Die letzte Dienstfahrt von Kapitän Schmid

Nun geht er von Bord, der Kapitän der MS St. Franziskus. Begonnen hatte er als Kaplan in Lechhausen, seit Dezember 1970 ist er Seelsorger in der Pfarrei in der Firnhaberau. Jetzt geht Anton Schmid mit 81Jahrhen in den Ruhestand. An seinem Geburtstag führte er wohl zum wohl letzten Mal den einzigen Faschingsumzug der Stadt an. Stilgerecht gekleidet in Kapitänsuniform, das Megafon in der Hand lief er neben dem Schiff, das extra für ihn gebaut wurde, durch die Straßen der Siedlung. Sein „Jux und Radau in der Firnhaberau!“ wurde aus vielen Kehlen mit der richtigen Antwort „Ruhe und Friede in der Hammerschmiede!“ beantwortet. Tausende säumten den Weg, der Zug dauerte einiges länger als sonst, weil an verschiedenen Ständen auch Abschied nehmen angesagt war! Im Gespräch meint er, dass er sicher wieder dabei sein wird, wenn es Gesundheit und die “Obrigkeit erlauben!“ Mit ihm geht auch Manfred Krumm, sein Kollege in der Hammerschmiede, in den Ruhestand, die beiden Pfarreien werden dann als Pfarreiengemeinschaft geführt werden.

Der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung begleiteten als Matrosen verkleidet den Kapitän bei seiner Fahrt. Auch viele Engelchen und Teufelchen waren zu sehen. Schulen und Kindergarten, Sportvereine und Kleingärtner – der Zug war wieder lang und bunt. Er ist vielleicht nicht ganz so politisch wie in Köln oder Mainz – kleine Spitzen gegen Obrigkeit und Politik finden sich auch in der Firnhaberau. So wurden „Blumen statt Beton“ gefordert, auch die Nahversorgungsmöglichkeiten im Viertel wurden aufs Korn genommen. Die kommunalpolitische Prominenz fehlte dieses Mal weitgehend. Bunt und vielfältig waren die vielen individuellen Masken und Kostüme. Für die Kinder vor allem der vielen Zuschauer wurde es dann richtig stressig: Der Regen an Bonbons und anderen Süßigkeiten musste ja gefangen und gesammelt werden. Stolz wurde die „Beute“ Eltern und Großeltern präsentiert. Die Straßen waren dieses Mal außergewöhnlich dicht gesäumt von Besuchern aus allen Stadtteilen. In vielen der Straßen, durch die der Zug führte, waren Stände mit Getränken und Musik aufgebaut, es wurde getanzt und gesungen, getrunken und gegessen, beinahe südländische Lebensfreude im eher spröden Augsburg.
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