Endlich den Jugendtraum verwirklichen: Was der „Lechfrisör“ nun vorhat

Auch manche Theaterrequisiten kommen mit nach Berlin. Foto Blöchl
 
Rainer Lechner /rechts) als Regisseur bei einer Probe für den "Kleinen Horrorladen". Foto Blöchl
Es ist gar nicht so einfach, das verabredete Interview mit Rainer Lechner zu führen. Wir sitzen in einem kleinen Café direkt an seinem früheren Laden, dem Lechfrisör in der Firnhaberau. Früher ist allerdings ein sehr kurzfristiger Begriff, weil dieser Tag der erste Tag ist, an dem er seine Freiheit, wie er selbst etwas ironisch sagt, genießen kann. Seit dem Vortag ist er nicht mehr Inhaber des Geschäfts. Er hat es abgegeben. Immer wieder kommen Kundinnen vorbei, die mit ihm über seine Beweggründe und seine Ziele sprechen wollen. Ihm merkt man an, dass er einerseits entspannt ist, aber auf der anderen Seite durchaus noch nicht ganz losgelassen hat.

Zeit, Träume zu erfüllen

Jetzt, mit knapp 60 Jahren, will er noch einmal ganz neu anfangen. Er will sich seinen Kindheits- und Jugendtraum erfüllen, nämlich an das ganz große Theater gehen.
Dazu verlegt er seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin, die ersten Koffer sind schon gepackt. Mitte September geht es endgültig in die Hauptstadt. Dort will er versuchen, an einer der vielen Bühnen eine Aufgabe zu finden. Er macht sich keine Illusionen und weiß, dass das nicht einfach werden wird. Aber wenn man sich seinen Lebenstraum verwirklichen will, muss man auch gewisse Risiken eingehen. Dabei schwebt ihm eher eine Aufgabe in der Dramaturgie oder im Management eines Theaters vor. Denn das Theater war immer sein Traum.

Seine Eltern meinten einst aber, er „solle etwas Anständiges lernen“ und verwehrten ihm, schon in jungen Jahren ans Theater zu gehen. Die Ausbildung zum Friseur sollte ein Sprungbrett ans Theater werden, was nicht funktionierte. So arbeitete er als Friseur, die letzten zwölf Jahre als Inhaber des Lechfrisör in der Firnhaberau. Dort geht unter dem neuen Inhaber der Betrieb ohne Unterbrechung weiter, auch das Personal wird übernommen.

Das Theater hat ihn aber sein ganzes Leben begleitet. Er war Theaterliebhaber, hat aber selbst auch vieles gemacht, was mit dem Theater zusammenhängt. Untrennbar verbunden ist Rainer Lechner mit den Theaterleuten des TSV Firnhaberau.

Toi, toi, toi!

Man kann sagen, das mit ihm der „Prinzipal“ der engagierten Laientheaterabteilung geht. Seine letzte Inszenierung, die „Feuerzangenbowle“, war für ihn gleichzeitig der Abschied von den Brettern, die zwar nicht die Welt, aber doch ein wenig die Erfüllung seiner Träume bedeuteten. Er war Regisseur und hat inszeniert, hat selbst gespielt und unter anderem auch die Jugendabteilung der Theatergruppe ins Leben gerufen. Besonders in Erinnerung sind ihm dabei Stücke wie das Musical „Der kleine Horrorladen“, der „Watzmann“ oder der Klassiker der „Brandner Kaspar“. Seine eigene liebste Rolle war der „Boandlkramer“, im gleichnamigen Stück, welche er 1992 zusammen mit seinem Vater gespielt hat. Als letzte Rolle har er vor Kurzem dann noch den Brandner gespielt.

Ja, es ist ihm schwer gefallen, aufzuhören, und das alles aufzugeben, gibt er zu. Aber er ist guten Mutes, dass die Nachfolge gut geregelt ist und in der Firnhaberau auch künftig engagiertes und auch künstlerisch hochwertiges Theater gespielt wird.

Als „mit Lechwasser getaufter Augsburger“ sagt er, dass „Augsburg eine schöne kleine Stadt ist“, die für ihn aber einfach zu klein und zu eng sei.

Er erhofft sich in Berlin mehr Privatheit, die aufgrund seiner Bekanntheit in der Firnhaberau doch manchmal gefehlt hat. Berlin hat ihn dabei immer schon fasziniert, insbesondere die Vielfältigkeit der Kulturen.

Trotz der Veränderung will er aber die Verbindung zur Firnhaberau aufrechterhalte. Er will zu Theaterstücken kommen. Den Kindern hat er versprochen, bei der Märchenaufführung zuzusehen. Und beim 100. Jubiläum der Siedlergenossenschaft im kommenden Jahr will er auch einen Beitrag leisten.

Bleibt nur noch zu sagen: Danke Rainer Lechner für die vielen schönen Inszenierungen und: Toi, toi, toi!
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