Jugend ohne Lobby - der schwierige Job der Jugend-Arbeiter

Markus Verbeeten (links) und Dieter Hegner, im Hintergrund die Pumptrackanlage beim Jugendhaus Fabrik. Foto Blöchl
 
Szenen auf dem Supermarktparkplatz. Foto Blöchl
Sie sind zuständig für die Jugendlichen in den nordöstlichen Stadtteilen der Stadt Augsburg – dazu gehören Lechhausen, Hammerschmiede, die Firnhaberau und Hochzoll. Fast 80 000 Menschen wohnen hier, darunter dürften circa 8000 junge Menschen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren sein. Und diejenigen, die neben den offiziellen Institutionen, wie etwa die Schulen, für sie zuständig sind, sind insgesamt 4,25 Personen. Natürlich gibt es keine Viertel-Personen, aber es gibt unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse. So besteht das Team des Stadtjugendrings aus Markus Verbeeten, als Leiter der sogenannten Region Nord-Ost, Dieter Hegner, der vor allem als Streetworker tätig ist, und mehreren pädagogischen Kräften, die in Projekten oder in den Einrichtungen des Stadtjugendring arbeiten.

Neben dieser Arbeit engagierten sich die Mitarbeiter noch in Stadtteilprojekten, unterstützen Vereine und Organisationen. Eine Mammutaufgabe, die nicht nur viel Zeit und Energie, sondern auch viel Empathie für Jugendliche und deren Interessen und Belange erfordert.

Die Diskussion über die Frage der Betreuung von Kindern und Jugendlichen ist sehr stark auf die Frage der Kinderbetreuung in Kindertagesstätten beschränkt. Der dort immer noch herrschenden Mangel an Betreuungsplätzen ist natürlich eine wichtige Aufgabe der Stadt. Jugendarbeit, die über Schule hinausgeht, ist zwar auch verpflichtend festgeschrieben, es fehlt aber an den entsprechenden personellen und räumlichen Vorgaben.
Die Stadt hat die offene Jugendarbeit weitgehend an den Stadtjugendring übertragen, der auch entsprechende Mittel erhält. Das führt dazu, das es in der Region Nord-Ost nur zwei feste Einrichtungen für Jugendliche gibt.

Das ist zum einen das Jugendzentrum Fabrik in Lechhausen, zum anderen das Café Unfug an der Grenze zwischen Lechhausen und der Hammerschmiede. Letzteres wurde erst vor zwei Jahren in einem Neubau in Containerform wiedereröffnet. In Hochzoll Süd deckt das Jugendhaus der Lehmbau-Gruppe einen gewissen Bedarf. In Hochzoll-Nord gibt es keine feste Einrichtung. Im Winter gibt es jedoch ein Sportangebot in der Turnhalle des ehemaligen Gehörlosenzentrums, im Sommer versucht der Stadtjugendring, die Jugendlichen mit offenen Sportangeboten zu erreichen.

Markus Verbeeten und Dieter Hegner sitzen im Büro der Sozialarbeiter im Jugendzentrum Fabrik. Einige Kinder und Jugendliche spielen an Konsolen. Das sei nunmal so. Man grenze es ein, aber auf der anderen Seite sei gemeinsam an der Konsole zu Spielen auch gewollt. Die neuen Medien spielen eine immer größere Rolle.

Für viele Jugendliche ist das Jugendhaus zweite Heimat bis hin zum Familienersatz, sagen die Jugendarbeiter. Die Kooperation mit der angrenzenden Schillerschule sei sehr gut. Es gibt eine Mittagsverpflegung, Hausaufgabenhilfe und natürlich eine Reihe von kreativen und sportlichen Angeboten.

„Familien können heute oft nicht mehr ihre erzieherische Rolle ausfüllen, Jugendarbeit kann das nicht ersetzen, sondern maximal abmildern“, ist Verbeeten überzeugt.
Freitagabend im Sommer, Parkplatz eines Supermarktes, Jugendtreff – und dieser ist, wenn man so will, auch der Arbeitsplatz von Dieter Hegner. Schon von weitem hört man laute Musik. Gruppen von Jugendlichen stehen zusammen. Es kreisen Flaschen. Der Ton ist laut, teilweise auch aggressiv. Kunden und auch Beschäftigte des Supermarktes fühlen sich oft unwohl. Die Polizei ist immer wieder vor Ort und versucht, zu beruhigen.
Sozialarbeiter Dieter Hegner kennt die Situation. Zusammen mit dem Supermarkt-Betreiber, der Polizei und einem angrenzenden Sportverein habe man – erfolgreich – daran gearbeitet, die Lage in den Griff zu bekommen.

Doch die Jugendlichen würden sich einfach andere Plätze suchen, erklärt Hegner. „Die Reduktion von Freiräumen für Jugendliche bringt einfach Konflikte mit sich.“
„Jugendliche haben grundsätzlich eine schwierige Verortung, weil sie selber oft nicht wissen, wo sie hinwollen“, konstatiert Verbeeten. Das zeige auch die Tatsache, dass es sehr schwierig sei, zu manchen Gruppen Kontakte aufzubauen.

Für die Jugendarbeiter ist klar, dass das Angebot an freien Treffmöglichkeiten verstärkt werden muss.
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