Ein Bischof liest der SPD die „Leviten“!

Regionalbischof Michael Grabow sah viele Anregungen in der Bibel für das heutig Leben. Foto Blöchl
 
Sie freuten sich über eine gelungenen Empfang v.l. Stadträtin Sieglinde Wisniewski, Bischof Michael Grabow, Angelika Lonnemann, MdL Harald Güller, Ulrike Bahr und Werner Kränzle. Foto Blöchl


Neujahrsempfang der SPD-Ortsvereine Lechhausen und Firnhaberau

Die Vorsitzende der Lechhauser SPD, Angelika Lonnemann und ihr Firnhaberauer Pendant Werner Kränzle freuten sich über den großen Besuch beim traditionellen Neujahrsempfang - rund 70 Gäste aus den Stadtteilen und der SPD waren zum Jahresauftakt der beiden SPD-Ortsvereine Lechhausen und Firnhaberau gekommen. Auch die Bundestagsabgeordnete und Augsburger SPD – Chefin Ulrike Bahr hielt ein kurzes Grußwort.

Wie seit Jahren lädt die SPD nicht Politprofis, sondern Redner aus der Gesellschaft zum Jahresbeginn ein. Regionalbischof Michael Grabow als Gastredner dieses Jahr nahm das Thema „Gerechtigkeit“ wieder auf. Es hatte die SPD ja sehr stark beschäftigt, die Bundestagswahl im vergangenen Jahr war unter diesem Thema bestritten und verloren worden. Eingangs lobte er die SPD für die demokratische Diskussionskultur, die heute oft fehlen würde und durch Streitereien in Talkshows auch beschädigt würde. Mit dem Gleichnis vom Weinbergbesitzer, der seinen Arbeitern den gleichen Lohn auszahlt, obwohl der eine einen ganzen Tag und der andere nur eine Stunde gearbeitet hatte, verdeutlichte er, dass in einer gerechten Gesellschaft "jeder bekommt, was er zum Leben braucht“, ein Anspruch der heute nicht immer eingehalten wird. Die Bibel, ist aus seiner Sicht ein „sehr politisches Buch“, in dem Gott „das Zusammenleben der Menschen beschreibt, „Schon die Propheten im Alten Testament haben ihre Stimme für sozial schwache Gruppen erhoben!“. Auch die 10 Gebote seine als eine Art „Verfassung“ des Volkes Israel zur Regelung des Zusammenlebens zu verstehen. Als Kritik an der Dominanz der Wirtschaft könne auch verstanden werden dass der Manch nicht zwei Herren „Gott und dem Mammon“ dienen könne. Ganz besonders die Regeln des Sabbats würden dafür sorgen, soziale Unterschiede aufzuheben, denn im Sabbatjahr etwa würden Schulden erlassen. Der sozialkritische Prophet Amos habe es verboten, Gottesdienste zu feiern, solange die Armen nicht versorgt worden seien. Grabow zitierte im Zusammenhang mir der Flüchtlingsdiskussion den evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen“.

Gerechtigkeit ist mehr als Verteilung. 

In einigen Punkten zog er Vergleiche zum Wahlprogramm der SPD. Dabei sah er die Interpretation, dass durch „Investitionen Gerechtigkeit hergestellt“ würde kritisch und als zu kurz gegriffen. Er forderte anhand einiger Beispiele aus Bibel und Programm mehr Zugangsgerechtigkeit zu Bildung und Kultur, Die Reduzierung von Gerechtigkeit auf ein materielles Verteilungsproblem greife zu kurz. Die wachsende Ungleichheit im Weltmaßstab fordere auch eine neue Definition von globaler Gerechtigkeit Der Wohlstand der entwickelten Staaten basiert nach seinen Aussagen zu einem erheblichen Teil auf der Armut anderer Länder und Völker. Deshalb sei der menschliche und soziale Umgang mit Fremden und Migranten nicht nur eine christliche sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Er rief dazu auf, die Flüchtigen nicht allein zu lassen, sondern weiter zu helfen und zu unterstützen, „auch als Zeichen von Gerechtigkeit, denen zu helfen, denen es schlechter geht als uns!“

Von der Politik forderte er mehr Zuverlässigkeit und Fairness ein. Die oft vorhandene Diskrepanz zwischen Reden und Handeln bedeute für viele Menschen das Verharren in ungerechten Verhältnissen. Dass heute oft „Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert“ werden, schafft ebenfalls ein breites Gefühl von Unzufriedenheit. Seine beiden größten Wünsche für die Zukunft, „die Überwindung des Nationalismus“ und die Bewahrung von „Frieden und Stabilität“ in Europa und weltweit. An die SPD appellierte er, die Forderung nach Gerechtigkeit weiter zu definieren und zu entwickeln. Viel Beifall und manche nachdenklichen Gesichter begleiteten seine Rede, Ungewöhnlich aber von Grabow gewollt endete der Empfang mit einer lebhaften Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen, ein Thema das „Gerechtigkeit und Menschenwürde“ verbindet.
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