersatz und forderte die geleistete Anzahlung für den Flug zurück. Vor dem Zivilrichter einigte man sich auf einen Vergleich.

Da Staatsanwalt Benjamin Junghans dem Angeklagten zunächst vorwarf, er habe die Cirrus verchartert, obwohl er gewusst habe, dass sie nicht flugtüchtig sei, führte das neben der Gefährdung des Luftverkehrs zum weiteren Anklagepunkt des versuchten Prozessbetrugs, denn auch vor dem Zivilrichter hatte der 39-Jährige erklärt, aus seiner Sicht sei das Flugzeug in Ordnung gewesen.

Nach der Expertise des Sachverständigen sah die Sache nun anders aus. Danach zeigte sich auch der Staatsanwalt von der Unschuld des Angeklagten überzeugt und forderte einen Freispruch. Dem widersprach der Verteidiger, Rechtsanwalt Marc Duchon, natürlich nicht, und auch Richterin Rita Greser war schließlich sicher, dass dem 39-Jährigen keine Straftaten vorzuwerfen seien.
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