Pleiten, Pech und Pannen: Wieder Verzögerungen beim Flößerpark

Ob und wann es hier weitergeht - noch steht es in den Sternen.
 
Umweltreferent Reiner Erben.

Er sollte ja schon fertig und in Betrieb sein, der Wasserspielplatz am Lech im geplanten Flößerpark. Für diesen Herbst war die Inbetriebnahme einmal geplant. Bäume wurden gefällt, Ufer wurden abgeflacht, Bäume im Fluss verankert. Aber nun kam – wie so oft bei diesem Projekt – wieder etwas dazwischen.

Umweltreferent Reiner Erben – er hat das Projekt von seinem Vorgänger Rainer Schaal (CSU) „geerbt“ – antwortet auf eine schriftliche Anfrage und beschreibt das Dilemma: „Die Umsetzung des Flößerparks hängt von sehr vielen Faktoren ab, welche auch im Vornherein nicht durch einen Bauzeitenplan abzusehen sind.“ Jetzt war der Verdacht aufgekommen, dass während der großen Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auch auf Lechhausen Bomben und andere Kampfmittel in den Lech geworfen worden waren. So wird nun danach gesucht, um die Sicherheit der Besucher und Benutzer zu gewährleisten.

Bisher wurde eine Phosphorgranate gefunden. Weitere Untersuchungen werden durchgeführt. Nachvollziehbar oder auch nicht; Es stellt sich die Frage, warum nicht schon bei der Planung des Parks darauf geachtet wurde.

Jetzt nach mehr als acht Jahren Bau und Planung kommt man auf dieses Problem, das aber auch schon früher bekannt war. Nun wurde auch noch festgestellt, dass das Erdreich belastet ist, ein aufwendiges Gutachten muss erstellt werden, eventuell eine Sondermülldeponie für das kontaminierte Erdreich gesucht werden. Zusätzliche Kosten in nicht geringer Höhe werden wieder auf die Stadt zukommen. Erben schreibt dazu: „Für die Umsetzung des Flößerparks waren laut Projektbeschluss ursprünglich 1,35 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt belaufen sich die Gesamtprojektkosten aktuell auf voraussichtlich circa 2,3 Millionen Euro; das ist der Betrag, den der städtische Haushalt mittlerweile als Ausgabemittel bereitgestellt hat.“ Zumindest das Geld scheint gesichert. Wenn Witterung und andere Umstände es zulassen, könnte der Spielplatz im Sommer 2019 eröffnet werden.

Flößerpark: "Es geht einfach nichts vorwärts"

Und die Gastronomie? Auch hier ist noch nichts in trockenen Tüchern. Für den Besitzer der Brauerei Kühbach Umberto von Beck–Peccoz – die Brauerei möchte die Gaststätte betreiben – ist vieles „unverständlich“, was im Zusammenhang mit der Floßlände läuft. Seit einem halben Jahr wartet er auf den Notarvertrag. Ohne vertragliche Absicherung „kann ich keine Aufträge geben“, stellt er fest. Noch steht er zu dem Projekt, sieht aber auch irgendwann den Punkt, „an dem wir uns anders orientieren müssen“. Eine Eröffnung sieht er frühestens im Sommer 2020 als möglich, „wenn jetzt dann alles wirklich läuft“. Zuerst musste die Stadt die Ausschreibung wiederholen. Jetzt tauchte auf einmal das Problem auf, dass die Grundstücke, auf denen das Ausflugslokal in Form eines Floßes entstehen soll, nicht alle im Eigentum der Stadt sind. Die entsprechenden notwendigen vertraglichen Einigungen auch mit dem Betreiber zogen und ziehen sich. Erben stellt nun in Aussicht, dass die Verträge „spätestens Ende Januar 2019“ unterzeichnet werden.

Ziemlich erbost ist CSU-Stadtrat Klaus-Dieter Huber: „Es geht einfach nichts vorwärts“, sagt er. Im Umweltausschuss geriet er massiv mit Referent Erben aneinander, dem er vorwirft „nur irgendwelche nebulösen Sachen zu erzählen, in der Sache aber nichts zu bewegen“. Mit diesen Vorwürfen ist er nicht allein.

Die Lechhauser tragen es mit einer Spur Humor und Sarkasmus. Die meisten winken ab und wollen „mit dem Flößerpark“ in Ruhe gelassen werden. Ein anderer meint, dass das Projekt erst nach der Kommunalwahl von dem dann dritten zuständigen Referenten eröffnet werde – wenn überhaupt. Und Reiner Erben legt sich auch nicht fest. In seiner Antwort auf die Anfrage stellt er fest: „Aufgrund der aktuellen Bauausführung kann davon ausgegangen werden, dass der Spielplatz im Sommer 2019 fertig gestellt wird. Eine genauere Terminierung einer möglichen Eröffnung ist aufgrund der bekannten Umstände (Altlasten, Kampfmittel, Witterung) zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.“

Kommentar: Flößerpark wird mehr und mehr zur Lachnummer

Als ich Ende 2015 kritisch über die mangelnden Fortschritte am Lechhauser „Renommierprojekt Flößerpark“ schrieb, wurde ich von manchen Seiten, besonders auch aus dem Stadtrat, heftig kritisiert. Unter anderem hatte ich geschrieben, dass die Erholungseinrichtung publikumswirksam wohl zur Kommunalwahl 2020 eröffnet werden würde. Heute steht sogar das noch in den Sternen.

Die neusten Verzögerungen – Wasserspielplatz mindestens sechs Monate, Verträge und Baubeginn für die Gastronomie – wundern schon gar nicht mehr angesichts der Abfolge von „Pleiten, Pech und Pannen wie beim Berliner Flughafen BER“, so die Kolpingfamilie bei ihrer letzten Faschingssitzung. Was als Vorzeigeprojekt gedacht war, entwickelt sich zunehmend zur Lachnummer.

Für ein Projekt mit einer Bausumme von ursprünglich circa 1,3 Millionen Euro werden irgendwann mindestens zehn Jahre vergangen sein. Da vergeht auch manchen Optimisten die gute Laune. Nur der Oberbürgermeister lobt noch bei jeder Gelegenheit wie den Marktsonntagen das Projekt.

„Darüber spreche ich nicht mehr!“, sagte ein CSU-Stadtrat auf meine Nachfrage. Recht hat er! Kein Wort mehr über den Flößerpark – bis zur Eröffnung im Jahre 2020+x. Versprochen. Außer es passiert wieder etwas Unvorhergesehenes, zum Beispiel ein Goldfund im Lech! Dann wären die Mittel zumindest da. Unwahrscheinlich? Genauso unwahrscheinlich wie die Fertigstellung des Flößerparks noch vor Ablauf der Zehnjahresfrist.
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