Rotkreuzläden ändern sich – von der Bedürftigkeit zur Nachhaltigkeit.

Geschäftsführer Michael Gebler dankte Gertraud Rapp mit Blumen für ihren Einsatz. Foto Blöchl
 
Gertraud Rapp vor "ihrem" Lädle in Pfersee. Foto Blöchl

Gertraud Rapp zieht Bilanz nach 10 Jahren in den Secondhandläden.


Sie gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der sozialen Netzwerke in den Stadtteilen Oberhausen, Pfersee und Lechhausen – die Läden oder „Lädle“ wie der Augsburger sagt – des Roten Kreuzes. Begonnen hatte alles vor 10 Jahren, als der Kreisverband Augsburg Stadt den Laden in der Donauwörther Straße von den Kollegen im Landkreis übernahm und dann Gertraud Rapp die Leitung des Projekts übertragen wurde. Nach dem Laden in Oberhausen folgten unter der Ägide von Gertraud Rapp die Geschäfte in Lechhausen und Pfersee. Vor 2 Jahren kam in Pfersee auch noch das „Kästle“ dazu, ein Laden neben dem Secondhand-Shop, in dem Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Gläser, Spiegel etc. verkauft werden. Viele Menschen hatten nachgefragt, ob sie nicht auch Dinge abgeben könnten, die sie nicht mehr brauchen aber trotzdem noch gut erhalten und benutzbar sind. Und das Kästle ist genauso erfolgreich wie die auf Kleidung spezialisierten „Schwestern“. Erwähnt werden sollte auch, dass in Pfersee zweimal eine Revue des Mehrgenerationentreffs aus dem Fundus des Ladens ausgestattet wurde.
Sie hat die Läden aufgebaut und weiterentwickelt, jetzt wurde sie bei einer Feier in Pfersee in den Ruhestand verabschiedet. Ausgehend von der zunehmenden Armut war es die Zielsetzung, Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit zu geben, sich preisgünstig und trotzdem hochwertig und modern einzukleiden und auch entsprechende Accessoires zu kaufen. Das Prinzip war eigentlich einfach: man erhoffte sich Kleiderspenden von Menschen, die ihre übrige Kleidung ausmusterten. Diese wurde aufbereitet und dann preisgünstig weiterverkauft. Das alles mit weitgehend ehrenamtlichen oder geringfügig beschäftigten Kräften, die stundenweise in den Läden arbeiteten. Darauf ist die jetzige Ruheständlerin – ein bisschen mithelfen will sie vielleicht doch noch! – besonders stolz: „Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, ohne sie wäre das alles gar nichtmöglich gewesen.“ Viele von ihnen waren auch bei der Verabschiedung anwesend, die Verbundenheit war spürbar. Hier liegt auch ein kleiner Sorgenpunkt: Die Zahl der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wird weniger!

Der Erfolg des Konzeptes ist sichtbar und spürbar.

Wer die Läden besucht, findet ein breites Sortiment von Kleidung für Frauen, Männer und Kinder, dazu viele modische Zusatzartikel. „Die Geschäfte tragen sich wirtschaftlich selbst“ betont Rapp im Gespräch. Und auch der besuch ist fast immer ziemlich intensiv. Von Beginn an wollte man nicht nur diejenigen ansprechen, die tatsächlich wirtschaftliche Probleme haben. Jeder kann und darf in den Läden einkaufen, unabhängig vom Einkommen. Wer einen Ausweis vorlegt, in dem der Bezug von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe bescheinigt wird erhält einen zusätzlichen Rabatt auf die schon niedrigen Verkaufspreise. „Für viele Familien ist es die einzige Möglichkeit sich preiswert gut einzukleiden“ betont Rapp und erzählt, wie glücklich manche Menschen über diese Möglichkeit sind. Mittlerweile kaufen aber auch viele Kundinnen und Kunden ein, die sich einfach modische und moderne Kleidung zu einem günstigen Preis kaufen wollen. Der Nachschub an hochwertiger Kleidung war nach ihren Aussagen nie ein Problem. Selbst in der Zeit, als viele Menschen zu uns ins Land kamen und auch in den Läden einkauften gab es immer ein ausreichendes Angebot. Für viele Menschen, insbesondre Frauen, ist es eine gute Möglichkeit, überzählige Kleidung einer sinnvollen neuen Bestimmung zuzuführen.

Rapp sieht in den 10 Jahren eine langsame aber große Veränderung in den Läden. Mittlerweile tritt der „Gedanke der Nachhaltigkeit“ neben den Anspruch, Bedürftigen zu helfen. Kleidung wird auch unter dem Gesichtspunkt abgegeben, „Ressourcen zu sparen und so auch ökologisch etwas zu tun!“ So sieht den Zeitpunkt ihres Abschiedes für durchaus passend, in den Läden vielleicht noch neue Wege zu gehen. Ihre Nachfolgerin Ruth Groschke findet dazu eine hervorragende Basis vor, die ihr Gertraud Rapp hinterlassen hat.

Die Rotkreuzläden findet man:
Oberhausen – Donauwörther Straße 18
Lechhausen – Schill-/Turnerstraße 1
Pfersee – Augsburger Straße 14
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