Narrenmund tut Wahrheit kund

Die Musical - Company.
 
Garde und Siebenerrat. Foto Blöchl
Wenn dem so ist, dann hatte die Kolpingsfamilie Lechhausen bei ihrer 59. Sitzung einiges an Wahrheiten für die Mächtigen, die scheinbar Mächtigen und die vielleicht wirklich Mächtigen zu verkünden. Denn viele bekamen Ihr Fett weg, von den ganz Großen (?) wie natürlich US - "Trampel" Donald Trump, die CSU - Größen Markus Söder und Horst "Dreh"- Seehofer über Andrea Nahles bis hin zu den wirklich Mächtigen (?) in Schule und Familie. Die Männer in ihrer Männlichkeit, die Frauen in ihrer Weiblichkeit und beide zusammen in einer gewissen Unvereinbarkeit - genauso wie die teils vergeblichen Bemühungen von Schule in Kinderhirne Bildung einzupflanzen. Heroen und Helden wie die Ärztezunft fand genauso ihre Würdigung wie lokal tatsächlich oder auch nur vermeintlich wichtige Menschen. Unter ihnen natürlich auch OB Kurt Gribl, der sich die Premiere zusammen mit seiner Frau Sigrid nicht entgehen ließ und sich sichtlich amüsierte.

Herausragendes Musikkabarett

Bei dieser Sitzung wirklich herausragend waren die diversen musikkabarettistischen Darbietungen. Musikalische Vielfalt, geistreich – treffende Texte und überaus motivierte Künstler – es fällt schwer hier eine Wertung zu treffen. Darum lassen wir es auch. Oie Moritat von Maximilian Ohnemus und …bot Bänkelsängermusik vom Feinsten. Bewundernswert wie Geigerin….es schaffte, bewusst so falsch zu spielen. Oder die Musicalcompany als Chefärzte (Barbara Feuerer, Renate Kramer, Marcus Bernhard) mit ihren musikalisch – politischen Persiflagen auf bekannte Melodien (herausragend der Söder – Jodler). Nach einer „Welttournee“ standen die drei Kasperln (Horst Hinterbrandner, Werner und Rudi Ohnemus) wieder auf der Sitzungsbühne. Sie boten mitreißende Melodien und treffende Texte. Die Vielfalt im Programm war bei allen Gruppen groß - Brexit und Trump, Özil und der DFB, Datenschutz und Diesel fanden genauso ihre entsprechende Würdigung wie lokale Ereignisse. AVV und Uniklinik, Jugendamtsskandal und Radwege aber auch der Flößerpark („Erlebnispark weil wir nicht wissen ob wir ihn noch erleben“) wurden aufs Korn genommen.
Ein musikalisches Feuerwerk lieferten die „Blechhauser“, eine junge Formation von Musikern, aus dem Lechhauser Blasorchester stammend. Sie brachten, verkleidet als Bauarbeiter, den Saal mit sonst durchaus eher zurückhaltenden Lechhausern richtig in Stimmung. Eine wirkliche Bereicherung nicht nur des Kolpingfaschings.

Die sprechende Zunft hatte es schwer gegen das musikalische Feuerwerk


Die Einen können ja mit Instrumenten und viel Verkleidung schon für Aufmerksamkeit sorgen, die Anderen sind weitgehend auf ihr Mundwerk und die ihnen zur Verfügung stehenden Texte angewiesen. Und sie haben die Prüfung bestanden, wenn gleich nicht alle Wortwitze so spannend waren wie erhofft und erwartet. Isabella Zilling hatte die mit viel Gespür den jungen Nachwuchskräften beim Kinobesuch und dem großen Talent Marco Dobler als durchaus schwieriger Jugendlicher in Elternhaus und Schule auf den Leib geschrieben. Manche Besucher erinnerten sich applaudierend und schmunzelnd wohl an die eigenen Sprösslinge. Die Szene für die beiden Assistenzärzte Christoph Appel und Tobias Plodeck nahm humorvoll vor allem das Gesundheitswesen unter die Lupe. Klaus Kramer trieb zusammen mit seiner Tochter Isabella den Partner in der Hotline zur Verzweiflung, weil er so ziemlich unbeleckt von irgendwelchen Fachbegriffen versuchte ein Problem an seinem Computer zu beheben.

Angelika Schmitz, zum ersten Male in einer Bütt, persiflierte wunderbar das herrliche Leben einer Hausfrau, Bernhard Bitzl als Patient nahm sich den Landtag vor, Freie Wähler – Chef wurde vor allem wegen seines niederbayerischen Slangs auf den sprichwörtlichen Arm genommen. Der langjährige CSU – Abgeordnete Bernd Kränzle musste als Grund für den Seehofer – Rücktritt herhalten. Deftige Worte (klerikalfaschistoides Demokratieverständnis) fand er für den Plan der Bistümer, das Eigentum der Pfarreien quasi „zu enteignen“. Und last but not least beleuchteten Johann Mayer als Kommentator und Klaus Kramer als Stadtstreicher die aktuelle lokale und hohe Politik. Die Ökos als kleines Feindbild haben es dabei Mayer besonders angetan. So schlug er vor „Biber als Baumfäller einzusetzen“, damit es naturnahe passiert. Aber auch DFB und vor allem Horst Seehofer fanden „lobende“ Erwähnung. Der Stadtstreicher schwankte zwischen eher etwas flachen Witzen und zugespitzen gelungenen Formulierungen zu AVV und kostenlosem Nahverkehr. Die beiden FCA – Fans Rainer Pauly und Stefan Scherer entdeckten unter anderem „Braunkohletagebaue“ in den Kassen der AfD und riefen zum Schutz der Außengrenzen auf dem Stempflesee auf. Und nicht zuletzt die „Muhackl“, wie immer ein Hinschauer und ein Phänomen in ihrer Mimik und ihrem „Bewegungsdrang“. Ihre Beschreibungen von Ehe und Beziehungen streiften manchmal durchaus die Gürtellinie, sie sollten diese nicht überschreiten.


Dynamik und Anmut der Tanzgruppen.

Die Garde mit unterschiedlichen Auftritten, die DJK – Teens mit ihrer Performance „Grease“ oder die „Cowgirla“ von den DJK- Minis, sie alle brachten Stimmung in den Saal. Herausragend die SOS – Sparkassen Showtanzgruppe, die in ihrem Auftritt die 20er – Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufleben ließ. Nicht zu vergessen die Anmut und Grazie des Kolping-Männerballetts.

Und die Zukunft!?!

Der Siebenerrat mit Marcus Bernhard als Sitzungspräsidenten an der Spitze führte flott und souverän wie immer durch diese 59. Session, Talentierter Nachwuchs für die Showbühne scheint vorhanden. Im kommenden Jahr bei der Jubiläumssitzung wird das Programm mindestens so interessant, humorvoll und mitreißend wie in diesem Jahr. Wenn es nicht ganz so lange wird wie jetzt – es werden nicht alle Besucher traurig sein. Mit den Sitzungen ist auch ein Teil des Publikums in ein Alter gekommen, bei dem über vier Stunden schon lang werden können. Trotzdem mit „Narrenspuk Hauruck!“ auf zur 60. Sitzung der Kolpingfamilie Lechhausen.
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