Aus der Abgeschiedenheit in die Öffentlichkeit.

Ist es nicht schön in der Wilden Siedlung? Foto Blöchl
 
Viele Gärten gibt s in der Siedlung. Foto Blöchl


Die „Wilde Siedlung gerät in den Blickpunkt.

Jahrelang lebten sie unbehelligt und ruhig am Rande von Lechhausen. im Volksmund die „Wilde Siedlung“ genannt lebt und lebte hier am Ufer des ehemaligen Siebenbrunnenbaches eine bunte Mischung von Lechhausern. Schon seit ca. 1930 ließen sich heir Menachem nieder. Anders als in den oft baurechtlich genormten Siedlungen an Orten findet sich hier eine große Vielfalt von Häusern und Gärten. Die meisten Grundstücke sind Privatbesitz, ca. 850 qm groß. Man sieht, dass es keine Bauleitplanung oder Ähnliches gab. Manchmal baute man auch schwarz, zumindest in den Anfangszeiten. „Unsere Besonderheit ist, dass wir in engem Zusammenhalt in der Siedlung leben. Hier kennt man sich noch persönlich und unterstützt sich gegenseitig. Und das über Familien, Kulturen, Altersstufen und alle Schichten hinweg“. beschreibt Gudrun Vejmelka, Sprecherin der neu gegründeten „Interessengemeinschaft Siebenbrunnenbach - die "wilden" Siedler“ das Besondere an der Siedlung. Und sie schreibt weiter:“ So gibt es bei uns neben angestellten und selbständigen erwerbstätigen Steuerzahlern auch Rentner, welche Ihren Lebensabend hier verbringen - zum Teil sogar mit altersbedingten Einschränkungen bis hin zur Rollstuhlfahrerin, Hausfrauen, Familien - sogar mit Drillingen und Gärtner, welche Ihren Garten bzw. die Natur pflegen. Wir alle schätzen es sehr, dass in unserer Siedlung wir und unsere Kinder sicher, offen und frei neben bzw. in der Natur aufwachsen können. Auch ist es bei uns egal, ob jemand Eigentümer oder Mieter ist, wenig oder viel Geld hat, denn wir alle sehen uns als eine Gemeinschaft, auch aufgrund unserer besonderen Wohnlage. Zudem sind wir auch traditionsbewusst, da einige von uns schon seit langer Zeit in der Siedlung leben und teilweise auch über Generationen hinweg hier gewohnt wurde und wird. Dennoch sind auch die Gründer der Siedlung offen gegenüber neu Hinzugezogenen, da wir uns gleichzeitig auch als offen und progressiv verstehe“, Man spürt die Empathie die es für die Siedlung und die Menschen dort gibt.
Ungeklärt ist auch der Status der Siedlung. Walter Winter, der Stellvertreter Vejmelkas in der IG spricht von einem „Wohnrecht auf Widerruf“, das für die Siedlung gelten würde. Was das rein rechtlich bedeutet konnte nicht eruiert werden. Zumindest scheint es aber einen von der Stadt akzeptierten Status zu geben. Er selbst wohnt seit knapp 20 Jahren hier, der Garten seines Hauses hat alten Baumbestand, ein Apfelbaum trägt viele Früchte, von einer Ecke ist die Rückseite des großen Baumarktes an der Südtiroler Straße zu sehen. Er erzählt, dass ca. 60 Menschen in der Siedlung leben würden, mittlerweile fast alles „Zugezogene“. Seine Nachbarn sind z.B. Albaner und Vietnamesen. Die Gärten sind bunt und vielfältig, am Beginn des kleinen Viertels gibt es gibt es eine Wohnwagensiedlung auf einer ehemaligen Pferdekoppel. „Vielleicht ein Spekulationsobjekt“ meint Winter vielsagend lächelnd.

Das geplante neue Gewerbegebiet sorgt für Unruhe.

Mit den Planungen für das neue Gewerbegebiet ist es zumindest ein wenig vorbei mit der Ruhe. Sollten sich die Planungen realisieren, wäre das Gebiet praktisch von Gewerbeflächen umgeben. Da stellen sich dann mögliche Probleme, von der Verkehrserschließung bis hin zum Lärmschutz reichen die bestehenden Fragen. Bisher hat niemand offiziell mit den Menschen gesprochen, deshalb gibt es viele Fragen und Befürchtungen. Wobei Vejmelka im Gespräch betont, dass „wir nichts gegen das Gewerbegeiet haben, wir möchten nur ein gutes Miteinander!“ Um sich auch gemeinsam verhalten zu können wurde jetzt offizielle Interessensgemeinschaft, nämlich die IG Siebenbrunnenbach - die "wilden" Siedler, gegründet. Sie soll die Interessen gemeinschaftlich vertreten, auch wenn es durchaus unterschiedliche Vorstellungen gibt. Sie erwarten nun, dass sie noch vor einer Entscheidung im Stadtrat informiert und angehört werden. Die Sprecherin sagt dazu: “Bisher sind wir in der Öffentlichkeit niemals groß aufgetreten, da wir dazu keine Notwendigkeit gesehen haben. Die nun anstehenden Veränderungen in der Nachbarschaft bringen uns aber jetzt dazu!“ Sie sieht in den Unterlagen „ein gewisses Konfliktpotential, das wohl auch von der Stadt so gesehen wird.“ Das wollen die Siedler am Siebenbrunnenbach ausräumen. Sie betont noch einmal de Willen „ zum konstruktiven Dialog mit der Stadt Augsburg“, Man kann nur hoffen, dass die kleine Idylle am Rande der Stadt den vorgesehenen Veränderungen nicht zum Opfer fällt, sondern dieses besondere Viertel weiter eine Heimat für die Menschen dort ist und bleibt.
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